Pässe knacken in Island und Färöer 2025

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blahwas
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Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#1 Beitrag von blahwas »

Island kennen wohl die meisten. Eines der nördlichsten Länder der Welt, gelegen auf einer Insel vulkanischen Ursprungs. Und dieser Vulkanismus ist noch immer sehr präsent. Es gibt heiße Quellen, Geysire, Mondlandschaften, Gletscher, im Winter dicke Eispanzer, und immer und überall Schotterpisten. Was es nicht gibt: Wald, Autobahnen, Wespen. Es gibt einen Passknacker Landespreis. Den bekommt man, wenn man alle Punkte in der Datenbank besucht, die auf der Straße oder auf leichten Pisten erreichbar sind. Darüber hinaus gibt es aber weitere Punkte, die man aus Neugier, Entdeckergeist oder Ehrgeiz anfahren kann, deren Wege so grob sind, dass man mit einem normalen PKW dort nicht fahren möchte. An manchen davon war noch nie ein Passknacker. Das weckt meinen Ehrgeiz sehr.

Färöer ist eine kleine eher unbekannte Nation, bestehend aus einer kleinen Inselgruppe zwischen Schottland und Island. Die Inseln sind besiedelt, mit Brücken, Tunnels und Fähren verbunden. Sie liegen enger zusammen als die Kanaren, aber natürlich auch viel nördlicher. Das Wetter ist eher kalt, feucht und vor allem wechselhaft. Die Färöer alleine wären den Aufwand vermutlich nicht wert, aber die Fähre nach Island hält hier. Der Betreiber ist von den Färöer, und es gibt einen spürbaren Rabatt für den Weg nach Island, wenn man ein paar Tage in Färöer bleibt. Das nehmen wir doch gerne mit. Die Passknacker waren schon hier, und so ist die Route schnell geplant.

Die Anreise mit eigenen Fahrzeugen geht nur per Fähre, die ab Hirtshals startet, also am nördlichen Ende Dänemarks. Wer nicht gerade nördlich von Hamburg wohnt, wird dafür zwei Tage brauchen. Die Fähre braucht 47 Stunden nach Färöer und weitere 24 Stunden nach Island. Somit hat man 3-5 Tage nur für die Anreise, und zurück ebenso.

Ich möchte im August 2025 diese Reise mit meiner Aprilia Tuareg 660 machen und finde drei Mitfahrer: Mirko auf noch einer Tuareg (serienmäßig 18 Liter), Luca auf einer Tenere 700 mit 24 Liter Acerbis-Tank, und Sebastian auf einer KTM 690 SMC-R mit 12 Liter Tank, aber einigen Kanistern. Reichweite ist wichtig, wenn man Punkte im Hochland anfahren möchte. Ich plane die Route und buche die Unterkünfte. Es geht im Kreis vom Hafen im Osten gegen den Uhrzeigersinn bis zur Hauptstadt im Südwesten, über sämtlichen Straßenpunkte, bis der Landespreis im Kasten ist. Dann gibt's einen Ruhetag, und die restlichen vier Tage können wir uns im Hochland austoben. Das Hochland ist aber alles andere als ein Freizeitpark. Am berüchtigtsten sind wohl die Furten, also Flussdurchfahrten. Auf einigen Pisten gibt es keine Brücken, wer weiter will, bekommt nasse Füße, und wer dabei nicht aufpasst, kommt ohne Motorrad zurück. Man muss sich laufend informieren über Wetter- und Straßenverhältnisse, denn vom Wasserstand in den Flüssen hängt ab, ob man es überhaupt versuchen sollte. Ebenso wichtig ist das Wetter: Es sind alle Garstigkeiten möglich, die man sich vorstellen kann: Schnee im August, nass-kalte Stürme, Sandstürme, oder einfach nur dicker Nebel über hunderte Kilometer.

Zur Vorbereitung sollte man auch noch wissen, dass Färöer und Island nicht in der EU sind. Färöer ist auch nicht im Europäischen Wirtschaftsraum EWR, so dass Roaming-Regeln der EU hier nicht gelten. Es wird also sehr teuer, oder es geht einfach nicht. Es gibt aber ESIM-Anbieter, die gern zu Werbezwecken hier und da mal ein GB weltweit verschenken, und da haben wir uns vorbereitet. Die Landeswährung die Färöer-Krone, eigenes Bargeld, 1:1 an die Dänische Krone gekoppelt. Dänische Kronen werden in Färöer akzeptiert, aber nicht umgekehrt. Island hat eine eigene Währung. Einer Deutscher Personalausweis genügt, alle anderen sollten sich informieren, insbesondere Färöer hat nicht so viele Abkommen mit anderen Ländern für visafreie Einreise.

Fr 1.8. Anreise 1 (Achse, Anhänger)

Heute geht's los! Ich war noch nie so aufgeregt vor einer Reise. Ich entscheide mich für ein Topcase und einen Seitenkoffer. Normalerweise kommen Regensachen in eine kleine Tasche aufm Sozius, aber hier habe ich mehr Regen- und Kälteschutz dabei, da darf es ein zweites Stück Hartgepäck sein. Da kommt dann unter anderem meine Heizkleidung rein. Am Abend vor der Abreise fällt mir noch ein, dass ich prüfen sollte, ob das Anschlusskabel vom Motorrad für die Heizkleidung eigentlich an der Aprilia montiert ist? Ich habe zwei davon, aber drei Motorräder. Und siehe da: Nein, war es nicht! Das wäre blöd geworden. Los geht's Freitag um 8:30 nach Suhl, zu Sebastian, der hat einen Anhänger und das passende Zugfahrzeug dazu. Somit wird ab 10 Uhr aufgeladen und um 11 rollen wir nach Norden.

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Es ist Ferienanfang in Bayern. Die Wacken-Anreisewelle ist zwar gerade durch, aber trotzdem kostet uns der Elbtunnel 1,5 Stunden Verzögerung. Von beiden Seiten gibt's Stau bis zur tiefsten Stelle, bergauf werden die Lücken wieder länger. Liebe Autofahrer, bergauf muss man mehr Gas geben! Das wissen wohl viele nicht. Insgesamt macht das wenig Freude, aber da muss man durch. Mirko hat uns bei seiner Familie in Heide eine private Übernachtungsmöglichkeit organisiert, und wir werden mit einem üppig bestückten Grill empfangen. So viel wollte ich eigentlich gar nicht essen, ich schaffe es aber doch, um 22 Uhr ist dann schon Schluss für heute. Dazu trägt auch bei, dass wir tagsüber Mails erhalten, dass die Fähre wegen schlechtem Wetter eine Stunde früher fährt. Das macht nicht gerade Hoffnung auf einen Glücklichen Magen, aber da muss man durch.

Sa 2.8. Anreise 2 (Auto, Fähre)

Wir stehen 4 Uhr auf, Zähneputzen, einpacken, und ab ins Auto. Auf dem Weg zur Autobahn suchen wir eine Tankstelle, was so früh gar nicht so einfach ist, weil es zwar viele Tankstellen gibt, die aber so früh noch geschlossen sind, und das gilt seltsamerweise auch für Automatentankstellen. Bei Sonnenaufgang fahren wir zwischen nebligen Wiesen, was gar nicht so schlecht aussieht...

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Heute ist praktisch kein Verkehr, insbesondere LKW fehlen fast völlig. Dänemark hat grundsätzlich Grenzkontrollen aufgebaut, Typ "böse gucken", aber heute ist keiner da. Wir rollen und rollen. Dänemark hat viele lange Autobahnbaustellen, das ist mir letztes Jahr schon aufgefallen, aber weniger schlimm als letztes Jahr auf dem Weg nach Norwegen, und auch weniger schlimm als die A3 zwischen Nürnberg und Würzburg. So sind wir ohne Stau und mit nur zwei Pippi-, Tank- und Brötchenpausen um 10:30 in Hirtshals. Sebastian hat einen Stellplatz für Auto und Hänger vorab gebucht, direkt an der Tankstelle mit Café und Shop beim ersten Kreisverkehr. Das Wetter unterwegs war eine bunte Mischung von allem, in allen Intensitäten. Ich bin jedenfalls froh, nicht am Wacken Open Air zu zelten. Luca und Mirko sind schon da, so gibt's fröhliches Wiedersehen, und nach dem Abladen einen Imbiss.

Bald ist gefühlt Zeit zum Aufbrechen, nicht auf den letzten Drücker, und in einer Regenpause rollen wir paarweise entsprechend unseren Kabinenbuchungen durch die Checkin-Pforten. Wir warten keine 10 Minuten in Spur Nummer 19, bis wir aufs Schiff beordert werden. Links hoch und gerade vor die Wand fahren. Die Motorradplätze sind markiert und gar nicht SO breit. Es ist wirklich warm in der Fähre. Ich lasse Helm, Stiefel und Airbag am Motorrad, nehme meine Topcase-Innentasche mit und spanne mein Motorrad ab mit den hier bereit hängenden, eher ungewöhnlichen Zurrgurten.

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Unsere Außenkabine ist ausgeschildert und Luca möchte ohne Warten an der Rezeption direkt dorthin. Die Türen haben NFC-Schlösser, und sie akzeptieren tatsächlich unsere gedruckten Karten vom Durchfahrt-Checkin. Die Außenkabine mit Fenster kostet hin und zurück pro Person nur 100 Euro mehr, was bei den vierstelligen Beträgen auf dieser Reise nicht so wirklich ins Gewicht fällt, aber nicht nur schöner ist, sondern vielleicht auch den Magen schont. Wir duschen nacheinander noch im Hafen. Die Fähre legt nicht wie ursprünglich geplant 15:30 ab oder 14:30 wie angekündigt, sondern sogar 14:10. Die Stimmung an Bord ist gut und weil es nicht regnet, können wir auf dem Sonnendeck das Auslaufen verfolgen. Ich habe verpasst, wie drei Tankschiffe gleichzeitig Treibstoff in die Fähre pumpen.

