Pässe knacken in Island und Färöer 2025

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blahwas
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#21 Beitrag von blahwas »

13.08. Island Nordwestliche Westfjorde, 622

Gestern Abend gab's Fish&Chips im hauseigenen Restaurant. Das ist neben Pizza, Pasta, Burger, Ramen das fünfte erlaubte Gericht auf dieser Reise. Wir gucken danach noch bei Youtube, was andere Leute so an geführten Touren auf Island machen, und gucken mal nach den Preisen: Über 1000 Euro pro Tag. Da werde ich Initiator dieser Reise, der die Routen plant und die Unterkünfte bucht, doch etwas nachdenklich.. Aber ich kann mir meine Mitfahrer aussuchen. Die Nacht habe ich kaum ein Auge zu getan wegen eines erneut ausdauernd schnarchenden Mitfahrers. Morgens bin ich ganz schön gerädert. Beim Aufsatteln kommt Nieselregen, das hilft der Laune auch nicht... Der Regen hört aber bald auf, und wir umfahren den Tunnel aus Isafjördur mit der alten Passstraße. Die ist geschottert, aber kürzlich erneuert. Beim Passknacker heißt das hier Langafjall / Breidalsheidi.

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Wegen Wolken ist nicht viel Aussicht. An der Passhöhe geht’s nicht weiter, zumindest nicht geradeaus. Ein kleiner Weg zweigt ab nach irgendwo. OSM ist hier nicht aktuell. Wir fahren zurück und durch den Tunnel. 6 km mit Tempo 70... ich fühle mich so müde dass ich kaum geradeaus fahren kann. Wir fahren Straße 60 nach Süden und kommen wieder an der Bucht von gestern vorbei, wo ich in der Querstraße umdrehen musste. Über Gemjufallsheidi geht’s zum nächsten Fjord runter, und dann rechts, im Stich zum Sandsheidi. Tolle Landschaft!

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Und eigentlich auch echt einsam, aber wir haben doch insgesamt drei Autos, von denen sich zwei auch noch unterhalten. Auf der anderen Seite des Fjords können wir aber schon den nächsten Höhepunkt sehen: Sandafell! Autofahrer parken an der Straße, wir fahren aber den ganzen Weg bis nach oben. Etwas steinig, etwas steil, hier mal eine sehr tiefe Erosionsrinne, in die man besser nicht rein geraten... ansonsten einfach 1. oder 2. Gang und hoch tuckern, ohne Mist zu bauen. Hier oben hat man freien Blick bis Grönland. Bzw. hätte man, wenn die Sicht besser wäre, und die Erdkrümmung nicht im Weg wäre.

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Ein tolles Gefühl, hier oben zu sein!

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Grönland ist übrigens weniger als eine Islandbreite von Island entfernt. Wir rollen den Berg vorsichtig runter. Davor habe ich persönlich mehr Respekt als vorm Weg nach oben, aber eigentlich ist es ganz einfach: 1. Gang rein und ohne Gas runter rollen. Bei Mut auch 2. Gang. So kommen wir alle sicher unten an, und schnappen uns noch den Schotterpass Hrafnseyrarheidi als Abstecher. Dann geht's wieder nach Norden. Es ist Pause angesagt im nächsten Ort Þingeyri . Leider hat das Cafe geschlossen, also gibt’s ein Picknick. Übrigens auch für die KTM, denn der Tank, na, Sie wissen schon...

Unser nächstes Highlight heute ist die Straße 622. Die führt an der Küste entlang um die Landzunge. Das ist landschaftlich sehr reizvoll und recht berühmt, aber kein Passknackerpunkt. Logisch, ist ja auch keine Höhe. Den tiefsten Punkt sollte man nicht bei Flut versuchen, besonders wenn der Wind landeinwärts drückt, darum lassen wir uns mit Blick auf die Gezeiten Zeit.
Am Anfang ist es ein Traktorweg mit Mittengrün, dann wird die Küste steiler und die Piste komplett Erde bzw. Schotter. Man kommt gut voran und es sieht gut aus. Uns kommen nur ein paar Radfahrer entgegen. Anscheinend kann man hier irgendwo blaue Fat Bikes mieten.

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Ein Abschnitt ist etwas steil, aber sonst ist hier alles easy. Noch! Dann kommt der steinige Abschnitt, direkt am Strand.

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Das ist vielleicht ein Haufen Schei... Man schaufelt mehr Stein umher, als vorwärts zu kommen. Fahren im engeren Sinne ist das nicht. Wir watscheln nebenher, Mirko kippt auch um und seine Aprilia gleich mit. Luca muss Sebastian anschieben, der mit dem Hinterrad aus einem Loch kaum noch raus kommt. Er hat auch den unsichersten Stand von uns. Respekt, dass er ohne Umfaller durchkommt! Wir sind alle geschafft, als wir am berühmtem Felsen ankommen.

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Danach wird’s zum Glück wieder einfacher: Traktorweg, Schotterweg, manchmal weich, manchmal Pfützen. Es kommen drei Furten, die eigentlich nicht besonders schwer sind. Ich nutze trotzdem zwei davon zum ablegen. Einfach das Motorrad irgendwo hin steuern, wo es nicht hingehört, am besten bei der Auffahrt, und dann warten, wie weit man kommt, bis der Motor ausgeht. Je 1x links, 1x rechts, wegen der Symmetrie. Beide Male fällt das Motorrad, ich aber nicht, und auch der Airbag findet das nicht auslösewürdig. Das erste Mal kann ich selbst aufheben, das zweite Mal hatte ich Zeugen und bekomme Hilfe. Beide Male lag das Motorrad nicht im Wasser. Von Süden fahren wir noch einen Abstecher nach Norden bzw. oben zum optionalen Punkt Kvennaskard.

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Es gibt zwei kleine Furten, kurze steinige Abschnitte, sonst eigentlich gut zu machen. Recht weit oben fährt man am Hang entlang und die Strecke hängt hangabwärts, und ist dabei gleichzeitig sehr weich. Bei Regen hätte ich Angst, dass mein Motorrad kommentarlos abrutscht und die Reise in den Atlantik antritt. Das tut sie heute aber nicht, denn wir haben einen regenfreien Tag – bis auf den Nieselregen morgens. Oben treffen wir zwei deutsche Wanderer. Wir sind unsicher, ob wir nach Norden runter fahren und wieder über Hrafnseyrarheidi, oder zurück und weiter an der Küste entlang. Die Wanderer kommen von Norden und erzählen von einer 50 cm tiefen Furt, da nehmen wir dann doch den südlichen Weg. Da wissen wir, was kommt, und es ist kürzer. So geht’s dann richtig lange an der Küste entlang, mit dem Schreckmoment einer Sperrung kurz vor der Kreuzung zurück zur Zivilisation. Es ist Brutgebiet, Betreten verboten. Betreten? Wir wollen fahren. Auf der Straße bleiben ist erlaubt. Also durch, für den Rückweg hätten vielleicht auch nicht mehr genug Benzin. Weiter geht's, aber nicht weit: Ein Wasserfall verführt die Mitfahrer, die sich prompt abseilen und 45 Minuten dort verbringen.

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Ich fahre weiter zum Pass Dynjandisheidi, neben der neuen Strecke liegt. OSM tut sich schwer, die Straße dorthin zu finden, aber so viele Möglichkeiten gibt’s ja nicht auf der Planetenoberfläche. So tüte ich auch dieses Foto ein, und weiter geht’s. Der Weg zum nächsten Punkt Helluskard ist Großbaustelle, hier wird anscheinend asphaltiert. Auf den 43 km zum nächsten Punkt Halfdan wird’s dann aber gleich wieder Schotter und sogar lehmig-schmierig. Ich fahre Tempo 35 und bin nur mäßig begeistert. Der Tag war doch ganz schön lang. So zähle ich die Kilometer bis Tálknafjörður, wo Tankstelle und Unterkunft warten. Die anderen kommen später nach, da bin ich schon geduscht. Es ist bald 21 Uhr ist, wo das einzige Restaurant im Dorf schließt, und ab 21 Uhr soll man auch nicht mehr die Gemeinschaftsküche nutzen. Also kochen wir uns Ramennudeln auf und Riegel dazu. Kann man auch mal machen, die letzten Tage waren wir ja essen.

