Färöer ist eine kleine eher unbekannte Nation, bestehend aus einer kleinen Inselgruppe zwischen Schottland und Island. Die Inseln sind besiedelt, mit Brücken, Tunnels und Fähren verbunden. Sie liegen enger zusammen als die Kanaren, aber natürlich auch viel nördlicher. Das Wetter ist eher kalt, feucht und vor allem wechselhaft. Die Färöer alleine wären den Aufwand vermutlich nicht wert, aber die Fähre nach Island hält hier. Der Betreiber ist von den Färöer, und es gibt einen spürbaren Rabatt für den Weg nach Island, wenn man ein paar Tage in Färöer bleibt. Das nehmen wir doch gerne mit. Die Passknacker waren schon hier, und so ist die Route schnell geplant.
Die Anreise mit eigenen Fahrzeugen geht nur per Fähre, die ab Hirtshals startet, also am nördlichen Ende Dänemarks. Wer nicht gerade nördlich von Hamburg wohnt, wird dafür zwei Tage brauchen. Die Fähre braucht 47 Stunden nach Färöer und weitere 24 Stunden nach Island. Somit hat man 3-5 Tage nur für die Anreise, und zurück ebenso.
Ich möchte im August 2025 diese Reise mit meiner Aprilia Tuareg 660 machen und finde drei Mitfahrer: Mirko auf noch einer Tuareg (serienmäßig 18 Liter), Luca auf einer Tenere 700 mit 24 Liter Acerbis-Tank, und Sebastian auf einer KTM 690 SMC-R mit 12 Liter Tank, aber einigen Kanistern. Reichweite ist wichtig, wenn man Punkte im Hochland anfahren möchte. Ich plane die Route und buche die Unterkünfte. Es geht im Kreis vom Hafen im Osten gegen den Uhrzeigersinn bis zur Hauptstadt im Südwesten, über sämtlichen Straßenpunkte, bis der Landespreis im Kasten ist. Dann gibt's einen Ruhetag, und die restlichen vier Tage können wir uns im Hochland austoben. Das Hochland ist aber alles andere als ein Freizeitpark. Am berüchtigtsten sind wohl die Furten, also Flussdurchfahrten. Auf einigen Pisten gibt es keine Brücken, wer weiter will, bekommt nasse Füße, und wer dabei nicht aufpasst, kommt ohne Motorrad zurück. Man muss sich laufend informieren über Wetter- und Straßenverhältnisse, denn vom Wasserstand in den Flüssen hängt ab, ob man es überhaupt versuchen sollte. Ebenso wichtig ist das Wetter: Es sind alle Garstigkeiten möglich, die man sich vorstellen kann: Schnee im August, nass-kalte Stürme, Sandstürme, oder einfach nur dicker Nebel über hunderte Kilometer.
Zur Vorbereitung sollte man auch noch wissen, dass Färöer und Island nicht in der EU sind. Färöer ist auch nicht im Europäischen Wirtschaftsraum EWR, so dass Roaming-Regeln der EU hier nicht gelten. Es wird also sehr teuer, oder es geht einfach nicht. Es gibt aber ESIM-Anbieter, die gern zu Werbezwecken hier und da mal ein GB weltweit verschenken, und da haben wir uns vorbereitet. Die Landeswährung die Färöer-Krone, eigenes Bargeld, 1:1 an die Dänische Krone gekoppelt. Dänische Kronen werden in Färöer akzeptiert, aber nicht umgekehrt. Island hat eine eigene Währung. Einer Deutscher Personalausweis genügt, alle anderen sollten sich informieren, insbesondere Färöer hat nicht so viele Abkommen mit anderen Ländern für visafreie Einreise.
Fr 1.8. Anreise 1 (Achse, Anhänger)
Heute geht's los! Ich war noch nie so aufgeregt vor einer Reise. Ich entscheide mich für ein Topcase und einen Seitenkoffer. Normalerweise kommen Regensachen in eine kleine Tasche aufm Sozius, aber hier habe ich mehr Regen- und Kälteschutz dabei, da darf es ein zweites Stück Hartgepäck sein. Da kommt dann unter anderem meine Heizkleidung rein. Am Abend vor der Abreise fällt mir noch ein, dass ich prüfen sollte, ob das Anschlusskabel vom Motorrad für die Heizkleidung eigentlich an der Aprilia montiert ist? Ich habe zwei davon, aber drei Motorräder. Und siehe da: Nein, war es nicht! Das wäre blöd geworden. Los geht's Freitag um 8:30 nach Suhl, zu Sebastian, der hat einen Anhänger und das passende Zugfahrzeug dazu. Somit wird ab 10 Uhr aufgeladen und um 11 rollen wir nach Norden.