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Sich auf der Fähre als Gruppe zu organisieren ist eher schwer, denn sie ist groß, unsere Kabinen sind nicht in der Nähe voneinander, es gibt kein Handynetz oder WLAN, bzw sind sie prohibitiv teuer. Ich habe eher aus Neugier Meshtastic-Knoten dabei. Das sind kleine Geräte mit interner Antenne, die als Funkbrücken Handies verbinden können, um Textnachrichten in einer eigenen App zu übertragen. Die Besonderheit an MESHtastic ist, dass die Funkknoten auch fremde Nachrichten weiterleiten. Quasi eine Mitfahrgelegenheit für Daten. Die Kommunikation erfolgt ohne Handynetz, ohne WLAN und ohne Bluetooth. Leider ist die Fähre groß und aus Stahl, und anscheinend hat niemand sonst Funkknoten dabei und in Betrieb, daher kommen die Nachrichten nicht durch, außer wenn man schon auf der gleichen Ebene ist. Vielleicht hilft es später auf der Reise. Ich hole etwas Schlaf nach. Die Außenkabine ist angenehm, gute Sicht und kein Lärm.

So 3.8. Anreise 3 (Fähre)

Ich wache einigermaßen erholt auf. Luca und ich verbringen das Frühstück auf Deck 10, Laterna Magica, mit ganz viel Ausblick. Ich gönne mir einen Schicken-Käse-Croissant. Danach gibt's ein Nickerchen, und wir passieren die Shetlandinseln so dicht, dass wir 45 Minuten wieder Handynetz haben. Achtung Kostenfalle, UK ist nicht mehr EU und auch nicht EWG, daher bleibt es eurem Netzbetreiber überlassen, ob er es wie EU behandelt oder euch tief in die Tasche greift.

Das Wetter ist heute eigentlich nicht schlecht, aber mir wird trotzdem schlecht, und beim Packen ist es dann soweit: Ich lasse mir das Wasser nochmal durch den Kopf gehen. Danach geht's aber. Insgesamt habe ich drei Tabletten gegen Übelkeit genommen. 2 Stunden vor Ankunft muss man aus der Kabine raus, darf man für 15 Minuten aufs Autodeck. Das nutzen meine Mitfahrer, um ihr Gepäck aufzuschnallen. Ich bin da eher skeptisch, ich habe ja nur eine Topcaseinnentasche an der Schulter baumeln. Dafür will ich mich eigentlich nicht in die Schlage stellen, und dann mitten in Menschenmassen ausprobieren, ob ich vielleicht nochmal kotzen muss. Also geht's halt wieder aufs schöne Deck 10, gucken wie die Fähre einfährt.

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Dann runter, Motorrad beladen, und raus. Es gibt einen gewissen Rückstau, aber der Zoll spricht niemanden an, und so geht's bald in den sehr übersichtlichen Stadtverkehr. Und nach 5 Minuten sind wir an der Ferienwohnung. Die ist im Dachgeschoss eines gewöhnlichen Hauses, hat zwei Schlafzimmer, ein Bad und eine Wohnküche. Zum Abendessen werden Nudeln gekocht. Jetzt geht's drei Tage Pässe knacken in Färöer ohne Wechsel der Unterkunft, eine schöne Abwechslung zu den drei Tagen Anreise bisher. Ich freu mich drauf!

swebbo
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#2 Beitrag von swebbo »

Uiui..wieder ne tolle Abendlektüre. Viel Spass und aufpassen, dass du nicht vom Bock fällst :-)

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karklausi
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#3 Beitrag von karklausi »

Ich freu mich sehr auf den Reisebericht, da ich dort vor 2 Monaten war und wünsche euch gutes Wetter und niedrige Furten.
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ometa
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#4 Beitrag von ometa »

Ist jetzt schon spannend! :-)
Gute Reise!
Gruß aus Much von Gero

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Umsteiger
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#5 Beitrag von Umsteiger »

Yipiii 😁
Blahwas ist wieder unterwegs und ich darf jeden Abend mit.
DANKE 👍

Umsteiger

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Jada
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#6 Beitrag von Jada »

Umsteiger hat geschrieben: 4. Aug 2025 21:26 Yipiii 😁
Blahwas ist wieder unterwegs und ich darf jeden Abend mit.
DANKE 👍

Umsteiger
Geht dir nicht alleine so :o . Ich freue mich auch auf die Reisebericht von Johannes :]
Danke blahwas :clap:
Jan :bike: und Dani :engel:

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blahwas
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#7 Beitrag von blahwas »

4.8. Suduroy

Wer Norwegen zu mainstreaming findet, der fährt nach Island. Wer Island zu mainstreamig findet, der fährt nach Färöer. Wer Färöer zu mainstreamig findet, der fährt nach Suduroy. Ich fahre heute nach Suduroy. Das ist die südlichste der Färöer-Inseln, und nur über eine zweistündige Fährverbindung zu erreichen. Aufgrund des Fahrplans dieser Fähre muss ich heute fahren, morgen komme ich nicht hin und wieder zurück, und übermorgen komme ich zwar wieder zurück, aber dann ist Fähre nach Island schon weg. Ich schreibe "muss", weil das Wetter heute nicht so gut ist – schlechteste Vorhersage dieser drei Tage. Die Passknacker haben 6 Punkte in Suduroy platziert, und so geht's 7:30 Uhr los. Der Rest der Bande meutert, bzw. will einfach nur erholsamen Urlaub machen!? Die schlafen um 7:30 sogar noch, oder tun zumindest so.

Die Fähre Smyril ist eine große mit 2 Autodecks, 2 Decks mit Restaurants. Es gibt auch Kabinen. Tipp, man kann dort auf Anfrage auch übernachten. Außerdem sollte man einen Spanngurt zum Verzurren mitbringen. Ich habe ein Motorradticket plus einen Erwachsenen gebucht, werde beim Checkin aber darauf hingewiesen, dass der Erwachsene beim Motorrad schon drin ist. Ich soll mir den Aufpreis erstatten lassen am Kiosk. Der Kiosk sieht das leider anders, aber ich lasse mich nicht ärgern und kaufe mir mein Frühstück. Man kann sich hier wie beim Bäcker alles kombinieren, zwei Nutellabrötchen 9 Euro. Es gibt kostenloses WLAN, das auch gut funktioniert. Ich bin zwar der einzige Deutsche auf dieser Fähre, aber nicht der einzige Motorradfahrer: Ein Einheimischer überführt seine top gepflegte und geputzte, weiße Kawasaki VN 1500 nach Suduroy, danach muss er aber gleich wieder zurück, zur Arbeit. Nach zwei Stunden Überfahrt rolle ich motiviert von der Insel und freue mich auf die ersten Passknacker. Die Landschaft ist schon toll hier.

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Das erste Passknacker-Motiv heute ist ein gesperrter Tunnel. Es gibt inzwischen einen neuen, längeren, tieferen Tunnel. Es fängt bald zu regnen an, und ich bin in der Regenjacke, aber nicht in der Regenhose. Meine Textilmotorradhose ist ja wasserdicht, tja, nein, nicht wirklich. Ich bleibe aber tapfer und aktiviere stattdessen die Sitzheizung.

Wegen der schlechter werdenden Wettervorhersage will ich die Punkte lieber gleich einsammeln, und später nach einem weiteren Zeitvertreib suchen. Mehr als genug Zeit habe ich. Alle Punkte einsammeln sind nur 85 km, inkl. Strecken von und zur Fähre auf Suduroy. Ein paar längere Tunnel liegen auf dem Weg. Mein verspiegeltes Visier ist da nicht ganz zu so super, aber dank meiner neuen Spoilerscheibe kann ich mit offenem Visier 80 km/h fahren, und schneller fahren darf man hier eh nicht. Nicht, dass das jemanden stören würde, aber eilig hat man es hier auch nicht. Wo will man auch hin? So sammle ich die Punkte ein, bewundere die Steilküsten, und mal eine Kirche hier, ein altes Haus da, oder eine friesische Siedlung am Akraberg, dem südlichsten Punkt.

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Nach dem letzten Punkt fahre ich an eine Tankstelle, nicht dass ich tanken müsste, aber ich kann. Und danach will ich im Trocknen meine Passknacker-Foto-Nachweise hochladen, um zu sehen, ob alles geklappt hat und vollständig ist. Es hat alles geklappt und ist auch vollständig. Sehr gut! Tagesziel erreicht. Jetzt habe ich noch knapp 6 Stunden, bis meine Fähre ablegt. Nein, früher geht's nicht. Ich suche in offenes Restaurant, die Auswahl ist überraschend gering. Die Pizzeria Avocado sieht geschlossen aus, ist aber offen, und ich gönne mir eine Pizza "Hot Pepper". Die war tatsächlich scharf, ansonsten ist das Ambiente des Ladens eher enttäuschend, und außer mir kommt nur eine weitere Touristengruppe, die ich schon von der Fähre kenne. Die Toilette ist "upstairs", eine steile Holztreppe hoch, scheinbar im Wohnraum des Kochs. Ich ziehe meine nassen Stiefel aus, soviel Höflichkeit muss sein. Leider schließt er 14 Uhr und mich muss mir ein neues Obdach suchen. Also zurück zur Tankstelle, die hatte einen Shop, und da gibt's auch Haribo.