295 km heute, 9:37 laut Routenplaner
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67% Island
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Nur noch zwei Fahrtage bis zum Ruhetag Reykjavík! Alle Motorräder schlagen sich tapfer.

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nexiagsi16v
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#22 Beitrag von nexiagsi16v »

Steck dir doch Nachts mal was in die Ohren....
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Umsteiger
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#23 Beitrag von Umsteiger »

Oder bewaffne dich vor dem Einschlafen mit genügend Wurfmaterial, um den Schnarcher im Bedarfsfall zum Wechsel seiner Schlafhaltung zu bewegen. Das bewirkt oft Wunder und zusätzlich fühlt man sich nicht mehr so schrecklich hilflos ;)

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blahwas
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#24 Beitrag von blahwas »

14.08. Island um den Breiðafjörður herum

Nach einer erholsamen Nacht kommt ein zweckmäßiges Hostel-Frühstück. Das ist prima. Ich habe eine lange Tour vor mir, es geht um Islands zweitgrößten Fjord herum mit diversen Abstechern und weiten Schleifen durch kleinere Unter-Fjorde (Achtung: Rekursionsgefahr!). Die Mitfahrer haben Orte zum Sightseeing nah am Beginn der Route identifiziert, die mich nicht so reizen, daher trennen sich unsere Wege heute sehr früh – um genau zu sein an der Tür der Unterkunft. Die erste Sehenswürdigkeit ist ein Schiffswrack. Ich parke gerade, da rollt ein Reisebus heran.

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Klar ist, dass man beim Abbiegen von der Straße 62 nach Westen an einem sehr einsamen Flecken dieses Planeten ankommt. Da steht direkt ein Schild „hier keine Tankstelle mehr“. Die Landzunge endet mit einem Vogelschutzgebiet, und dazwischen gibt’s ein paar Straßen, aber kaum Asphalt. Ich muss auch mitten durch eine Baustelle fahren. Das ist auch so gedacht, eine Umleitung wäre ja nicht möglich. Ich bin wieder mal froh, Reiseenduro zu fahren und nicht reine Straßenreifen, denn die Straße es ist erdig und feucht, und teilweise auch weich. Dazu kräftigen Seitenwind, heute aus wechselhaften Richtungen. Schöne Ausblicke gibt’s trotzdem.

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Aber leider fahre ich hier und heute trotz trockenem Wetter viel auf solchen Schlammlochpisten.

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Da wäre ich mit einer Straßenmaschine oder reiner Straßenbereifung ganz schön gekniffen. Besser gefällt es mir am Kleifaheidi, wieder auf der 62 Richtung Zivilisation. Die Straße ist prima ausgebaut und asphaltiert. Das war nicht immer so, der wurde noch von Hand dem Berg abgetrotzt. Die Arbeiter haben hier ein Denkmal errichtet. Der Mann trägt ein Werkzeug in der Hand. Das ist eines der wenigen markanten Fotomotive auf den Passhöhen bzw. Passknackerpunkten. Der höchste Punkt ist etwas weiter, aber hier ist sogar ein Parkplatz.

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Die Straße führt hier die Bucht entlang und wird gerade noch weiter ausgebaut. Hier geht’s runter in die Bucht auf Schotter...

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An einigen Stellen werden die Buchten auch durch Straßen auf Deichen mit und ohne Brücken abgekürzt. Die eigentlich für den Landespreis geplante Strecke Hjallahals führt über eine Landzunge, sie ist aber heute gesperrt, und sie besteht aus frischem Schotter vom Typ „Eisenbahngleisbett“. Es wirkt fast so, als wäre die Straße abgerissen worden. Beim Passknacker Landespreis gilt normalerweise, dass man nicht in Baustellen rein fahren muss. Also mache ich das auch nicht, sondern fahre außenrum und versuche die andere Seite. Gleiches Bild: Gesperrt, Eisenbahnschotter, keine Wegweiser mehr. Offenbar wird die Straße zur Sondernutzung erhalten, vielleicht zu Wartung der Stromleitung, aber nicht für den allgemeinen Verkehr. Der möchte hier auch nicht mehr lange drüber fahren, denn die Landzunge, die die Straße überquert, wird durch einen neuen Deich eh umfahren. Der neue Deich ist gerade in Bau. Ich lade das Foto von der Sperrung hoch und schildere die Lage.

Weiter geht’s! Ich passiere ein Stück der Route von vorgestern, zwischen Straße 690 und 61, und immer weiter nach Süden, jetzt auch wieder gut ausgebaut, auch wenn ich mich noch immer außerhalb der Ringroad bewege. Mittag ist durch, ich mache eine Pause an einem Hotel mit Tankstellen und Snackbar. Dabei fällt mir mal wieder diese Gruppe von 15 italienischen Wohnmobilen auf, die mit unser auf der Fähre waren. Die fahren als Rudel und so wie auftauchen, geht gar nichts mehr. Hier blockieren sie die gesamte Dauer meiner Pause lang die einzige Zapfsäule, von beiden Seiten. Denen ist auch kaum ein Parkplatz gewachsen, auch nicht an Sehenswürdigkeiten. Einspurige Straßen und Tunnels werden auch zum Problem. Für sie untereinander, und für alle anderen, die dabei nicht ganz freiwillig mitmachen. Naja, ich habe genug Sprit, weiter geht’s. Später überhole ich sie sogar – immerhin machen sie Platz auf dieser Schotterpiste. Es geht wieder auf einsame Landzunge hinaus. Der letzte Pass fürs Lebenswerk heute ist der Vatnaleid, der liegt mitten in grellgrün bemoosten Felsen. Sehr schöne Landschaft!

Die Krönung des Tages ist aber ein optionaler Pass. Die Strecke zum „Hjardarfell / Kerlingarskard“ liegt östlich parallel zur 56, aber es gibt bei OSM auch eine Abzweig vom Vatnaleid. Und den probiere ich jetzt. Der Einstieg ist etwas steil und steinig. Ich fahre mich auch fest und muss sitzend unters Motorrad greifen, um einen großen Stein zu entfernen. Gelenkig sein hat seine Vorteile! Der Rest geht aber leicht zu fahren. Bald erreiche ich die alte Piste, die gut erkennbar ist. Sie läuft sogar auf einem Damm, nur leider fehlen 10 Meter an der Stelle, wo ein Wasserrohr untendurch führt. Da sollte man aufpassen, wenn man die alte Piste fährt. Der Nebenweg ist naturnah und nicht entwässert. Es ist aber auch nicht steil genug für Erosion, und nicht nass genug für Matsch. Dafür ist es echt schön hier!

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So, Foto gemacht, vorsichtig zurück zu Hauptstrecke, Luca anrufen und Abendessen klären. Wir sind 4 km außerhalb des nächsten Ortes, aber wir haben eine Küche in unserem Vierer-Zimmer. Also wird heute gekocht! Unser Guesthouse liegt natürlich an einer Bucht. Die Anwohner hier können wohl sehr wütend werden...

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Die restliche Truppe braucht noch länger. So komme ich nach einem prima Fahrtag an und habe die Bude noch eine Weile für mich alleine.

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450 km und 6:57 heute laut Routenplaner

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83,6% Island

Morgen Abend sind wir Reykjavik. Dort legen wir einen Ruhetag ein. Man könnte aber auch Motorrad fahren...