Es ist Ferienanfang in Bayern. Die Wacken-Anreisewelle ist zwar gerade durch, aber trotzdem kostet uns der Elbtunnel 1,5 Stunden Verzögerung. Von beiden Seiten gibt's Stau bis zur tiefsten Stelle, bergauf werden die Lücken wieder länger. Liebe Autofahrer, bergauf muss man mehr Gas geben! Das wissen wohl viele nicht. Insgesamt macht das wenig Freude, aber da muss man durch. Mirko hat uns bei seiner Familie in Heide eine private Übernachtungsmöglichkeit organisiert, und wir werden mit einem üppig bestückten Grill empfangen. So viel wollte ich eigentlich gar nicht essen, ich schaffe es aber doch, um 22 Uhr ist dann schon Schluss für heute. Dazu trägt auch bei, dass wir tagsüber Mails erhalten, dass die Fähre wegen schlechtem Wetter eine Stunde früher fährt. Das macht nicht gerade Hoffnung auf einen Glücklichen Magen, aber da muss man durch.
Sa 2.8. Anreise 2 (Auto, Fähre)
Wir stehen 4 Uhr auf, Zähneputzen, einpacken, und ab ins Auto. Auf dem Weg zur Autobahn suchen wir eine Tankstelle, was so früh gar nicht so einfach ist, weil es zwar viele Tankstellen gibt, die aber so früh noch geschlossen sind, und das gilt seltsamerweise auch für Automatentankstellen. Bei Sonnenaufgang fahren wir zwischen nebligen Wiesen, was gar nicht so schlecht aussieht...

Heute ist praktisch kein Verkehr, insbesondere LKW fehlen fast völlig. Dänemark hat grundsätzlich Grenzkontrollen aufgebaut, Typ "böse gucken", aber heute ist keiner da. Wir rollen und rollen. Dänemark hat viele lange Autobahnbaustellen, das ist mir letztes Jahr schon aufgefallen, aber weniger schlimm als letztes Jahr auf dem Weg nach Norwegen, und auch weniger schlimm als die A3 zwischen Nürnberg und Würzburg. So sind wir ohne Stau und mit nur zwei Pippi-, Tank- und Brötchenpausen um 10:30 in Hirtshals. Sebastian hat einen Stellplatz für Auto und Hänger vorab gebucht, direkt an der Tankstelle mit Café und Shop beim ersten Kreisverkehr. Das Wetter unterwegs war eine bunte Mischung von allem, in allen Intensitäten. Ich bin jedenfalls froh, nicht am Wacken Open Air zu zelten. Luca und Mirko sind schon da, so gibt's fröhliches Wiedersehen, und nach dem Abladen einen Imbiss.
Bald ist gefühlt Zeit zum Aufbrechen, nicht auf den letzten Drücker, und in einer Regenpause rollen wir paarweise entsprechend unseren Kabinenbuchungen durch die Checkin-Pforten. Wir warten keine 10 Minuten in Spur Nummer 19, bis wir aufs Schiff beordert werden. Links hoch und gerade vor die Wand fahren. Die Motorradplätze sind markiert und gar nicht SO breit. Es ist wirklich warm in der Fähre. Ich lasse Helm, Stiefel und Airbag am Motorrad, nehme meine Topcase-Innentasche mit und spanne mein Motorrad ab mit den hier bereit hängenden, eher ungewöhnlichen Zurrgurten.