Noch eine Stunde später fällt mir ein, dass ich ja auch noch eine Regenhose dabei habe, zum drüberziehen. Die zieht dann vielleicht Feuchtigkeit aus der nassen Motorradhose, und ich habe ja noch Sitzheizung – und ganz im Norden gibt's noch einen Ort und ein paar Stichstraßen, die ich anfahren könnte. Also geht's los nach Sandvik. Da wartet ein 1,5 km langer einspuriger Tunnel, der aber schnurgerade ist, so dass man sehen kann, ob jemand entgegen kommt. Man soll 100 Meter Abstand zum Vordermann halten. Ich verstehe nicht direkt, warum, aber im Tunnel sind Ausweichbuchten, und die sind eben 100 Meter voneinander entfernt. Nötig war's nicht, ganz Suduroy hat 4700 Einwohner, hinterm Tunnel kommt nur noch Sandvik mit 87 Einwohnern. Da fährt man hin, wenn einem Suduroy zu mainstreamig ist ;) Es gibt, wie der Name schon sagt, eine sandige Bucht, die man als Strand deuten könnte. Leider verpasse ich die Klippe Ásmundarstakkur, wo man Papageitaucher beobachtet könnte. Der Weg dahin sah sehr nach Traktorpfad aus, den habe ich nicht riskiert, ausgeschildert war auch nix. Ihr wisst es jetzt ;)

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Danach fahre ich noch etwas auf der Insel umher, auch die größte Ortschaft Tyoroyri, wo es einige Geschäfte gibt, u.a. eine große Apotheke. Es gibt auch eine große Kirche und einen Gedenkstein. Das Museum hat leider nicht offen, und in komplett nassen Sachen mag ich da eigentlich auch nicht rein.

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Schließlich fahre ich zum Fähranleger auf der anderen Seite der Bucht und setze mich in den Warteraum. Die Fähre kommt, ich darf als erster rein, Motorrad anleinen, und oben Platz nehmen. Die Überfahrt ist ruhig und 21:30 bin ich wieder in der Ferienwohnung. Die Mitreisenden sind auch schon da und berichten von ihren Tageserlebnissen. Sind zu dritt insgesamt 10 km Motorrad gefahren, und einer hat sich zu Fuß fast auf die Nase gelegt, mangels Profil auf den Schuhsohlen. Ansonsten sind sie viel gelaufen. Ich springe unter die Dusche, wärme meine Pizzareste auf, und schreibe diesen Reisebericht :) Morgen gibt's endlich mal einen Tag ohne Fähren (und weiterhin ohne Gepäck)!

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16,7% Färöer

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blahwas
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#8 Beitrag von blahwas »

5.8. Färöer West

Für die letzten beiden Tage habe ich zwei Touren vorbereitet, die eigentlich etwas kurz sind: Eine westliche und eine östliche Schleife, die zusammen alle übrigen Passknackerpunkte ergibt. Heute ist die westliche Schleife dran, denn die ist länger - heute müssen wir ja nicht abends zur Fähre. Die Sonne scheint und alle kommen mit. Zunächst geht's nach Süden, über den Kirkjuböarvegur, das ist eine Hauptstrecke. Dann zweigen wir ab zum Sydradalsvegur, die Küste entlang wird es mega idyllisch.

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Dann geht's nach Süden durch den neuen Tunnel zur Insel Sandoy. Hier liegt drei weitere Passknackerpunkte mit schönen Aussichten. In Färöer ist jede Straße eine Passstraße oder eine Küstenstraße. Man könnte sagen, Färöer hält, was Norwegen verspricht. Am Punkt Dalsvegur hat man einen schönen Blick auf eine Bucht, und gegenüber einen Wasserfall. Der führt durchaus viel Wasser, aber der Wind ist stärker – nichts kommt unten an. Den Wind spüren wir auch, man muss das Handy beim fotografieren gut festhalten.

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So, wir sind am südlichsten Punkt, jetzt geht's wieder nach Norden – mangels anderer Strecken auf gleichem Weg, das ist aber nicht weniger schön. Nur den Tunnel kennt man schon. Die Tunnels in Färöer haben ein Video-Maut-System, da zahlt man online, bzw. hinterlegt am besten vorher sein Kennzeichen und seine Kreditkarte. Für uns geht wieder fast bis zur Ferienwohnung zurück, dann aber nach Nordwesten ins Hochland, Straße 50. Geniale Aussichten hier, riesige Bucht unten, wir hunderte Meter darüber, alles grün, dramatische Wolken, extremer Wind.

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Auf einem Abstecher nach Westen zum Nordradalsvegur haben wir einen tollen Blick auf eine Bucht. Hier fotografieren Leute gerade ihren Sportwagen mit Stern, Begleitfahrzeug dabei, dazu Kennzeichen BB. Demnächst im Werbekatalog?

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Dann kommt ein Abstecher zum Sornfelli. Das ist eine Sackgasse, aber eine hochdramatische. Die Straße ist schmal und gesäumt von sehr hohen Pfosten, damit man die Straße auch im Winter findet. Sie stehen sehr eng zusammen, damit man sie auch im Nebel oder Schneetreiben findet. Und der Wind wird hier noch deutlich extremer – ich musste bis heute jedenfalls noch nie runterschalten wegen Wind. Mein altes Familienrezept für sicheres Fahren bei starkem und wechselhaftem Wind ist übrigens: Schneller fahren! Dann klappt's auch mit auf der Straße bleiben. Man hat hier nach Westen einen tollen Blick auf die Insel Vaga, aber nur wenn die Wolken einen gerade durchblicken lassen. Dazu genug Wind, dass man als erwachsener Mühe hat, stehen zu bleiben. Freundlicherweise bläst der Wind weg vom Abgrund.

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Weiter geht's zur nächsten Tankstelle. Die ist aufm Land gleichzeitig auch Supermarkt und Restaurant. Wir teilen uns 2,5 Portionen Fish & Chips und werden davon recht satt. Die KTM Supermoto bekommt noch einen vollen Tank, die Reiseenduros sind noch halb voll. Leider hat sich meine China-Spoilerscheibe einseitig verabschiedet, ich kann sie aber retten. Die Klemmung hat die Autobahn überstanden, war aber zu schwach für den Wind hier. Meine Mitreisenden folgen mir treu...

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Ich achte gerade in Nordeuropa auf Kirchen. Ich mag diese "durchsichtige" hier:

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Auf den Küstenstraßen hat man immer wieder den Blick auf die Nachbarinseln.

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Die Route heute hat nur 255 km und dauert laut Routenplaner 5 Stunden. Real zieht sich das aber ganz schön, und so werde ich allmählich motiviert, auch bald fertig zu werden. Hinter dem rustikalen Tunnel "A Halsi", gleichzeitig Passknackerpunkt (der alphabetisch erste noch dazu!), gibt es einen populären Sightseeing Hotspot: ein Wasserfall! Wir wandern sogar zum Aussichtspunkt (250 Meter).

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Dieser ist der nächste Wasserfall am Flughafen, entsprechend sind einige Mietwagen unterwegs, die eher gequält bewegt werden. Der Flughafen ist an sich auch nicht uninteressant, Färöer hatte nirgends genug ebene Fläche dafür, also wurde aufgeschüttet. Die Befeuerung der Landebahn ist dann schon auf einem Gerüst, einige Zehn Meter tiefer, das entfernt an eine Stromleitung erinnert, nur ohne Leitung. Danach geht's ins Hochland, zu den Talsperren, aus denen Färöer seinen Strom gewinnt. Dazu geht's recht steil und auf schmalen Wegen hoch in den Berg. Das ist ganz schön einsam und abenteuerlich hier, aber alles asphaltiert.

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Und schon geht's zurück in die Ferienwohnung, mit Umweg über Tankstelle und Supermarkt. Heute Abend wird wieder gekocht. Dieser Fahrtag war echt angenehm – abwechslungsreiche Strecken, tolle Aussichten, Fahrspaß – wie Norwegen, nur alles auf einem Fleck. Echt nicht schlecht!

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63% Färöer

Leider ereilt uns beim Einkaufen eine schlechte Nachricht: Unsere Fähre, die morgen 18:30 ablegen sollte, verschiebt sich wegen schlechtem Wetter – und zwar auf 6 Uhr früh am Folgetag. Wir sind also quasi obdachlos, noch dazu ist damit meine Islandplanung gründlich im Arsch, denn alles ist vorab gebucht, alles ist ausgebucht, Stornofristen sind vorbei. Aber darum will ich mich im Detail nach dem Reisebericht kümmern... Passknacker Landespreis kostet Flexibilität. Es läuft wahrscheinlich auf "Abstecher ins Hochland, oder Landespreis" hinaus. Immerhin erscheint die Vermieterin zwecks Besprechung der Übergabe. Unser Nachmieter kommt mit der gleichen Fähre, mit der wir die Insel verlassen, also auch verspätet. Daher ist es ihr eigentlich egal, ob wir länger bleiben, es kostet nichts extra. Wir sollen aber die Betten neu beziehen, und den Müll rausbringen, damit sie nur einmal durchwischen muss. Das erspart uns eine Nacht Obdachlosigkeit - 10 von 5 Sternen!