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Bayoumi
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#25 Beitrag von Bayoumi »

Da bekommt man, wie immer, gleich wieder Reiselust.
Bild Versys 650 | BJ 2016 | April 2018 bis April 2024 | von KM 48 bis KM 59172
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blahwas
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#26 Beitrag von blahwas »

15.08. Reykjavik Rush

Heute geht's nach Reykjavik, und morgen ist unser wohl verdienter Ruhetag! Darauf freuen wir uns irgendwann alle nach… x Tagen auf dem Motorrad mit strammem Programm. Das Wetter ist trüb, nass und windig, also echt isländisch. Zunächst holen wir die letzten beiden Punkte auf der Halbinsel Snæfellanes. Der erste ist asphaltiert, aber leider wegen Wolken ohne Aussicht.

Keiner hat gestern Abend getankt, darum steuern wir die letzten Tankstelle am Ende der Halbinsel an. Da ist leider Grüße Baustelle, mit Großfahrzeugen und ganz viel grobem Schotter. Mirko und Sebastian sind auf Reserve, die kann ich nicht zu einem Abstecher zum optionalen Pass Snaefellsnesjökull überreden. Luca hat auch nicht wirklich Lust, mangels Aussicht, aber auf mein Bitten kommt er mit. Zur Sicherheit.

Die Strecke ist gut instand gehalten, hat aber Erosionsrinnen und auch Wellblech. Sie ist aber nicht aufgeweicht. Dafür ist die Sicht schlecht, weil alles von innen und außen nass ist und beschlägt, und einem dabei der Wind auf allen Richtung ins Gesicht hämmert und am Motorrad zerrt. Nach 7 km ist der höchste Punkt erreicht, Foto machen, fertig.

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Hier regnet es auch nicht. Luca entdeckt einen Abstecher noch weiter nach oben. Ich will nicht mit, so fährt er alleine. Ein Einheimischer Quadfahrer kommentiert das kritisch: das oben kommt kein Rettungswagen, und bei dem Wetter auch kein Hubschrauber. Luca hat einige Mühe, kommt aber unversehrt zurück. Wir fahren wieder runter und zum nächsten Punkt.

Wir besuchen die Budakirkja. Das ist die Kirche aus dem Film Metalhead (Malmhaus). Das es im Film um Black Metal geht, ist wohl klar, was damit passiert… Ich bin überrascht, wie viel Betrieb hier ist. Foto reicht, ich muss nicht rein. Ich bin gut verkabelt, meine Heizkleidung hält mich von innen warm, während meine äußeren Schichten langsam aber sicher durchweichen. Ich hatte wieder keine Lust auf Regenkombi.

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Auf dem langen Weg nach Reykjavik suchen wir Mirko und Sebastian. Sie sind aber weder an ersten Café, noch an der ersten Tankstelle. Also weiter. Der Pass Draghals führt von der Küste weg. Hier hört der Regen auf, aber dafür sind die Straßen hier unbefestigt. Eigentlich ganz schön hier.

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Ich brauche langsam Pause, und meine Kopfhörer wollen geladen werden. Sebastian und Mirko melden sich, erste Tankstelle nach dem Tunnel. Da gibt es Fleischsuppe und Hotdogs. Das wärmt auf. Mit dem Fön am Helm zu arbeiten bringt nichts, aber ich habe ja noch eine Kapuze. Die tut gut.

Jetzt geht's ein ganzes Stück weiter, an Reykjavik vorbei auf der Schnellstraße. Dachte ich. In echt ist es vierspurig, aber alle 500 Meter ein Kreisverkehr, dazu Starkregen und Rush Hour.. Einheimische, Touristen und ein nasser Motorradfahrer. Der Weg zum Punkt Stefanshöfdi führt über eine schön gebirgige Landschaft, dann aber rechts ab und zu einem See. Das Fotomotiv ist ein Schild, das ist gut, aber einer sehr unübersichtlichen Stelle. Der Kies am Seitenstreifen ist so weich, dass der Seitenständer einsinkt. Uff.

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So, jetzt nur noch ein Punkt! Euphorie! Es geht ein Stück zurück und dann links zum Punkt Djupavatn. Ich biege links ab und wundere mich. Da steht 4x4 only auf dem Schild, obwohl der Pass zum Landespreis zählt. Weiter vorne stehen ein Hochlandjeep und ein sehr tiefer gelegter Opel. Nebeneinander.

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Hm, bin ich hier richtig? Ich könnte etwas weiter nördlich probieren. Also umdrehen… nein, das Motorrad will nicht starten. Seitenständer, Kupplung, Leerlauf, alles OK, Motorrad sagt: klack. Nur ein klack. Das hatte ich vor ein paar Tagen schon, also alle Heizkleidung abgeklemmt. Es bleibt beim Klack. Mist, das ist ein größeres Problem. Vielleicht habe ich die Batterie bzw Lichtmaschine überfordert? Ich entferne die Sitzbank und lege die Batterie frei, dann winke ich vorbei fahrende Autos heran. Es halten wirklich alle, das klappt gut! Die meisten sind Touristen ohne Starthilfekabel und ohne Plan, das ist schlecht. Ich sehe einen Kilometer entfernt ein Firmengelände mit Betrieb, die haben sowas bestimmt. Den nächsten hilfsbereiten Touristen, Wanderer aus Polen, schicke ich dorthin. 10 Minuten später sind sie wieder da, mit einem 20 Meter langen Starthilfekabel. Wir suchen die Batterie an ihrem Hybrid Mietwagen und werden in Heck fündig. Der Kontakt klappt, aber das Motorrad sagt: Klack. Mist!

Es regnet gerade nicht, aber jetzt den Schutzbrief aktivieren will ich auch nicht, denn da wartet man mindestens 2 Stunden, gern auch 4. Ich informiere meine Reisegruppe. Die sind bereits in der Unterkunft, und wollen helfen. Mirko wird geschickt mit Werkzeug und Platz auf dem Soziussitz. Da mir, völlig durchnässt wie ich bin, inzwischen doch eher kalt ist, spreche den Fahrer eines Transporters an, ob ich mich bei ihm rein setzen kann, zum Aufwärmen. Ich darf. Es ist eine Gruppe italienischer Touristen auf Sightseeing, die das gleiche Ziel wie ich hatten, sich aber mangels Allrad nicht in den Weg trauen und gerade überlegen, was sie als nächstes machen. Ich recherchiere die Symptome meines Motorrads online und werde fündig: entweder ist der Starter defekt, oder die Verschraubung des Pluspols. Minus kommt ja vom Gehäuse. Aprilia hat für den Pluspol bei meinem Baujahr noch keine selbstsichernde Mutter verbaut. Wenn die Mutter sich löst, ist der Kontakt schwach und der Starter dreht nicht. Ich finde das Teil nach einigem Suchen, komme aber nicht ran, weil es genau mittig im Motorrad liegt und da auch andere Dinge verbaut sind.

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Da spricht mich jemand an. Er ist Fahrer eines großen Dodge RAM mit Abschlepper-Plattform. Er versteht mein Problem und schlägt anschieben vor, sein Sohn ist auch mit dabei. Ich baue Koffer und Topcase ab, und los geht's. Das Motorrad macht Geräusche von Verbrennung, blockiert aber lieber das Hinterrad. Nächste Idee: Wir schieben das Motorrad zu dritt die nächste Steigung hoch, und rollen runter. Der Dodge Fahrer setzt sich oben drauf, rollt runter, und bekommt sie an! Genial! Es ist also wirklich nur der Anlasser! Dann hält er an und würgt ab. Nein! Der Leerlauf ist tatsächlich schwer zu finden. Jetzt taucht auch Mirko auf und bezeugt unseren zweiten Versuch am Berg. Dieses Mal sitze ich drauf und wähle den dritten Gang. Es klappt! Jetzt bloß nicht den Motor abstellen.