Unsere Außenkabine ist ausgeschildert und Luca möchte ohne Warten an der Rezeption direkt dorthin. Die Türen haben NFC-Schlösser, und sie akzeptieren tatsächlich unsere gedruckten Karten vom Durchfahrt-Checkin. Die Außenkabine mit Fenster kostet hin und zurück pro Person nur 100 Euro mehr, was bei den vierstelligen Beträgen auf dieser Reise nicht so wirklich ins Gewicht fällt, aber nicht nur schöner ist, sondern vielleicht auch den Magen schont. Wir duschen nacheinander noch im Hafen. Die Fähre legt nicht wie ursprünglich geplant 15:30 ab oder 14:30 wie angekündigt, sondern sogar 14:10. Die Stimmung an Bord ist gut und weil es nicht regnet, können wir auf dem Sonnendeck das Auslaufen verfolgen. Ich habe verpasst, wie drei Tankschiffe gleichzeitig Treibstoff in die Fähre pumpen.

Sich auf der Fähre als Gruppe zu organisieren ist eher schwer, denn sie ist groß, unsere Kabinen sind nicht in der Nähe voneinander, es gibt kein Handynetz oder WLAN, bzw sind sie prohibitiv teuer. Ich habe eher aus Neugier Meshtastic-Knoten dabei. Das sind kleine Geräte mit interner Antenne, die als Funkbrücken Handies verbinden können, um Textnachrichten in einer eigenen App zu übertragen. Die Besonderheit an MESHtastic ist, dass die Funkknoten auch fremde Nachrichten weiterleiten. Quasi eine Mitfahrgelegenheit für Daten. Die Kommunikation erfolgt ohne Handynetz, ohne WLAN und ohne Bluetooth. Leider ist die Fähre groß und aus Stahl, und anscheinend hat niemand sonst Funkknoten dabei und in Betrieb, daher kommen die Nachrichten nicht durch, außer wenn man schon auf der gleichen Ebene ist. Vielleicht hilft es später auf der Reise. Ich hole etwas Schlaf nach. Die Außenkabine ist angenehm, gute Sicht und kein Lärm.
So 3.8. Anreise 3 (Fähre)
Ich wache einigermaßen erholt auf. Luca und ich verbringen das Frühstück auf Deck 10, Laterna Magica, mit ganz viel Ausblick. Ich gönne mir einen Schicken-Käse-Croissant. Danach gibt's ein Nickerchen, und wir passieren die Shetlandinseln so dicht, dass wir 45 Minuten wieder Handynetz haben. Achtung Kostenfalle, UK ist nicht mehr EU und auch nicht EWG, daher bleibt es eurem Netzbetreiber überlassen, ob er es wie EU behandelt oder euch tief in die Tasche greift.
Das Wetter ist heute eigentlich nicht schlecht, aber mir wird trotzdem schlecht, und beim Packen ist es dann soweit: Ich lasse mir das Wasser nochmal durch den Kopf gehen. Danach geht's aber. Insgesamt habe ich drei Tabletten gegen Übelkeit genommen. 2 Stunden vor Ankunft muss man aus der Kabine raus, darf man für 15 Minuten aufs Autodeck. Das nutzen meine Mitfahrer, um ihr Gepäck aufzuschnallen. Ich bin da eher skeptisch, ich habe ja nur eine Topcaseinnentasche an der Schulter baumeln. Dafür will ich mich eigentlich nicht in die Schlage stellen, und dann mitten in Menschenmassen ausprobieren, ob ich vielleicht nochmal kotzen muss. Also geht's halt wieder aufs schöne Deck 10, gucken wie die Fähre einfährt.

Dann runter, Motorrad beladen, und raus. Es gibt einen gewissen Rückstau, aber der Zoll spricht niemanden an, und so geht's bald in den sehr übersichtlichen Stadtverkehr. Und nach 5 Minuten sind wir an der Ferienwohnung. Die ist im Dachgeschoss eines gewöhnlichen Hauses, hat zwei Schlafzimmer, ein Bad und eine Wohnküche. Zum Abendessen werden Nudeln gekocht. Jetzt geht's drei Tage Pässe knacken in Färöer ohne Wechsel der Unterkunft, eine schöne Abwechslung zu den drei Tagen Anreise bisher. Ich freu mich drauf!































































