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ometa
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#9 Beitrag von ometa »

Klasse! :clap:
Ich drück die Daumen, dass am Ende doch alles irgendwie klappt, wie geplant!
Gruß aus Much von Gero

Kurvenparker
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#10 Beitrag von Kurvenparker »

Toller Bericht mit eindrücklichen Bildern,
insgesamt eine beeindruckende Reise, Hut ab!!! :clap:

Viel Glück für die Rückfahrt!
Gruß Andreas

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Schelle66
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#11 Beitrag von Schelle66 »

Hut ab :thx: und noch ganz viel Spaß :top:

Gruß Schelle
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Vorher: Simson Spatz, MZ TS 150 und Simson S51,
XS 400 12E BJ.85; Vesys 650 2011, Kymco
CK 125, Mash Adventure 400

Alles wird Gut :]

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blahwas
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#12 Beitrag von blahwas »

6.8. Färöer Nordost

Wir haben zwar ein Obdach für die Nacht, aber in Island kommen wir dann 21 Uhr an, und bis zur gebuchten Unterkunft sind es 3 Stunden auf schnellstem Wege, oder 3:30 Stunden, wenn man keine Schotterstrecken im Dunkeln fahren möchte. Nähere Unterkünfte finden wir nicht. Und „im Dunkeln“ ist ein Problem für mich, denn ich habe nur ein verspiegeltes Visier dabei. Früher hatte ich für Notfälle eine selbsttönende Sportbrille mit dabei. Die hilft dann auch bei einem defekten Visier. Die habe ich aber dieses Mal nicht dabei. Und so gut ist der Windschutz auch mit dem frisch reparierten China-Spoiler nicht, dass ich damit über 3 Stunden nächtliche Atlantik-Brise in die Augen bekommen möchte. Also muss eine neue Schutzbrille her. Wir fahren zuerst zu Intersport. Zuvor stellen wir fest, dass unsere Motorräder vor der Ferienwohnung sehr nach Benzin riechen. Der Übeltäter ist Lucas Acerbis-Spritfass. Er hatte gestern sehr voll getankt, oben keine Luft gelassen, und in der Morgensonne erwärmt sich jetzt der schwarze Tank, inkl. den 24 Litern Sprit darin. Der aufpreispflichtige abschließbare Tankdeckel hat keinen Entlüftungsschlauch, und so drückt es den Sprit aus dem Deckel raus. Das lässt sich aber schnell abwischen und das Motorrad steht nach dem Anlassen auch nicht in Brand. Also auf zu Intersport, es sind nur 2 km! Leider gibt’s da nur Sonnenbrillen, also getönt. Im Einkaufszentrum „SMS“ gibt’s noch ein Sportgeschäft, und dort gibt es Sportbrillen, die aber leider auch alle getönt sind. Ein Regal weiter gibt’s Taucherbrillen – an sich blöde Idee, aber warum eigentlich nicht? 300 Kronen, ca 40 Euro, besser als eine Bindehautentzündung. Passt sogar unter den Helm! Also geht's los.

Das Wetter ist heute gemischt, wir schlüpfen vor einem Kreisverkehr in die Regenkombis, weil es links sehr graunasskalt aussah. Ich fahre Links. Navi sagt Wenden. Glück im Unglück! Rechts wird’s bald besser. Am ersten Passknackerpunkte heute soll ein Haus fotografiert werden. Ich sehe keines. Sebastian möchte helfen.

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Ich fahre dann mal lieber weiter zum nächsten Haus und mache dort das Foto. Das sollte akzeptiert werden. Die Strecke hier ist nicht sonderlich breit, und es gibt Ausweichbuchten. An sich würde der Platz für ein Auto und ein Motorrad reichen, aber angesichts der Windböen von der Seite will ich das nicht ausprobieren und nehme das Angebot gerne an. Weiter geh's nach Tjornvik. Die letzten Kilometer sind mit zwei Ampeln in Wechselschaltung geregelt, mit Zeitanzeige (max 5 Minuten), denn es geht auf einem engen Asphaltband an der Steilküste entlang. Das ist an sich eine gute Idee. Am anderen Ende kommt ein Parkplatz, weiter in den Ort fahren darf man nicht. Auch an sich gute Idee. Leider steht die zweite Ampel direkt an der ersten Parkbucht, und alle Autos blockieren sich gegenseitig: Einfahrende, ausfahrende, auf Parkplatz wartende, ausparkende. Und das Ortsschild, also das Passknackermotiv, ist auch innerhalb der Wechselampel... Wir nehmen uns zu viert eine Parklücke und machen ein kurze Pause. Der Ort ist sehr klein, hat aber einen Sandstrand und einen Surfboard-Verleih. Das wäre mir jetzt zu erfrischend, außerdem habe ich die Badehose in der Ferienwohnung gelassen.

Dann geht's die gleiche Strecke wieder zurück nach Süden, über die Brücke bei Nesvik, und einen Kilometer weiter östlich auf der nächsten Insel wieder nach Norden. Die Färöer sind auch heute wieder sehr schön, aber das Wow-Moment vom ersten Tag erreicht man natürlich nicht.

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Wir fahren noch ganz nach Norden, auf die nördlichste Insel Vidoy. Aus diesem Tunnel kamen wir raus...

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Die Insel ist gut zu fahren, es gibt einen neuen Tunnel und eine alte Küstenstraße, was zusammen einen Rundkurs ergibt. Der Ort Vidareidi liegt hier am Hang.

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Die letzten beiden Passknackerpunkte liegen aber viel weiter im Süden, statte 44 km dürften so ziemlich das weiteste sein, was man in Färöer fahren kann. Da geht es durch einige Tunnels, teilweise kostenpflichtig, aber zum Glück ohne Mautstelle – alles online! So erreichen wir schließlich grünes Hochland, in Norwegen würde man das Fjell nennen. Die Punkte Nesvatn und Neshagi werden eingetütet. Die Straße dazwischen führt an Windrädern vorbei. Die sind sich nicht einig, aus welcher Richtung der Wind kommt. Der Wind ist sich aber selbst auch nicht einig. Die beiden härtesten Jobs auf Färöer sind vermutlich Wettervorhersage und Ausrichtung von Windkraftanlagen. Aber das nur am Rande. Ich habe den letzten Passknackerpunkt in Färöer erreicht und damit den Landespreis!

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Große Freude meinerseits, Gruppenfoto (kommt später), und wieder zurück in die Ferienwohnung. Es war wirklich angenehm, ein paar Tage nicht einpacken und auspacken zu müssen, und keinen Check-in/out bei den Unterkünften. Ich werde einige Tage in Island nicht die Zeit bzw. Kapazität haben, eine Vierer-Gruppe anzuführen. Dort habe ich wesentlich längere Etappen geplant.

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243 km heute, 100% Färöer :)

Zwischenzeitlich erreicht uns die Nachricht, dass die Fähre doch nicht so sehr verspätet ist wie angedroht. Das ist gut, so haben wir eine realistische Chance, morgen in Island noch bei Tageslicht in der Unterkunft anzukommen. Also gebe ich meine Taucherbrille wieder zurück. Danach wird Pasta gekocht und grob gepackt. Los geht’s aber erst nach Mitternacht, Die Fähre kommt um 3 Uhr, fährt um 3:30, Check-In soll von 00:30-02:30 möglich sein. Wir müssen nicht mehr als nötig in der Kälte und Nässe herumstehen.

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blahwas
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#13 Beitrag von blahwas »

7.8. Island Südwest Ring Road

Wir hatten die Wecker auf 00:30 gestellt, damit wir die Bude nicht nur räumen können, sondern damit wir sie auch so weit auf Vordermann bringen können, dass die nächsten Gäste von der verspäteten Fähre direkt ins Bett fallen können. Das scheint uns ganz zu gelingen. So geht's 1:30 durch die Dunkelheit zum Hafen. Nach dem Check-In ist noch etwas Zeit, da erkunde ich die Altstadt zu Fuß. Schon recht nett, und sehr klein, das alles hier. Das gilt für Färöer generell. Die Fähre erscheint zur angekündigten Zeit, und dann wird hau-ruck entladen. Das Fährenpersonal rangiert LKW-Auflieger rein und raus quer durch die zaghaften Touristenautos. Wer nicht kapiert, dass er ganz links fahren soll, kriegt Ärger. Ich zähle zwei Beinaheunfälle. Dann geht’s für uns rein, Moppeds verspannen und ab aufs Zimmer. Wir haben wieder zwei Kabinen, dieses mal auf dem gleichen Deck, da gelingt auch die Kommunikation per Meshtastic. So sagen wir uns auch digital gute Nacht. Die Fähre legt 03:20 ab, also noch 10 Minuten früher als geplant – das Personal hat kräftig reingeklotzt und die Gäste haben sich auch nicht zu dumm angestellt. Also ab ins Bett und die unterbrochene Nacht fortsetzen!

Wenn da der Seegang nicht wäre. Davon haben wir heute mehr. Es knarzt nicht nur in der Kabine, es rummst richtig bei den Landungen, und aus dem Fenster kann ich dabei Gischt hochspritzen sehen. Unsere Kabine ist leider sehr weit vorne. Ich will mich gerade auf den Weg zum WC machen, da fällt mir ein, dass ich mein Gehirn austricksen kann: Man kann nicht gleichzeitig zwei dringendste Bedürfnisse haben. Ich beschließe hiermit, dass mein dringendstes Bedürfnis gerade Müdigkeit ist, und nicht Übelkeit. Im Liegen und mit geschlossenen Augen geht’s tatsächlich ganz gut. So schnorcheln wir bis in den Mittag, dann pfeifen wir uns je eine Pizza bzw. Brathähnchen als Brunch rein. Und dann schlafe ich einfach weiter, weil ich's kann! Ist ja schließlich Urlaub hier. Dann erscheint Island vor den Fenstern! Man sieht das Land über einen längeren Zeitraum.

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Die Fähre macht noch mehr Zeit gut, und schließlich kommen wir 17 Uhr Ortszeit in Island an. Da haben wir eine gute Chance, noch bei Tageslicht das Hostel in Höfn zu erreichen.