Ich klicke meine Koffer wieder ans Heck, da bietet mir der Retter noch an, in seiner Werkstatt zu schrauben. Die wäre ganz in der Nähe, einfach hinterher fahren. Da ich ja eine Idee habe, was die Ursache sein könnte, sage ich zu und eile hinterher. Seine Werkstatt ist gigantisch, zahlreiche Pokale zeugen davon, dass er in Island auch nicht irgendwer ist. Er holt mir ein paar Gabelschlüssel aus den Werkzeugwagen und zeigt mir die Bedienung von Lichtschalter und Rolltor. Dann eilt er zurück zur Rally. Da stehe ich nun, mit Mirko in einer fremden Werkstatt, zwischen Werkzeug für Tausende Euros, ein Dutzend Zündschlüssel hängt an der Wand und die Regale sind voller Teile. Wow. So viel Vertrauen!

Die verdächtige Schraube ist nicht leicht zu erreichen, aber mit dem langen Werkzeug hier kann ich die Gummikappe abhebeln und schließlich die 10er Mutter eine Umdrehung festziehen, aufgrund des engen Bauraumes aber mit 12x neu ansetzen. Dabei lasse ich den Motor vorsichtshalber laufen, damit ich hier eh weg komme, auch wenn es die lose Mutter nicht die einzige oder die wahre Ursache des Problems gewesen sein sollte. So fahre ich hinter Mirko her ins Hostel. Dabei achte ich peinlich darauf, nicht den Motor abzuwürgen. Nach dem einparken ein Startversuch: Der gelingt! Erfolg!

So hatte ich Glück im Unglück: Richtig mieses Wetter. Die Motorsport Veranstaltung verhindert, dass ich den Pass fahren kann. Ich bleibe mit Panne liegen. Bei einer Motorsport Veranstaltung wimmelt es aber von Motorsport-Freaks, die gern Anderen helfen und dazu auch die Mittel haben. Und überhaupt sind Isländer sehr hilfsbereit. Und dass ich ein bisschen schrauben kann. Und die Passknacker-Admins sind oft gnädig, wenn man wegen einer Veranstaltung nicht die Strecke fahren kann. Nach der dringend nötigen Dusche reiche ich die Nachweise ein und erzähle die Geschichte im Kommentar. Man steht meinem Problem mitfühlend entgegen, auch wenn ich kein formell richtig gutes Foto von der Sperrung habe. Als das Motorrad wieder lief, musste alles schnell gehen.

Achja, und der Reisebericht, der kommt heute vom Handy, denn mein Laptop mag nicht mehr. Ein paar Schrauben auf der Unterseite waren locker, und nach dem festziehen möchte Windows ungefragt irgendwas reparieren, was “mehr als eine Stunde” dauern soll. Angesichts der SSD ist das erstaunlich lange. Der Laptop ist ein altes ThinkPad und genau dafür da, in meinem Topcase spazieren gefahren zu werden, wobei er gern geschüttelt wird und manchmal auch feucht. Es erschwert aber die Routenplanung.

Ca 360 km heute, 90,9% Island

Morgen ist Ruhetag. Wir gucken uns Reykjavik an. Kein Ortswechsel, kein Meter Motorrad. Wir haben ein Vierbettzimmer, und wie das aussieht, wenn vier durchnässte Motorradfahrer da einziehen, kann man sich vorstellen…

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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#27 Beitrag von nexiagsi16v »

Ich hoffe ihr nutzt den Ruhetag, um eine selbstsichernde Mutter zu kaufen. Aber wenn ich das richtig verstehe, habt ihr am Plus für den Anlasser geschraubt, bei laufendem Motor, also auch angesteckter Batterie? Würde ich nicht mach. Batterie abklemmen, weil wenn du mit dem Schlüssel an ein Metallteil kommst, das Masse hat, dann glüht der Schlüssel. Ich weiß nicht wie das beim Motorrad ist, aber die Plusleitung hat keine Sicherung im Normalfall, wenn es das dicke Kabel ist. Das anderen für das Relais, ist abgesichert. Aber wie gesagt, am Anlasser und Lichtmaschine schraubt man echt nur ohne angeschlossender Batterie, also stromlos.
Hast mal zusammengerechnet was deine Heizkleindung an Strom zieht? Hab das schon früher im Thread gelesen, das du einiges an hast, was versorgt werden will. Auch Handy und Co.... Wenn du wieder zu Hause bist, solltest du echt mal schauen, was für eine Wattzahl gebraucht wird und ob die Lima das liefert.
Trotzdem gut, wie die Italienerin sich bei dem schlechten Wetter und Straßen und Umfallern sich schlägt. Bei einigen Stellen wäre ich nie im Leben lang. Vorallem die Stellen wo nur Steine sind, die evtl. auch noch nass.
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blahwas
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#28 Beitrag von blahwas »

Beste Praxis war das sicherlich nicht. Auch weil alles sehr heiß ist, natürlich. An dem Kabel liegt aber nur Plus an, wenn man gerade den Starter Knopf drückt.

Die serienmäßige Lithium Batterie hat eine Taste für Selbsttest, der hat volle Ladung angezeigt.

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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#29 Beitrag von blahwas »

16.08. Ruhetag Reykjavik

Heute war keine Tour geplant. Stattdessen ausschlafen, Frühstück kaufen und verzehren, Klamotten trocknen und individuelles Kultur Programm. Ich habe das Nordlichter Museum besucht und das isländische Staatsmuseum. Die Wege sind weit genug dass sich Motorradfahren gelohnt hat. Die Aprilia ist wieder brav.

Ein paar Fotos:

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Es ist schön hier, aber nicht günstig. Einfach nicht umrechnen und man gewöhnt sich dran...

Grautier
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#30 Beitrag von Grautier »

@ blahwas
ich weiss ja, dass Du kein Berufsfotograf bist, aber bei
sehr vielen Bildern denke ich, dass Du auch damit Deinen
Lebebsunterhalt verdienen könntest.
.....es ist immer sehr schön für mich (und viele von uns),
wenn Du in Urlaub bist !!
Gruss: Jörg

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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#31 Beitrag von nexiagsi16v »

blahwas hat geschrieben: 16. Aug 2025 10:58 Beste Praxis war das sicherlich nicht. Auch weil alles sehr heiß ist, natürlich. An dem Kabel liegt aber nur Plus an, wenn man gerade den Starter Knopf drückt.

Die serienmäßige Lithium Batterie hat eine Taste für Selbsttest, der hat volle Ladung angezeigt.
Gut, dann war es nur das Kabel für das Relais und das hat eine Sicherung. Wie gesagt, das Kabel was den Arbeitsstrom für den Anlasserliefert, ist i.d.R. nicht abgesichert.
Tschau Norman :hello:

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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#32 Beitrag von blahwas »

17.08. 100% Island und Hochlandkunst

Morgens müssen wir das Zimmer räumen. Nach zwei Nächten sieht es echt chaotisch aus, aber alles findet zu seinem Besitzer zurück und es ist auch fast alles mindestens fast trocken geworden. Manche angebliche Hersteller “wasserdichter” Motorradkleidung im oberen Preissegment forschen anscheinend tatsächlich eher im Bereich Langzeitspeicher von Feuchtigkeit…

Mirko fährt zum Baumarkt, das geht hier auch sonntags. Der Rest fährt meine Route: die letzten fünf Passknacker Punkte für den Landespreis, und danach noch zwei optionale Schotterstrecken. Es ist bewölkt, aber es regnet nicht, das ist gut. Raus aus dem Ballungsgebiet, tanken und dann Hauptstrecke 1 entlang zum Blafjallaskali. Das ist eine Sackgasse in ein Skigebiet hinein. Und leider geht es auch in die Wolken hinein. Dann schnell wieder weg hier.

Zurück an der Hauptstraße fällt die hohe Dichte inkompetenter Autofahrer auf. Anscheinend ist es üblich, dass Flugtouristen sich einen Mietwagen nehmen, und die müssen dann alle hier entlang. Bei Hellisheidi stehen wir vor einem Geothermalgebiet, nebenan brodelt und dampft es auch aus dem Boden. Unsere Route führt nach Norden, da gibt's aber leider keine direkte Verbindung, darum geht's fast wieder zurück nach Reykjavik und dann wieder raus. Zum Upplysingar haben wir dann aber richtig schöne Kurven! Echtes Motorradfahren! Bisher ging's ja doch oft geradeaus, wenn auch oft mit Hindernissen.

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Wir passieren nur einen großen See mit Wasserfall und entsprechenden Touristenhorden. Das geht hier alles mit einem Tag Mietwagen von Reykjavik aus. Wir kehren ein im Cafe und warten auf Mirko. Es kommt eine Gruppe geführte Enduros vorbei. Einen davon habe ich vorhin eine Abzweigung abkürzen sehen, mir aber leider sein Aussehen nicht gemerkt. Das hinterlässt Spuren für die Ewigkeit und trägt nicht gerade dazu bei, dass wir weiterhin nicht nur befestigte Straßen, sondern auch Pisten fahren dürfen. Egal, weiter geht's, nur noch zwei Pässe bis zum Landespreis! Der nächste heißt Uxahryggir und ist schon deutlich im Hochland. Es wird wieder trüb und grau. Schade.

Der letzte Pflicht Punkt liegt an der Straße 550, 20 km nördlich, früher F550, eine Schotterpiste im Hochland, aber seit ein paar Jahren ohne Furten, außer wenn gerade Schneeschmelze ist, vermutlich. In OSM sind Flüsse und Furten, die wir aber nicht sehen.

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Und schließlich ist das Fotomotiv erreicht!

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100% Island, juhu! Alle Strapazen haben sich gelohnt!

Aber der Tag ist noch nicht zu Ende. Und die Reise auch nicht. Ich habe heute noch zwei optionale Punkte geplant. Als es aufklart haben wir aber beeindruckende Aussichten auf den Berg rechts und das Schwemmland davor. Und dann klart es auf! Wir fahren nach Norden und machen eine kurze Rast am Abzweig zum Langjökull, Straße 551. Da stellt Mirko fest, dass seine Gabel rechts undicht ist. Er hat aber ein Werkzeug dabei, mit dem man den Simmerring streicheln und mit etwas Glück auch Dreck rausholen kann.

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Und dann stellt Luca fest, dass er das gleiche Problem hat. Also gibt's eine Gruppenbastelsession - und die KTM ist damit das bisher zuverlässigste Fahrzeug auf dieser Reise! Kaum zu glauben. Dann geht's aber los, hoch zum Gletscher. Wir erreichen Gebäude für Wintersport. Da stehen große Fahrzeuge herum.

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Ich fahre noch weiter hoch, habe es nicht eilig. Der Weg wird gleichzeitig steinig und steil. Ich schalte nicht schnell genug, insbesondere vom 3. Gang runter, und würge den Motor ab. Der Hinterreifen blockiert, ich fahre die Beine aus und finde einen guten Stand. Das Motorrad aber nicht. Zack!

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Ich stehe da drüber. Der Airbag bleibt cool. Das vierte Mal diesen Urlaub, und wieder ist nichts kaputt. Dieses mal auf steinigem Grund ist das nicht so selbstverständlich, aber mit Sturzbügel und Koffer berührt die Raste nicht den Boden, und meine Griffschalen sind sehr solide. Aufheben und weiter bis ganz nah ran an den Gletscher. Motorski stehen ungesichert herum. Krasses Erlebnis, und ganz schön kalt! Dann fahren wir weiter runter, und nach Süden. Die Gabeln sind beide dicht. Gleiche Landschaft, anderer Blickwinkel und anderes Wetter.

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Jetzt geht's wieder in Wolken rein. Dann kommt noch ein möglicher Abstecher. Sebastian und Luca wollen nicht, ich schon, Mirko macht mit. Es geht die F338 zum Punkt Porolfsfjell / Lambarhaun. Das ist zunächst steinig und ich ärgere mich. Doch ich lerne schnell: wo die Steine aufhören, fangen die Probleme an! Dann fährt man nämlich in Sand. Bzw fährt dann das Motorrad mit mir statt umgekehrt, denn Grip gibt's hier nicht. Selbst nebenher watscheln fällt schwer, so weich ist der Boden. Das sind zum Glück nur Abschnitte von 10-50 Metern hier und da. Dazwischen gibt's Kies und auch mal feuchte Erde. Merke: Wenn man Reifenprofil am Boden erkennen kann, ist Schrittgeschwindigkeit angesagt! Zumindest mit meinen Reifen. Wie lange dauern 2x 11 km bei dem Tempo, das kann sich jeder ausdenken… aber wir schaffen es unfallfrei, und auch wieder zurück. Yeah, alles geschafft!

50 km zur Unterkunft auf Asphalt klingt einfach, aber Touristenhorden in Mietwagen, hochgelegten Sprinter in Kolonne, Tempo 50 Außerorts mit Blitzer wollen auch noch bezwungen werden… aber auch das schaffen wir. Tank voll, Dusche, kurze Wartung am Motorrad: WD40 für die Schlösser, mein Koffer klemmte schon bedenklich. Kette gründlich sprühen statt mehr oder weniger Öl hier und da. Die Griffschalen etwas hoch drehen, nach vier Umfallern hängen die etwas. Und dabei fällt mir noch auf, dass die vordere linke Motorhalterungsschraube völlig lose ist. Ich kann sie einfach rausziehen. Auf den letzten drei Gewindegängen ist Metall, das ist kein gutes Zeichen. Ich drehe sie mit Schraubensicherung, aber ohne Unterlegscheibe wieder fest. Vielleicht war der letzte Schlag auf den Sturzbügel einer zu viel? Eine kurze Prüfung der restlichen Motorverschraubungen am Rahmen ergibt noch weiteres Verbesserungspotential. Au weia. Gut, dass ich das gefunden habe. Es stehen noch 3,5 Fahrtage an, so lange soll das Motorrad bitte nicht auseinanderfallen…

100% Island
310 km heute

Ich muss weiter am Handy den Bericht tippen, weil ich keine Zeit habe, den Laptop zu reparieren. Das ist lästig.

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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#33 Beitrag von blahwas »

18.08. Vom Golden Circle ins Hochland

Morgens öffne ich den Laptop mit Lucas Schweizer Taschenmesser. Ich finde auch ein unglücklich eingeklemmtes Kabel, das zwischen Scharnier und Gehäuse eingedrückt wird, statt hinter der Blende des Scharnier im Hohlraum zu baumeln. Windows möchte aber nicht starten, sondern lieber irgendwas reparieren, was ewig dauert. Zumindest länger als das Frühstück an der Tankstelle nebenan.

Luca und ich fahre den nahegelegenen XXX Passknacker Middalsfjall, Mirko und Sebastian machen Sightseeing. Wir erreichen die Zufahrt zum Punkt bald, die Strecke heißt F337. Es wird direkt steinig und steil, mit genug Sand dazwischen, dass ich mich fast eingrabe und hin und zurück schaukeln muss, um am Berg weiter hoch zu kommen. Dabei sind die Steine so grob und lose, dass das Vorderrad macht, was es will. Motorradfahren im engeren Sinne ist das für mich nicht. Luca tut sich leichter, aber teilt meine Bedenken. Wir prüfen auf der Karte, ob's so steil bleibt: Ja, bleibt es. Also entschließen wir uns, umzudrehen. Ich komme wieder, ohne Gepäck und mit gröberen Reifen. Aber erstmal muss ich zurück zur Straße. Dabei habe ich drei sehr große Augenblicke, wo 1-2 Räder tun, was sie wollen, aber ich bleibe oben und auf dem Weg. Jetzt ist mir warm!