Wir rollen raus aus der Fähre und werden zunächst in einer Parkzone gesammelt? Nanu? Es handelt sich um Blockabfertigung für den Zoll, wie es scheint. Man kann durch ein grünes oder ein rotes Tor fahren. Niemand fährt durchs rote Tor, außer einem Honda Deauville-Fahrer. Der steht da jetzt etwas verloren. Am grünen Tor stehen zwei Uniformträger und gucken gelassen nach Überall und Nirgendwo. Wir rollen vorbei - jetzt geht’s los!

Wir sind der Kolonne von der Fähre runter. Man merkt deutlich, wer vorher in Färöer war und wer nicht. Wer nicht in Färöer war, der kommt aus den Staunen und Gucken nicht heraus. Die anderen würden eigentlich gern vorwärts kommen, u.a. eine Gruppe von vier Deutschen auf 3 Reiseenduros und einer Supermoto. Camper tun sich an der Steigung schwer und die alten Diesel stinken um die Wette. Ich habe es eilig, der Sonnenuntergang droht und mein Visier ist noch immer getönt. Immerhin hat es 12 Grad und es ist kein Regen in Sicht. Ich habe die Route heute abgekürzt um die optionalen Schotterstrecken, und die für den Landespreis nötigen Schotterstrecken zum Großteil auf morgen verlegt. Nach der ersten Kreuzung lässt auch der Verkehr nach. Also geht’s los: Fjardarheidi, 11 km Abstecher zum Mjoafjardarheidi,

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Dann über Nedri-Launa, und schon sind es 222 km Ring Road bis zum Almannaskard. Das ist landschaftlich durchaus spannend und man kommt gut voran. Eine Harley hätte es hier auch getan, oder noch besser eine Gold Wing. Ich korrigiere den Sitz meines China-Spoilers, mit der Faust, der Wind bläst sehr heftig von der Seite. Der Punkt ist die alte Schotterstraße über den neuen Tunnel.

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Wir probieren nicht aus, ob das steile Stück auf der andere Seite befahrbar ist. Es ist jedenfalls als Sackgasse ausgeschildert.

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Und das ist eigentlich ein durchaus netter Fahrtag, bzw. Fahrabend, so von 17:30 bis 21:30. Wir kommen in Höfn an. Luca und Mirko sind schon da und haben Kleinigkeiten von der Tankstelle geholt. So snacken wir uns in der Küche durch unsere Reste. Unser 4-Bett-Zimmer ist dafür etwas klein.

302 km heute, 7,3% Island

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Wir sind hier in der Zeitzone 2 Stunden vor Deutschland, daher lesen die meisten von euch die Berichte 2 Stunden später als gewohnt. Die nächsten Tag werde ich hoffentlich früher in der Unterkunft sein.

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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#14 Beitrag von Dai30 »

Nächstes Jahr fahre ich auch nach Island. Ich bin gespannt wie es weiter geht. Ich glaube ich habe da ein paar Fragen wenn Du zurück bist...
Liebe Grüße

Rüdiger

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blahwas
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#15 Beitrag von blahwas »

8.8. Island Nordost Austurland

Heute früh war ausschlafen angesagt. Die letzte Nacht war ja unterbrochen von der Fähre. Wir sind zu viert in einem eher kleinen Zimmer, zwei Mitreisende sägen abwechselnd, durch ein gekipptes Fenster wird’s zwar kühl, bleibt aber trotzdem stickig. Naja, wenn man nicht 100 Euro pro Nacht und Nase ausgeben will, sind Kompromisse nötig. Ein hartes Kostenlimit hat sich keiner von uns gesetzt. Normalerweise zielen wir auf 50 Euro Übernachtung pro Nacht und Nase, das klappt in Island aber nicht mit Dach überm Kopf. Zu viert sein hilft da schon. Wir hatten die heutige Route gestern geplant. Da musste ich leider den Jöklasel aus der Route werfen, ein steiniger und steiler Weg hoch zum Gletscher. Den gibt’s beim Passknacker, er ist aber für den Landespreis nicht nötig, und es wären 60 km Umweg gewesen. Er liegt auf der Südseite des Gletschers, wo wir wohl auch nicht mehr vorbei kommen auf dieser Tour. Das Frühstück vertagen wir auf den ersten Supermarkt, weil nichts fußläufig in der Nähe ist, und so geht’s los! Heute ist etwas loseres Fahren angesagt. Wir haben 424 km vor uns, da muss nicht immer jeder auf jeden warten, aber alle haben die gleiche Route im Navi. Also zunächst 100 km Ringroad. Gar nicht schlecht, eigentlich.

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In Djupivogur gibt’s Frühstück und Sprit, dann geht’s nach Norden. Für Sebastian und mich jetzt erstmals auf der Schotter-Abkürzung Öxipass, der erstaunlich stark frequentiert ist dafür, dass er so steil und eben unbefestigt ist. Schöne Farben dank Moos und Flechten.

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Luca und Mirko sind hier schon gestern gefahren. Kurzer Abstecher zum Breiddalsheidi, dann nach Norden.

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Besonders Schmankerl für mich ist heute der optionale Pass Thordalsheidi. Der ist nicht nur unbefestigt, sondern eine Stufe härter, nur für 4x4-Fahrzeuge empfohlen.

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Es geht eine Stromleitung entlang. Die Straße hat den Zweck, die Stromleitung instand halten zu können. Es ist etwas schmaler und steiniger als die Hauptstrecke, aber echt kein Problem mit der Reiseenduro und 80/20-Reifen. Echt schöne Landschaft, und niemand außer mir ist hier unterwegs.

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Der Rest der Gruppe hat getrödelt und fährt hier vorbei. Ich erreiche sie dann bei der nächsten Pause, am Vogelfelsen ganz im Nordosten der Insel. Der Weg dorthin ist ganz schön eben und gerade. Ich bin dankbar für Tempomat, großes Windschild, Sturzbügelfußrasten, und für die Heizung in Griffen, Sitzbank und Jacke erst recht. Am Pass Vatnskard wird’s dann wieder steil und kurvig, quasi alpin, aber ohne engen Kehren. 20 km weiter kommt dann der Felsen, wo Papageientaucher (englisch Puffins) brüten.

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Das Parken kostet 3 Euro, aber hey. Auf dem Fußweg lohnt sich auch ein Blick ins Wasser.

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Puffins sind echt niedlich und wissen das auch, daher zeigen sie sich nicht so gern, da muss man etwas Geduld mitbringen, zumindest zu dieser Jahreszeit. Aber nach 10 Minuten klappt es.

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So, Haken dran! Es gibt noch ein Heißgetränk und dann geht’s weiter nach Westen. Es stehen noch 150 km auf dem Plan, und das ist schon mit der Abkürzung über Schotterpisten statt Eglistadir. Zwei sehr große Jeeps lassen uns freundlicherweise überholen. Mit der Reiseenduro fährt man da wirklich wie auf Asphalt. Sogar Waschbrett spürt man kaum bis gar nicht. Letzter Pass ist heute der Hellisheidi (eystri). Das ist eine Schotterstrecke, die lang sehr gerade und eben ist, aber dann doch steil wird und kurvig den Berg hoch. Die Höhenangaben unterschieden sich, 431 Meter meldet Passknacker. Leider macht das Wetter zu, aber Spaß macht's doch.

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Ein sehr erhabenes Gefühl. Auf der Westseite gibt’s noch einen Wasserfall zu bestaunen, das spare ich mir, aber die Gruppe sammelt sich wieder, nachdem wir zuvor nur Blickkontakt untereinander gehalten haben. Und dann erreichen wir auch schon unsere Unterkunft, eine geräumige Hütte auf einem sehr einsamen gelegenen Campingplatz. Blick aufs ganze Tal, kein anderes Haus ist zu sehen, klarer Fall: WLAN mit 300 MBit! Es war gegen Ende doch etwas frisch, aber insgesamt können wir mit dem Wetter sehr zufrieden sein. Kein Dauerregen, nur sporadisch Niesel, und dadurch auch fast kein Staub.

424 km heute
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14,5% Island (die Symbole mit dem X sind optionale Punkte)
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#16 Beitrag von blahwas »

9.8. Island Nordosten

Die Nacht in der geräumigen Hütte war ruhig und erholsam. Das Tal ist wirklich sehr einsam, und der Campingplatz ist weitläufig und leer.

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Gestern war's etwas frisch, darum packe ich heute weitere Stücke meiner Macna Heizkleidung aus: Hose und Socken, zusätzlich zur Jacke. Die beheizten Handschuhe sind noch nicht nötig, und die Noname Heiz-Sturmhaube wäre deutlich übertrieben. Los geht’s nach dem Frühstück, ich habe mich gerade mit dem Motorrad verkabelt, als uns ein Einheimischer in einwandfreiem Deutsch anspricht und über unsere Route ausfragt. Er will uns Tipps geben, bewundert aber unsere Planung. Es gäbe wohl sehr selten Motorradfahrer hier. Nach dem Aufsitzen will ich meine Aprilia starten, aber sie sagt: Klack. Nur Klack. Nicht Klackklackklackklack oder das Geräusche eines leidenden Hundes. Hmm. Der Seitenständerschalter ist es nicht, der wird im Display angezeigt. Auch im Leerlauf und bei gezogenem Kupplungshebel ändert sich nichts: Klack. Ich trenne meine Heizkleidung vom Bordnetz: Das Motorrad startet, als wäre nie was gewesen. Alles klar. Ich stecke sie wieder ein, das Motorrad läuft weiter. Ich behalte das im Auge.