Nun biege ich auf meine geplante Route ab. 2x XXX im Hochland, dann Unterkunft, aber Luca meutert: er will auch Sightseeing! Ich lasse mich überzeugen, Haukadalur Geysir, mit hingehen und Parkgebühr bezahlen. Da kommt alle fünf Minuten Wasser aus dem Boden! Ich schwitze sehr in Motorradkleidung für kaltes Wetter bei inzwischen 20°, und dann kommt auch noch die Sonne raus. Dazu Touristen Horden. Uff.

Weiter geht's zum nächsten Sightseeing, ein Wasserfall! Da fällt Wasser runter. Sensationell. Dafür sind zwei getrennte Parkplätze nötig, wo 10 Reisebusse stehen, man kann Kleidung kaufen, und ein Schild warnt vor Taschendiebstahl. Kein Passknackerpunkt.

Ich blicke mit Sorge aufs Navi bzw die Ankunftszeit. Immerhin kann ich ein paar Schichten ablegen, bis der Rest der Gruppe damit fertig ist, dem Massentourismus zu frönen.

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Dann wird endlich Motorrad gefahren! 110 km bis zur letzten Tankstelle vor dem Hochland. Es wird einsam und die Landschaft wird rau.

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Nach der Tankstelle Schrecksekunde: Luca geht der Motor auf freier Strecke aus. Wir probieren herum, dann startet sie wieder. Luca jaucht den Seitenständerschalter vorsichtshalber mit WD40 ein. Dann geht's von der 26 auf die 208, eine raue Hochlandpiste mit viel Waschbrett, aber auch schönen Aussichten.

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Es gibt einen spontanen Abstecher zum Kratersee Hnausapollur.

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Dann erreichen wir die Kreuzung mit der F225. Hier wird die 208 zur F208, denn es sind Furten voraus, und der Passknackerpunkt Réttarhnúkur in 22 km. Und das gleiche zurück. Keiner hat Lust, und ich bin eigentlich auch zu platt. Also geht's nach kurzer Recherche weiter auf der F35, denn die soll einfacher zu fahren sein als die 208. Ich habe Schwierigkeiten das zu glauben und halte einen Autofahrer an, der mir von seinem Allrad VW Bus aus erklärt, das Wasser sei höchstens 20 cm hoch. Na gut, überzeugt! Los geht's, und auch hier ist es sehr schön. Es ist aber mehr Betrieb, uns folgt ein Reisebus.

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Die zweite Furt sieht recht beeindruckend aus…

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Aber Mirko und Luca wandern sie ab. Es gibt zwei sichere Wege, ich nehme den offiziellen Weg entlang des Seils und komme mit trockenen Stiefeln durch. Weiter geht's, schön hier!

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Den Abstecher nach Süden zum Passknacker Pokáhryggur sparen wir uns aus Zeitgründen. Gegen 17:30 ist das Hochland zu Ende und wir rollen noch die letzten Kilometer zur Unterkunft Leirubakki. An der Unterkunft wird geduscht, im Hot Tub entspannt, nochmal geduscht, und dann wird gekocht, so gut es eben geht. Es gibt Ramen, weil es keinen Herd gibt. Ich schraube noch etwas an der Aprilia: Der Flaschenhalter ist gebrochen, der Kanister hängt auf halb 8, und der rechte Rückspiegel dreht sich im Wind. Alles kein Problem, den 19er Schlüssel für den Spiegel bekomme ich an der Hotel Rezeption. Das gute Landleben!

Null Passknacker heute, 260 km heute. Wir sind recht nah an der Unterkunft von gestern.

Ich muss weiter am Handy den Bericht tippen, weil Windows findet, es sei kaputt und kann auch nicht selbst reparieren. Alle BIOS Tests sind aber positiv. Das ist lästig, aber für die restlichen drei Tage wird es gehen. Sightseeing ist wirklich nicht mein Ding.

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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#34 Beitrag von blahwas »

19.08. Übers Hochland mit Straße 35

Heute ist Disziplin gefordert, denn die Strecke heute ist lang und wahrscheinlich auch anspruchsvoll. Wir steuern die erste Tankstelle am Weg an, tanken voll und kaufen Snacks für den Tag. In der Gegend gibt's auffällig viele Pferde, Höfe usw. Es ist auch alles sehr grün, hügelig und landwirtschaftlich. Dann geht's zum Einstieg der Straße 35, ehemalige F35, eine 200 km Verbindung übers einsame Hochland. Es gibt noch eine letzte Tankstelle am Geysir von gestern, und wir kommen auch wieder am Wasserfall vorbei. Danach sind die Menschenmassen aber plötzlich weg und wir fahren bei trockenem, aber bewölktem Wetter in die Einsamkeit.

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Die F35 heißt jetzt 35, weil sie keine Furten mehr enthält. Wir haben großes Glück mit dem Wetter. Nach einer halben Stunde haben wir plötzlich blauen Himmel.

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Und dann kommt ein Abstecher zum Passknacker Kerlingarfjöll. Die Beschreibung warnt vor besonders harten letzten Kilometern nach der Hotelanlage. Ich habe da eine Idee: ich suche mir eine unauffällige Stelle, und dort lade ich meine Koffer ab. Stören werden sie nicht, klauen wird sie auch keiner. So geht's buchstäblich erleichtert den Berg hoch, durch sensationelle Aussichten.

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Ganz oben hat man Weitsicht ohne Ende. Luca schätzt 100 km. Das ist schön, aber der Tag ist noch lang, also weiter. Mein Gepäck ist noch da. Der Unterschied ist deutlich. Nächstes Mal weniger packen?

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Die Landschaft entlang der 35 wechselt immer wieder

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Noch ein Abstecher ist der Punkt Hveravellir. Da gibt's ein Hostel mit Restaurant und Campingplatz, aber eher weniger glamourös. Das finde ich angenehm. Irgendwann ist der ganze Trupp eingetrudelt und wir stärken uns an Waffeln. In der Sonne hat es 18°, da kommt man ins Schwitzen. Die Strecke ist überwiegend gut, hat aber einige Abschnitte mit Waschbrett oder noch schlimmer, Mosaik aus tiefen Schlaglöchern. Da helfen 21”, Tempo und kein Mitleid für die Mechanik. Meine Trinkflasche möchte dabei aber nicht im Halter bleiben und wir haben alle etwas Angst um weitere Verschraubungen am Motorrad, sowie diverse Lager. Naja, das ist halt Enduro.

Irgendwann ist wieder Asphalt erreicht und bald auch die Ring Road, und die erste Tankstelle nach 250 km (durch die Abstecher). Die KTM kam ohne Kanister rüber. Jetzt sind es noch 100 km Hauptstraße bis Akureyri. Bei bestem Wetter sieht das alles gleich anders aus, denn ich war hier vor einigen Tagen in Gegenrichtung unterwegs. In Akureyri gibt's noch volle Tanks für morgen und dann ab ins Hostel. Klasse Tag heute!

Ca. 440 km heute

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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#35 Beitrag von blahwas »

Heute gibt's keinen Reisebericht. Wir waren im Hochland unterwegs, unfallfrei, aber sehr sehr lange. Fotos sichten am Handy ist auch schwer. Morgen sehr früh geht's zur Fähre, vielleicht gibt's dann einen Bericht, oder danach. Samstag 12:30 ist die geplante Ankunft in Dänemark.

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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#36 Beitrag von CHR_ »

Ich warte gespannt! Schön dass soweit alles ganz gut geklappt hat!

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Savethefreaks
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#37 Beitrag von Savethefreaks »

Vielen Dank, dass Du Dir bis hierher die Mühe gemacht hast, uns jeden Tag mit News und Bildern zu versorgen :clap: Mit Handy schreiben ist extrem mühsam...

Bei den Island-Bildern von gestern fiel mir doch sofort auf, dass es mit Sonne einfach gleich schöner aussieht :D

Ich bin fasziniert von der Landschaft und den "Straßen" - da werden Mensch und Maschine nicht geschont. Aber so wie es klingt, hat es Dir so gut gefallen, dass Du nochmal hin fahren wirst.

Ich wünsche euch eine entspannte und seeganglose Überfahrt und kommt gut nach Hause :)

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kautabbak
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#38 Beitrag von kautabbak »

Beeindruckend, dass es auf Island wirklich keine Bäume zu geben scheint.
Besten Gruß
David


Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie gerne behalten.

Man stirbt nur einmal, aber man lebt jeden Tag.

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blahwas
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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#39 Beitrag von blahwas »

20.08. Motorradfahren auf dem Mond

Heute fahren wir tief ins Hochland. Für diesen Tag hatte ich verschiedene Varianten vorbereitet, abhängig von Wetter und Fitness. Die Wettervorhersage ist weiterhin gut, wir wagen uns also ins Hochland. Es geht zunächst einfach die Hauptstraße aus Akureiyri raus nach Süden, die wird dann zur 821 und schließlich zur F821. Streckenweise ist das ein Traktorweg in der Landwirtschaft, später kraxelt die Strecke ein Tal entlang immer wieder hoch und runter. Die Beschreibung bei Passknacker warnt vor steiler Steigung – das schockt uns inzwischen aber nicht mehr.

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Uns stört eher das viele Wasser, das zunehmend vom Fluss auf die Straße schwappt, weil die Straße stellenweise kaum höher als der Fluss liegt, und auch noch Wasser von der Seite dazu kommt.

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Es ist aber weder tief noch steinig, und auch nicht weich, daher kommen wir tapfer durch und erreichen den ersten Passknackerpunkt des Tages, den Eyjafjardarleid. Man ist hier an der nördlichen Kante des Hochlands und hat den Blick zurück ins Tal – oder besser, man hätte ihn, wenn da keine Wolke klemmen würde. Naja, weiter geht’s. In die Mondlandschaft des einsamen Hochlandes hinein. Motorradfahren wie auf dem Mond.

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Ein absolut überragendes, erhabenes Gefühl. Unfassbare Weitsicht. Gletscher hier, Gletscher da, See dort.

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Verwirrung gibt es in der Gruppe an einer T-Kreuzung. Man kann rechts weiter F821 fahren oder links F881. Einer ist vorgefahren, weil er schneller als ich sein wollte, und hat hier leider nicht auf den Rest gewartet. Beide Wege führen zum nächsten Ziel. Garmin will rechts, OSMand links. Wir stehen im Funkloch und sind ziemlich ratlos. Wir lesen Spuren: Hier ist ein Motorrad nach links abgebogen und hat dann gewendet. Es sind aber auch Spuren in die Gegenrichtung zu sehen, also insgesamt drei. Ganz schön blöde Lage, man will ja niemanden in der Wüste alleine lassen, aber die Gruppe teilen und jemanden suchen schicken führt auch wieder dazu, dass einer alleine unterwegs ist. Nach einer Weile Ratlosigkeit kommt das vermisste Motorrad samt Fahrer von links auf uns zu: Ah, er ist wohlauf, und er versteht nicht, warum wir nur so halb begeistert sind, dass wir hier stehen. Er stand 100 Meter weiter auf dem nächsten Hügel, wollte uns vor dem schönen Hintergrund fotografieren. Er hat uns von dort gesehen und dachte wir sehen ihn auch. Handynetz hatte er dort auch. Alles klar, also weiter. Wir treffen auf die Straße F26. An der Kreuzung machen wir Pause und ich lasse meine Koffer hier zurück, weil ich hier wieder zurück fahren werde.

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Ansonsten gibt’s hier nichts und niemanden, und nur alle 30 Minuten kommt ein Auto entgegen. Die Strecke ist zwar eine Hauptstrecke, aber trotzdem nicht ideal zu befahren: Wellblech, Sand, und neu dabei: Sandiges Wellblech! Auf Sand kommen wir arg ins eiern, besonders Sebastian und ich. Nächstes Ziel wäre die Ranger Station Nyidalur mit Passknackerpunkt. An der Kreuzung mit der F910 liegt aber eine Furt dazwischen, und die sieht ganz schön wild aus. Das Wasser rauscht in einem Tempo vorbei, dass man sich zu Fuß nicht rein traut, um die Tiefe zu bestimmen. Das ist dann die Schattenseite von drei Tagen Sonnenschein: Mehr Schneeschmelze auf den Gletschern heißt auch mehr Wasser in den Flüssen und Furten.

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Wir wandern mit wenig Plan auf und ab. Weiter unten wird das Flussbett breiter, da ist es hoffentlich weniger schnell und tief? Dann erscheint eine Gruppe KTM-Sportenduros. Wir erkennen den örtlichen Tourguide des Veranstalters, Sebastian spricht ihn an: Weißt du wie tief das hier ist? Das ist nicht tief, warte ich zeige es dir! Sagt er, und fährt im 90°-Winkel in die Furt. Das Vorderrad verschwindet, die Gabel verschwindet, der Lenker verschwindet, und dann verschwindet das gesamte Motorrad samt Fahrer! Er wird einfach mitgerissen! Er klammert sich am Motorrad fest, sofort springen weitere Fahrer seiner Gruppe ins Wasser, um ihn und sein Motorrad zu retten. Sie finden alle wieder zurück aus dem Wasser, und nun wird routiniert das Motorrad getrocknet: Sitzbank runter, Luftfilter raus (natürlich völlig durchnässt). Dann das Motorrad aufs Hinterrad stellen und schaukeln. Sebastian hilft.

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Da kommt reichlich Wasser aus dem Auspuff. Als nichts mehr kommt, Gang einlegen und bei weiterhin senkrechter Lage vor und zurück schieben, damit der Kolben noch mehr Wasser raus schieben kann. Da kommt noch mehr. Inzwischen ist das Unterstützungs-Pickup der Gruppe angekommen. Sie haben ein Ersatzmotorrad dabei, das wird bereit gemacht. Die frisch gewaschene KTM läuft zwar wieder, klingt aber eher ungesund und wird verladen. Der Tourguide erklärt, dass die Furt doch eher tief ist, und zieht sich derweil trockene Sachen an. Und dann rauscht die Gruppe auch schon weiter, einer davon auch im Wheelie. Ganz schön viel Hektik. Zurück bleibt eine einsame Reifenspur ins Wasser, die auf der anderen Seite nicht wieder herauskommt – ein trauriger Anblick. Wir beschließen, dass wir das nicht riskieren wollen, und versuchen stattdessen die F910 für einen Abstecher Richtung Vördurhryggur. Ganz mutige Großtankbesitzer und Sandbezwinger könnten auch versuchen, weiter bis zum Askja zu fahren.

Schon nach drei Kilometern beginnt mein Motorrad allerdings, komische Dinge unter mir zu tun. Die Richtung ändert sich ohne mein Zutun, ich bleibe aber aufrecht. In unklaren Situationen kann Bremsen zum Sturz führen, zum Abspringen bin ich zu schnell, daher reite ich das aus und bleibe senkrecht, bis das Motorrad von alleine zur Ruhe kommt. Ergebnis:

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Ich strande mit dem Unterfahrschutz auf der seitlichen aufgeschobenen Pistenbegrenzung und komme weder vor noch zurück. Und ich könnte absteigen, aber dann fällt sicher das Motorrad um. Mein Rufen, Hupen, Winken sehen die beiden Fahrer vor mir nicht, die gerade über die Kuppe verschwunden sind, und hinter mir kommt keiner mehr – Sebastian sitzt den Abstecher mangels Reichweite aus. Ich kann Luca zum Glück per Handy erreichen, der mir bei der Bergung hilft. Sichtkontakt halten wäre nett gewesen. Handynetz ist hier in der Wüste absolut nicht selbstverständlich. Ich erfahre dabei, dass die Straße weiter vorne eine ähnlich wilde Furt hat. Also beschließen wir den Abbruch, und fahren die F26 wieder zurück zur Zivilisation. Es ist jetzt übrigens schon 16:30, und ich bin ziemlich am Ende meiner fahrerischen Ausdauer, weil Sandböden befahren außerhalb meines Wohlfühlbereichs liegt. Da muss ich durch, und sammle am Weg meine Koffer wieder auf. Weiter geht’s nördlich in der Hoffnung, dass die Straße dort passierbar ist.