Wir fahren heute wieder als lose Gruppe, alle die gleiche Route, aber nicht jeder wartet immer auf jeden, und jeder hat die Route. Wer anhalten mag, macht das. Überholen ist unhöflich und sollte vom Langsameren signalisiert werden. Ich habe 406 km auf dem Tablett, davon einiges Unbefestigt und auch zwei Abstecher zu optionalen noch schlechteren Strecken. Der Himmel ist grau, es regnet hier und da ein wenig, es hat 8 Grad, aber vor allem ist es sehr windig. Im ersten Ort gibt’s Benzin, dann geht’s über den Pass Sandvikurheidi nach Norden, die Küste entlang, dann über den Brekknaheidi.

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Feucht-trüb. Endlich gibt Mirko auf, der bisher die komplette Tour in Motorradjeans gefahren ist, und zieht sich eine Regenhose über. Ich friere seit Tagen schon beim Gedanken daran, während mir meine Membranhose eigentlich nicht warm genug ist. Weiter geht’s durch's extrem dünn besiedelte Island.

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Und noch weiter. Der erste optionale Punkt heute ist der Heidarfjall. Dorthin geht’s kilometerweit über ebene und gerade Schotterstrecken die Küste entlang, aber dann wird der Weg steil und steinig. Und leider auch neblig. Luca fährt vor mir und ist langsamer als ich unterwegs, was mich verwirrt. Leider beschlägt bei dem Tempo das Visier, aber auf diesem Traktorweg mit Mittengrün möchte ich nicht überholen, ohne dass der Andere das eindeutig erwartet. Also Pause.

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Die letzten Kilometer wird der Weg steinig, aber nicht steiler oder kurviger. Ganz oben stehen Ruinen und einen Antennenanlage.

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Bei gutem Wetter hätte man hier Aussicht aufs Meer und auf eine Bucht. Heute haben wir immerhin Starkwind, der das Anhalten und Wenden nicht gerade erleichtert. Also wieder runter. Sebastian hat auf halbem Weg aufgegeben und Fotos vom Meer gemacht. Das war vermutlich die richtige Entscheidung. Weiter geht’s nun nach Westen mit einem Abstecher zum optionalen Öxarfjardarheidi. Da steht ein Schild, dass die Durchfahrt in 34 km unmöglich sein, aber wir wollen ja nur 9 km rein. Die Schotterpiste schraubt sich in die Höhe, ist kurvig, und der Belag wechselt immer mal wieder. Schotter, Kies, Sand, Asche, alles ist dabei. Auch die Natur ringsum ändertn sich ständig. Es gibt schöne Aussichten.

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Am höchsten Punkt der Straße ist leider wieder Nebel und keine Aussicht. Also zurück. Ich habe am Rückweg zwei große Momente. Zunächst blockiert auf einem etwas steinigen Abschnitt das Hinterrad. Ich bringe das Motorrad zum Stehen. Kurze Verwirrung: Kette ist noch drauf. Kupplung ziehen, Motor startet. War ich zu niedertourig unterwegs und habe abgewürgt? Wohl einfach Hinterradbremse ohne Kupplung, plus deaktiviertes ABS im Offroad-Modus. Später noch ein Abschnitt mit 15 Metern Sand nach einer engen Kurve. Das Motorrad kippt und beginnt sich zu drehen... damit bin ich nicht einverstanden und lenke gegen, bleibe aber am Gas. Das Motorrad ist mit der Richtungsänderung einverstanden, obwohl das Hinterrad bereits an der Kante der Piste (ohne Abgrund) schabt. Die Drehzahl jault dabei nicht hoch, und nach einem kleineren Schlanker nach links geht’s wieder geradeaus. Ich halte an, atme durch und mache ein Foto nach hinten. Mirko macht's hier gerade besser, bewundert aber meine Spuren.

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Oder er hatte einfach den besseren Reifen – Dunlop Trailmax Raid statt TKC 70. Die Tour geht weiter. Ich schreibe Luca, der den Abzweig verpennt hat und weiter vorne eine Pause sucht. Das ist dann die nächste Tankstelle. Wir hatten so starken Gegenwind, dass wir schon recht weit durch mit den Tanks sind. Sebastian muss sogar noch vorher an die Säule, weil seine Reserve bereits leuchtet. Mittags gibt’s eine warme Mahlzeit zur Stärkung, dann nach geht’s Süden zum Wasserfall Dettifoss. Den kann man von der West- oder Ostseite des Flusses betrachten. Die Straße im Westen ist neuer und asphaltiert, die im Osten ist eine gut ausgebaute Schotterpiste, die höher liegt und damit die bessere Aussicht bietet. Die wählen wir natürlich. Der Wasserfall wirbelt erstaunlich viel Dampf auf.

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Näher betrachte ich das nicht, ich will noch einen Punkt auf der Ringstraße nach Osten einsammeln, den der Rest auslassen will. Es geht zu dieser Tankstelle mit Gastro daneben...

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… und dann Ringstraße wieder nach Westen. Nach 60 km durch sich stetig wandelnde Landschaft kommt ein Geothermalgebiet. Hier kann man parken und Schwefelduft inhalieren, blubbernde Teiche mit 100 Grad heißem Wasser, aber keine Geysiere. Parken ist kostenpflichtig, ich verzichte.

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Rechts hoch geht’s zu einem beeindruckenden Kraftwerk. Dahinter ist auch ein Passknackerpunkt, Viti, am Parkplatz des Vulkankraters mit See darin. Parken ist kostenpflichtig, ich verzichte.

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Dann noch über den Berg, und schon bin ich auf der amerikanischen Kontinentalplatte. Und ganz nah an der Unterkunft. Dort gehe ich aufs Zimmer und rufe den Rest der Gruppe an, die sind noch am Schwefelbad und wollen danach Tanken und einkaufen. Und ich stelle fest, dass ich nochmal zum Punkt Viti muss, weil ich tatsächlich vergessen habe, dort das Passknackerfoto zu machen. Das Schild sagte, Parken über 5 Minuten ist kostenpflichtig, da wollte ich schnell wieder weg nach einem kurzen Rundgang. Also fahre ich wieder los, 17 Minuten zum Viti, Foto machen, Gruppe einsammeln, und wieder ins Hostel. Das Hostel hat ein Vierbett-Zimmer für uns, das geräumiger ist als das Hostel vorgestern. Hier gibt’s schon deutlich mehr Touristen als letzte Nacht. In der Nähe war noch der Felsen Dimmu Borgir, den ich alleine schon wegen der gleichnamigen Band besuchen wollte...

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422 km heute

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27,3% Island

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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#17 Beitrag von blahwas »

10.08. Island Nordmitte Dalvik

Heute früh starten wir an der netten Hütte. Leider fressen einen hier die Mücken, wenn man sich länger als eine Minute draußen aufhält, und leider ist meine Gruppe langsamer beim Packen als ich. Irgendwann fahre ich Kreise aufm Parkplatz...

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Nur 7 km vom Platz liegt das Lavafeld Dimmuborgir, nach dem sich eine norwegische Black Metal Band benannt hat. Da muss ich also hin! Einige Felsen sehen wie eine dunkle Festung aus, was den Namen ergab. Man darf hier kostenlos parken und drin rum wandern.

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Leider dürfen das die Mücken auch und machen mir das Leben arg schwer, also rolle ich schnell wieder los, während der Rest der Truppe noch eine Weile umher streunert. Die haben wohl kein so wohlduftendes After Shave wie ich? Auf der Straße fahre ich statt erlaubten 90 dann 50, und nach 10 Minuten haben sie mich eingeholt. So geht’s los zum ersten Passknackerpunkt heute, dem Randir, Typ XXX, optional und unbefestigt. Es gibt zwei mögliche Abzweige von der Hauptstraße 87. Mein OSMand mag lieber den zweiten, Lucas OSMand lieber den ersten. Der zweite ist ne ordentlich weiche Piste aus Erde, Sand, Kies und Steinen, wo es 7 km mal rauf, mal runter geht. Dann quer plötzlich eine einwandfreie, neuwertige Asphaltstraße – das wäre der erste Abzweig gewesen. Zonk! Auf der anderen Seite davon sind es dann noch 700 Meter bis zu einer Schafskoppel mit Verlademöglichkeit ins Schaftaxi. Das ist also ein eher einfach XXX-Pass.

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Es geht auf dem anderen Weg zur Straße zurück, über Fljotsheidi nach Westen. Wir kommen am Wasserfall Godafass vorbei.

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Die Gruppe will hier schon wieder Spazierengehen, ich will Motorrad fahren. Da sie später einen Pass auslassen wollen, fahre ich weiter, wir verabreden uns zu Mittag im Motorradmuseum Akureyri. Ich fahre den nächsten XXX-Pass, Vadlaheidi von Osten bis zur Höhe, und will dort umdrehen, weil nördlich noch ein Straßenpass liegt. Auf dem Weg hoch warnt ein Schild vor einer Furt – nanu, mitten am Berg? Dabei sieht man doch die Brücke?

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Die Brücke ist ist aber halb eingefallen und gesperrt. Stattdessen geht’s also runter in die Furt.

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Das ist ganz leicht machbar mit der Reiseenduro. Der Rest des Weges ist auch leicht. An der Passhöhe tüte ich das Foto ein und drehe um. Man hat hier eine schöne Aussicht nach Osten. Auf dem Weg nach unten kommt mir der Rest der Truppe entgegen, die kürzen ja hier ab, während ich nördlich den Punkt Vikurskard einsammle. Da stehe ein Weihnachtsmann-Schild etwas einsam auf einem Schotterplatz. Leider ist das Wetter wieder recht trüb. In Akureyri hat das Museum leider geschlossen, wir verbringen unsere Mittagspause also im Fast Food Restaurant mit dem Familienmenü „4 Cheeseburger, 2 Liter Cola und 1 Pommes“. Wir haben noch eine Pommes dazu bestellt, was ich als grober Fehler erweist, dann eine ganze Portion Pommes ist hier etwa ein Kilogramm. Akureyri ist die größte Stadt von Nordisland, und die größte Stadt abseits der Hauptstadt. Hier gibt’s sogar Ampeln und Blitzer! Für mich geht’s aber ins völlig Kontrastprogramm, 84 km nach Norden, jenseits von Dalvik, zum XXX-Pass Siglufjardarskard. Die restliche Gruppe wollte irgendwie anders fahren und steigt unterwegs eher spontan aus. Ich will kurz vorm Berg zum Pass gerade nach einer Pause weiterfahren, da kommt eine Gruppe Reiter von rechts. Sie treiben einige weitere Pferde zwischen sich her. Ich stelle den Motor ab, die will ich nicht erschrecken.

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Sie reiten genau die Straße hoch. Ich frage mich, wie lange eigentlich? Ich gucke eine Weile zu, dann fahre ich hinterher. Die Reiter geben mir keine Zeichen, ob ich überholen soll oder nicht. Die Pferde in der Mitte, die ohne Reiter, sind ganz schön nervös. Das will ich nicht riskieren. Also Motor aus und Pause. Das wiederholt sich einige Male. Schließlich zweigt die alte Passstraße ab von der neu gebauten Sackgasse ins Skigebiet. Hier nimmt die Gruppe einen direkten Weg, dem Skilift entlang. Ich nehme die alte Passstraße. Leider hat beim Neubau der Sackgasse niemand an die Einmündung gedacht, da muss man jetzt durch den Straßengraben.

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Dahinter ist der Weg ziemlich schief. Ich nehme meinen Mut zusammen und komme durch. Der Weg führt den Berg hoch, quert Skipiste und Skilift. Hier kommen die Pferde gerade von links... und reiten genau weiter in meine Richtung, auf einem Weg der jetzt wirklich zu schmal zum Überholen ist. Schöner Mist! Ein Reiter führt sein Pferd die Skipiste hoch statt zu reiten, es ist wohl etwas schwach, und wir kommen ins Gespräch. Ja, sie wollen auch zum Pass. Seufz. Die ganze Aktion kostet mich etwa 45 Minuten Warten. Ich fahre in Etappen weiter. Das Moos und die Flechten sind wirklich neongrün.

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Das passt gut zur Farbe meiner Aprilia.

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Der Weg wird immer mehr von Steinschlag gezeichnet. Geräumt wird hier wohl nie. Ich komme über einen kleinen Erdrutsch hinweg. Die Steine liegen immer dichter. 200 Meter vor der Passhöhe steige ich ab und suche einen Weg zwischen den Steinen.

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Leider sind weiter vorne noch zwei Erdrutsche, und das ist mir dann alleine doch zu riskant. Pol Torres würde drüber lachen, der bin ich aber nicht, und alleine bin ich auch, also drehe ich um. Ich reiche ein Foto beim Passknacker ein mit Beschreibung der Lage, vielleicht bekomme ich den Punkt. Für den Landespreis brauche ich ihn nicht, das wäre aber ein nettes Extra.

So, unten wieder an der Straße angekommen, bin ich doch schwer erleichtert dass es ohne Umfallen gut ging. Leider sehe und höre ich nichts vom Rest der Gruppe. Wie ich sie verstanden habe, wollten sie den Punkt eigentlich von Westen her fahren. Naja, die sind schon erwachsen und zu dritt, die brauche ich nicht suchen gehen. Und der Blick auf die Uhr sagt: Ankunft in der Unterkunft um 18:45. Scheiße, ganz schön spät. Also Vorsprung durch Hektik, aber zu den letzten beiden Punkten... wenn da nicht der Reisebus vor mir im einspurigen Tunnel wäre, der 6 km mit 15 km/h fährt. Das trübt meine Laune mehr als es sollte. Ich habe Urlaub, ein tolles Motorrad unter mir, bin mit meinen Freunden unterwegs, und ob ich früher oder später ankomme ist eigentlich völlig egal. Wichtig ist, dass ich gesund ankomme. Der Rest der Bande ist schon an der Unterkunft und erfragt die Türcodes – ich hatte gebucht, Personal vor Ort gibt’s oft nicht. Ich versuche die Hektik nicht zu sehr überhand nehmen zu lassen und fahre zum Passknacker Lagheidi. Leider ist nichts markantes an den Koordinaten. Die ganze Gegend ist schon charmant. So stelle ich mir die Highlands in Schottland vor.

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Man kann sich hier auch sehr schön das Motorrad einsauen, denn es geht sicher 10 km über unbefestigte, aber breite und ebene, also schnelle, Straßen. Der letzte Passknacker ist der Öxnadalsheidi auf der Ring Road. Hier ist heute ordentlich Verkehr. Leider gibt’s auf der Ringroad im Allgemeinen und an diesem Punkt im Besonderen keine Haltemöglichkeiten. Ich kann mich aber auf den Schotter einer Antennenanlage stellen, zurück geht’s dann ohne Traktionskontrolle und mit leichtem Stollenprofil. Das ist aber sicher nicht im Sinne der Challenge. Auch an der Ringroad hat man übrigens tolle Ausblicke auf die sich ständig wandelnde Landschaft. Es stehen eben kaum Bäume im Weg. Island macht sicherlich auch ohne Enduro Sinn!

434 km heute
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34,5% Island
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#18 Beitrag von blahwas »

11.08. Island Westnordwest F-586

Die Nacht war wenig erholsam wegen lauter Menschen in der Küche nebenan und später wegen eines schnarchenden Zimmernachbarn. Heute Abend wähle ich einen Neuen! Die heutige Route besteht aus vier Punkten in der Nähe der morgendlichen Unterkunft und drei Punkten in der Nähe der abendlichen Unterkunft. Dazwischen liegen 115 km von insgesamt 355 km. Besonderes Schmankerl sind 2 optionale Pässe. Der erste steht gleich morgens an: Der Maelifellsskard liegt gleich 20 km südwestlich der Unterkunft. Man muss ein Tor öffnen und auch wieder schließen. Die Mitfahrer nutzen die Gelegenheit zum Überholen, um mich besser einstauben zu können. Aber nicht mit mir, ich halte einfach Abstand, ätsch! Noch hinter mir fährt Sebastian auf einen 17“ Pfenningabsätzen. Die Piste ist eigentlich nicht schwer zu fahren und weder übertrieben steil noch steinig, dafür aber landschaftlich schön.

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Das Beweisfoto für Passknacker ist ein Schafsgatter. Bonus, ich bin der erste Passknacker überhaupt, der diesen Punkt besucht hat. Seit dem Entdecker, der ihn eingetragen hat, war keiner mehr hier! Nun geht’s den gleichen Weg zurück und nach Norden. Es kommt die lange Straßenüberführung, wo meine Gruppe wieder einen Abstecher auslässt. Sie verpassen diese Aussicht.

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Die anderen Aussichten sind aber auch nicht schlechter. Ich treffe sie wieder an einem Cafe zur Mittagspause. Ich bin ganz schön müde. Ich kaufe Stück Kuchen und eine Cola, frage nicht nach dem Preis, das Handy zeigt 21 Euro an. Autschi. Aber es hilft. Also weiter. Kurz vor dem Einstieg in die Route F586 kommt noch eine Tankstelle, wo wir rasten. Nebenbei können wir noch unser Hostel von hier aus sehen, aber kein hat Lust sein Gepäck dort abzuladen, und dann ohne Werkzeug oder Ersatzteil irgendwo zu stranden. Die F586 ist eine F-Road, und das heißt in Island, dass Furten zu bewältigen sind. Das geht von 5 cm Rinnsal bis zu einem Meter und bei schlechtem Wetter auch mehr. Wir haben uns vorher informiert, dass diese Straße keine hohen Furten hat. Landschaftlich reizvoll ist sie außerdem.

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Dann kommt auch schon die erste Furt. Ein SUV kriecht gerade empor, die Beifahrerin räumt freundlicherweise die größeren Steine raus.

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Wir kommen alle unterschiedlich elegant durch. Mirko und Luca sind immer ganz weit vorne, dahinter eiere ich etwas rum und bekomme hier auch nasse Füße, ackere mich aber tapfer ohne Anhalten durch, und dahinter kommt Sebastian, der zwar die bessere Fahrtechnik als ich hat, aber das am wenigsten geeignete Fahrzeug. Über den zunehmend steinigen Weg geht’s zur zweiten Furt.

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Auch diese meistern wir, und bei Furt Nr. 3 und 4 machen wir schon keine Fotos mehr, warten aber, bis jeder durchgekommen ist. Ein große trübe Pfütze durchfahre ich mit 30 statt 10 km/h, damit ich nicht womöglich an irgendwelchen möglichen Steinen aufgehalten oder umgeleitet werde. Dafür ernte ich eine Bugwelle bis über die Knie und über den Seitenkoffer. Einmal gründlich eingesaut, Dankeschön! Aber die Füße bleiben trocken. Ich habe einfach die (mehr oder weniger) wasserdichte Motorradhose mit dem Klett an den Stiefeln enger gestellt. Wir erreichen den höchsten Punkt der Strecke, ich tüte das Foto ein und wir sind alle sehr euphorisch. Die erste F-Road ist ein Meilenstein dieser Reise! Hinterm Höhepunkt geht’s nach Westen abwärts, sogar einigermaßen steil und steinig. Ich rolle im ersten Gang und bin froh, nicht auf einem meiner anderen Motorräder zu sitzen. Die Landschaft in der Ebene ist auch nett anzusehen.