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Wir passieren ohne weitere Zwischenfälle unbeschreibliche Landschaften, die wir wegen Zeitmangel aber weder dokumentieren noch gebührend aufnehmen können. Die Weitsicht ist der Hammer. Dann kommt ein Wasserfall und noch zwei Tore zum Selbstöffnen und -schließen, inklusive einem planlosen Miet-Jeep-Fahrer, der uns vorher bei der Pause kräftig eingestaubt hat, und dann sind wir wieder auf einer normal unbefestigten Straße, ohne Wellblech und ohne Sand. Yeah, Tempo! Ran an die erste Tankstelle und dann ab zur Unterkunft, spät genug ist es ja. Wir kommen 20:45 dort an und der Checkin zieht sich leider ganz schön in die Länge. Dafür tolles Licht.

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Außerdem spielen Polarfüchse auf den Wegen der Anlage miteinander. Sonderlich scheu sind die nicht. Womöglich angefüttert von Touristen?

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Mirko zaubert uns noch eine Pasta - die erste Mahlzeit seit dem Frühstück - und dann geht’s zügig ins Bett.

470 km heute, davon ca. 180 km auf F-Straßen

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Morgen früh geht’s direkt zur Fähre, daher ändert sich nichts mehr am Passknackerstatus: 1 Pass heute.

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Ich habe mich heute ganz gewaltig und über längere Zeit über Teile meiner Mitfahrer geärgert. Das hat mir leider den Tag ganz schön versaut. Zwei Gruppen wären besser gewesen. Wir haben viel Zeit damit verbracht, aufeinander zu warten, und nach hinten raus war’s dann arg spät.

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Re: Pässe knacken in Island und Färöer 2025

#40 Beitrag von blahwas »

21.08. Ausschiffen

6 Uhr aufstehen, einpacken und raus aus dem Haus, ab zum Motorrad.

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Temperatur haben wir auch.

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Die Welt schläft noch.

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Also das Eis von den wichtigsten Teilen am Motorrad entfernen, und dann los, 1,5 Stunden zur Fähre. Heizkleidung, Sitzheizung und Heizgriffe helfen mir. Was hätten wir eigentlich bei Eis auf der Straße gemacht? Egal, bald scheint die Sonne und es wird warm. Wir kommen pünktlich in Seyðisfjörður an und können gemütlich frühstücken, aber nur aus unseren eigenen Snacks. Es gibt eine eigene Straße für die Motorradschlange, und da kann man auch Kaffee und Kakao kaufen, aber kein Frühstück. Das wäre zwar ein gutes Geschäft, aber halt nur 1x pro Woche, wenn die Fähre kommt. Wir gucken uns um. Alle anderen Motorradfahrer haben auch eckige Hinterreifen, da fühlen wir uns weniger schuldig. Man guckt sich um und kommt ins Gespräch. Den Gepäckrekord hat standesgemäß eine italienische R1300GS Adventure mit insgesamt 17 Taschen. Der Fahrer gibt an, mit Sozia Camping zu machen und früher Goldwing gefahren zu haben. Weitere Highlights sind eine Harley aus der Türkei und eine Multistrada aus Australien.

Als wir schon auf der Kabine sind, werden per Durchsage alle Motorradfahrern wieder aufs Autodeck gerufen. Als ich dort ankomme, ist keiner mehr da, alle stehen planlos rum. Wer früher da war, hat die Ansage mitbekommen, dass die Motorräder bitte verzurrt werden sollen. Das ist wohl schon geschehen, auch wenn ich mich deutlich grusele, was manche Leute da kreatives geschaffen haben: Über die Kante der Verkleidung und den Tank an die gegenüberliegende Lenkerklemme. Rund um den Tank mit zwei Haken an der Sitzbank und dann nach unten. Quer über den Vorderreifen. Ich habe Glück, mein Motorrad steht knapp neben der Tür, so dass ich nach rechts bequem Platz habe. Ansonsten ist es sehr eng. Zwischen zwei bekofferten Motorrädern bleiben nur 5 cm.

Der Rest des Tages ist Fähren-Alltag, nur dass einem auf der Rückfahrt alles günstiger vorkommt als auf der Hinfahrt, weil man sich ein Wenig an die Preise auf Island gewöhnt hat. Wir haben Zeit zum Schlafen, Ausschlafen, Nickerchen machen, Powernap, dazwischen Mittagsschlaf, und ansonsten kann man auch noch ganz gut rumdösen. Der Seegang macht mir kurz zu schaffen, aber ich behalte mein Buffet-Mittagessen (22 Euro inkl aller Getränke, also zum Preis von 3 Bier in Island!) bei mir.

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22.08. Auf See

Heute sehr früh kamen wir an Färöer vorbei, das habe ich aber ziemlich verschlafen. Den Rest das Tages kann man wieder der Erholung widmen. Das tut gut. Ich versuche auch eine Windows-Neuinstallation, aber das klappt nicht. Die Hardware ist wohl wirklich defekt. Ruhe in Frieden, und der nächste bitte! Die See bleibt heute ruhig.

23.08. Dänemark

Die Fähre kommt nach einer angenehm ereignislosen Überfahrt 12:30 Uhr pünktlich in Dänemark an. Auf mein Motorrad ist Wasser vom oberen Autodeck runtergetropft, weil es genau unter dessen Kante steht. Am Lenker hing mein Helm, und es kommen Tropfen zwischen innerer und äußerer Helmschale heraus. Brrr. Immerhin ist das Helmpolster trocken, also war das nicht viel. Wir fahren die zwei Kilometer zur ersten Tankstelle, wo Sebastian das Auto und den Anhänger gelassen hat. Dann gibt’s den Abschied von Luca, aufladen, und los geht meine Beifahreretappe.

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Wir fahren südlich zu Mirkos Eltern, die eine Stunde nördlich von Hamburg wohnen. Nach 9 Stunden Autobahn sind wir am Ziel und schlemmen uns durch die elterlichen Kochkünste.

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Übernachtet wird in der hauseigenen Ferienwohnung – in getrennten Zimmern! Einzelzimmer, so ein angenehmer Luxus.

24.08. Der letzte Tag

Nach einem deftigen Frühstück mit Brötchen für unterwegs geht’s zu einer gemütlichen Uhrzeit wieder ins Auto. Die Aprilia hat sogar auf dem Anhänger versucht, die Motorschraube abzustoßen – wow.

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Die wird gleich wieder festgezogen. Dabei fällt auf, dass der Sturzbügel etwas verzogen ist. Man versucht also etwas schiefes gerade zu schrauben. Alles klar, da muss ich daheim ran, mit dem Schraubstock oder so. Nach einigen kleinen Staus auf der A7 (Protipp: Wenn’s im Elbtunnel wieder bergauf geht, muss man Gas geben! Bitte weitersagen!) und der Bundesstraße am Harz kommen wir ohne besondere Vorkommnisse in Suhl an. Wir laden die Motorräder pannenfrei ab, und ich ziehe mir Motorradsachen an. Es hat karibische 18 Grad, ich weiß gar nicht so recht, was ich anziehen soll. Noch ein Abschied von Sebastian und dann geht’s auf die Autobahn, und 1,5 Stunden später rolle ich bei tropischen 21 Grad daheim auf den Hof. Endlich zuhause! Das hat mir tatsächlich gefehlt nach 3 Wochen.

Das war’s mit der Reise. Danke fürs Mitkommen. Es kommen noch ein Fazit und eine Anleitung zum Nachmachen.

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