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Jetzt geht’s noch auf einer Schleife über die Straßen 60 und 1 zurück zur Unterkunft an der Tankstelle, wo wir gerade eben schon waren. Einchecken, Duschen, und später zur Tankstelle ins günstige Restaurant gehen.

355 km heute
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44% Island – die Fotos von gestern wurden freundlicherweise alle akzeptiert.
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Abteilung Kleinholz: Noch keine Umfaller! Aber kleine Wehwehchen an Maschinen und Ausrüstung: Ich musste an meiner Aprilia das China-Windschild mit Kabelbindern bändigen. Die Motorradhose ist undicht. Die Heizjacke hat eine besonders heiße Stelle, weshalb ich nur noch die unterste Stufe nutze. Ich musste den linken Spiegel festziehen. Und ich musste die Reißverschlüsse meiner neuen Daytona-Stiefel nach 2 Tagen im Schotter neu ölen, weil sie sich kaum noch betätigen ließen. Da fehlt eine Abdeckung, ausgerechnet beim Spitzenmodell. Luca hat an seiner Tenere jetzt Heizgriffe mit Zufallsfunktion – sie schalten von alleine rauf und runter, und das ist dermaßen heiß, dass er sie lieber abgeklemmt hat. Luca kämpft außerdem mit Feuchtigkeit am USB-Port des Navihandy. Mirkos Aprilia ist ok, aber er leidet unter einem defekten USB-Port am Handy (ein Dänemark gekauft induktives Ladepad hilft), und seine Kabel-Kopfhörer sind jetzt stumm, aber weiterhin ein guter Gehörschutz. Sebastian hat mit seinem KTM-Eintopf endlich den Halter des Garmin Zumo 390 mechanisch kaputt gerappelt, die oberen Haltenasen sind jetzt zu kurz. Das Navi wird jetzt von Kabelbindern gehalten. Seine Blinker sind außerdem im für ihn schon gewohnten Regenmodus, sie blinken besonders langsam, dafür aber doppelt, wobei das weniger ein Blinken als ein Glimmen ist. Das macht aber wenig Unterschied, weil es eh winzige LED-Funzeln sind.

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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#19 Beitrag von fransjup »

Tolle Eindrücke :respekt:
Mal vielleicht eine dumme Frage
Bei einem Unfall oder Panne, wer kann da in der Einsamkeit helfen
ADAC - Notruf ? :think:
Weiterhin Pannenfreie/ Unfallfreie Reise :thx:
Gruß aus NRW-fransjup

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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#20 Beitrag von blahwas »

12.08. Island Nördliche Westfjorde 690, F-66

Heute haben wir eine lange Etappe vor uns. Es geht nach Bolungarvik, der letzten Stadt Islands vor Grönland mit knapp 1000 Einwohnern. Das sind ohne Abstecher schon 350 km, aber meine Route besteht natürlich vor allem aus Abstechern, und darunter sind auch drei optionale Schotterpässe. Die Mitfahrer meutern, und ich kann dafür richtig früh und solo starten. Es geht nach Nordwestisland, Fjordland, abseits von allen Ballungsgebieten. Das Wetter ist schlecht angesagt, aber vielleicht kommt es ja nicht so übel. Die Straße 690 Steinadalsheidi eröffnet den Reigen der Schotterpässe. Es ist schön grün hier, und nicht zu steil oder steinig.

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Echt schön hier. Oben Foto eintüten und weiter.

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Ich fahre von Ost nach West drüber, dann ein Stück nach Norden und über den Thröskuldar wieder nach Osten. Dazwischen liegt aber noch eine Bucht, wo man links oder rechts fahren kann. Links ist gesperrt, stelle ich nach 5 Kilometern fest, also rechtsrum fahren und die restliche Gruppe warnen. Weiter nach Norden geht’s in Hochland, hier sieht man dann wieder Touristenfahrzeuge. Der Porskafjardarheidi ist ein harmloser Abstecher auf eine an sich solide Hochlandpiste, die aber einige nasse Schlaglöcher enthält.

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Danach kommt aber der Abstecher auf die F66, der mich heute noch eine Weile beschäftigen wird. Zunächst geht’s recht steinig einem Flussbett entlang. Dann kommen zwei harmlose Furten.

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Ein Jeep mit Wiener Kennzeichen fährt vor mir und winkt mich vorbei. Das freut mich. Jetzt geht’s recht steinig und steil den Berg hoch. Ich bin ja kein Fan von steinig, und der TKC nicht von steil, aber es klappt. Oben wird es flacher und weniger steinig. Das freut mich zunächst. Leider ist es so flach und unsteinig, dass das Regenwasser weder abfließen noch versickern kann. Es bilden sich große Pfützen, und der Boden ist so weich, dass sich bereits deutliche Fahrrinnen gebildet haben. Meine Bereifung ist damit auch nicht so ganz glücklich, und bald schlingere ich vorne und hinten gleichzeitig, bzw. eiere die Rinnen entlang und watschle dabei nebenher. Das geht 2-3 km so und treibt den Puls hoch, dann ist aber die Passhöhe erreicht. Erfolg!

Dann nur wieder runter. Wenn rauf geht, geht ja auch runter, oder? Ich bin gewarnt, dass der schmierige Teil der schwierigste ist und bin dort besonders vorsichtig. Und mein Motorrad so:

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Und ich stehe daneben und wundere mich. Das Vorderrad ist seitlich nach rechts in eine Rinne gerutscht, dabei hab ich anscheinend nach links gelenkt und mich dann entschieden, dass ich mit der Gesamtsituation unzufrieden bin und keine Airbagauslösung will, darum wende ich mich ab und stehe nun daneben. Jetzt noch aufheben. Topcase abnehmen und irgendwo hinstellen, wo es nicht so schlammig ist. Aufheben ist nicht so schwer, weil die Aprilia auf dem Koffer liegt. Hebel und Rasten sind alle noch dran, erkennbar dreckiger geworden ist sie auch nicht. Abstellen ist aber nicht so leicht, weil das Hinterrad gleich wieder in eine Rinne rutscht und ich da den Seitenständer nicht raus bekomme. Also aufsteigen und mit Motorkraft etwas fahren, quer zur Rinne... das gelingt nach ein paar Metern, die ich dann mein Topcase tragen muss. Und dann einfach weiterfahren, aber noch vorsichtiger. Und so komme ich wieder zum steinigen Teil. Abwärts einfach 2. Gang Standgas und durchrollen, hier nicht die Kurve verpassen...

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Ich treffe noch vier entgegenkommende Briten auf Sportenduros, und bei einer Verschnaufpause noch ein Isländer mit einem umgebauten Land Rover, der aussteigt und mit mir über Motorräder und Strecken will. Ich kann ihn überzeugen, mir zu folgen, so dass mir jemand ggfs. Hilfe leisten kann. Das freut ihn und mich beruhigt es, und frisch erholt nach der Pause komme ich fehlerfrei ans Ende der Straße.

Dann wäre als nächstes noch der Eyrarfjall auf dem Plan. Auch das ist ein optionaler Schotterpass, der aber auf den meisten Karten nicht mehr existiert. Kein Routenplaner will da entlang, laut Beschilderung ist er unpasssierbar (Ostseite) bzw Sackgasse (Westseite). Im Passknackerforum war 2016 jemand erfolgreich, darum ist der Punkt noch drin. Ich habe jeden gefragt, den ich heute getroffen habe, 2 Jeepfahrer, 4 Endurofahrer, alle haben davon gehört, keiner ist da gefahren, keiner weiß ob's geht. Ich komme an der östlichen Einfahrt vorbei. Die sieht so aus.

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Da ist sehr deutlich sichtbar lange keiner mehr durchgefahren, zumindest nicht mit irgendwas größerem als einem Fahrrad. Angesichts meiner heutigen Erfahrungen verzichte ich. Die Truppe ist schon weiter, und ein Fremder wird mich hier auch so schnell finden. Und die restliche Route ist auch noch lang genug. Jetzt geht’s im Wesentlichen die Hauptstrecke nach Norden, immer am Fjord entlang. Immer wieder schöne Blicke...

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Ich komme gut voran, aber eine Pause ist dann doch noch nötig, also gibt’s einen Kakao an der Tankstelle. Tankstellen sollte man hier auch alle nutzen, davon gibt’s nicht so viele. Ich komme durch den Hotelort hindurch, aber dahinter sind noch zwei Passknackerpunkte für heute. Leider fahre ich genau in eine Regenwolke rein, bald ist die Sicht weg und das Visier innen und außen nass. Da hilft nur noch offenes Visier und die Trockenheit der Brille opfern. Letztes Ziel ist der Aussichtspunkt Bolafjall im Nebel mit Starkwind, und auch mit Regen von oben, von der Seite, und auch von unten durch das Gitter.

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Dann aber ab ins Hotel, wo der Rest der Truppe gerade das letzte Gepäck rein trägt. Die sind ziemlich direkt gefahren, nur die Schleife über die Straße 690 haben sie mitgenommen.

Der Tag heute war sehr herausfordernd. Die Strecke F66 alleine zu fahren war einigermaßen riskant, aber ich war ja nicht der einzige Mensch dort. Die Engländern wären nach 15 Minuten zu der Stelle gekommen, und die Radfahrergruppe danach noch etwas später. Plus möglichen Verkehr in der Gegenrichtung. Merke: Furten sind nicht die einzige Herausforderung. Nächstes Mal in Island nehme ich gröbere Reifen...

480 km heute
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56% Island
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