Gestern Abend gab's Fish&Chips im hauseigenen Restaurant. Das ist neben Pizza, Pasta, Burger, Ramen das fünfte erlaubte Gericht auf dieser Reise. Wir gucken danach noch bei Youtube, was andere Leute so an geführten Touren auf Island machen, und gucken mal nach den Preisen: Über 1000 Euro pro Tag. Da werde ich Initiator dieser Reise, der die Routen plant und die Unterkünfte bucht, doch etwas nachdenklich.. Aber ich kann mir meine Mitfahrer aussuchen. Die Nacht habe ich kaum ein Auge zu getan wegen eines erneut ausdauernd schnarchenden Mitfahrers. Morgens bin ich ganz schön gerädert. Beim Aufsatteln kommt Nieselregen, das hilft der Laune auch nicht... Der Regen hört aber bald auf, und wir umfahren den Tunnel aus Isafjördur mit der alten Passstraße. Die ist geschottert, aber kürzlich erneuert. Beim Passknacker heißt das hier Langafjall / Breidalsheidi.

Wegen Wolken ist nicht viel Aussicht. An der Passhöhe geht’s nicht weiter, zumindest nicht geradeaus. Ein kleiner Weg zweigt ab nach irgendwo. OSM ist hier nicht aktuell. Wir fahren zurück und durch den Tunnel. 6 km mit Tempo 70... ich fühle mich so müde dass ich kaum geradeaus fahren kann. Wir fahren Straße 60 nach Süden und kommen wieder an der Bucht von gestern vorbei, wo ich in der Querstraße umdrehen musste. Über Gemjufallsheidi geht’s zum nächsten Fjord runter, und dann rechts, im Stich zum Sandsheidi. Tolle Landschaft!

Und eigentlich auch echt einsam, aber wir haben doch insgesamt drei Autos, von denen sich zwei auch noch unterhalten. Auf der anderen Seite des Fjords können wir aber schon den nächsten Höhepunkt sehen: Sandafell! Autofahrer parken an der Straße, wir fahren aber den ganzen Weg bis nach oben. Etwas steinig, etwas steil, hier mal eine sehr tiefe Erosionsrinne, in die man besser nicht rein geraten... ansonsten einfach 1. oder 2. Gang und hoch tuckern, ohne Mist zu bauen. Hier oben hat man freien Blick bis Grönland. Bzw. hätte man, wenn die Sicht besser wäre, und die Erdkrümmung nicht im Weg wäre.

Ein tolles Gefühl, hier oben zu sein!

Grönland ist übrigens weniger als eine Islandbreite von Island entfernt. Wir rollen den Berg vorsichtig runter. Davor habe ich persönlich mehr Respekt als vorm Weg nach oben, aber eigentlich ist es ganz einfach: 1. Gang rein und ohne Gas runter rollen. Bei Mut auch 2. Gang. So kommen wir alle sicher unten an, und schnappen uns noch den Schotterpass Hrafnseyrarheidi als Abstecher. Dann geht's wieder nach Norden. Es ist Pause angesagt im nächsten Ort Þingeyri . Leider hat das Cafe geschlossen, also gibt’s ein Picknick. Übrigens auch für die KTM, denn der Tank, na, Sie wissen schon...
Unser nächstes Highlight heute ist die Straße 622. Die führt an der Küste entlang um die Landzunge. Das ist landschaftlich sehr reizvoll und recht berühmt, aber kein Passknackerpunkt. Logisch, ist ja auch keine Höhe. Den tiefsten Punkt sollte man nicht bei Flut versuchen, besonders wenn der Wind landeinwärts drückt, darum lassen wir uns mit Blick auf die Gezeiten Zeit.
Am Anfang ist es ein Traktorweg mit Mittengrün, dann wird die Küste steiler und die Piste komplett Erde bzw. Schotter. Man kommt gut voran und es sieht gut aus. Uns kommen nur ein paar Radfahrer entgegen. Anscheinend kann man hier irgendwo blaue Fat Bikes mieten.

Ein Abschnitt ist etwas steil, aber sonst ist hier alles easy. Noch! Dann kommt der steinige Abschnitt, direkt am Strand.

Das ist vielleicht ein Haufen Schei... Man schaufelt mehr Stein umher, als vorwärts zu kommen. Fahren im engeren Sinne ist das nicht. Wir watscheln nebenher, Mirko kippt auch um und seine Aprilia gleich mit. Luca muss Sebastian anschieben, der mit dem Hinterrad aus einem Loch kaum noch raus kommt. Er hat auch den unsichersten Stand von uns. Respekt, dass er ohne Umfaller durchkommt! Wir sind alle geschafft, als wir am berühmtem Felsen ankommen.

Danach wird’s zum Glück wieder einfacher: Traktorweg, Schotterweg, manchmal weich, manchmal Pfützen. Es kommen drei Furten, die eigentlich nicht besonders schwer sind. Ich nutze trotzdem zwei davon zum ablegen. Einfach das Motorrad irgendwo hin steuern, wo es nicht hingehört, am besten bei der Auffahrt, und dann warten, wie weit man kommt, bis der Motor ausgeht. Je 1x links, 1x rechts, wegen der Symmetrie. Beide Male fällt das Motorrad, ich aber nicht, und auch der Airbag findet das nicht auslösewürdig. Das erste Mal kann ich selbst aufheben, das zweite Mal hatte ich Zeugen und bekomme Hilfe. Beide Male lag das Motorrad nicht im Wasser. Von Süden fahren wir noch einen Abstecher nach Norden bzw. oben zum optionalen Punkt Kvennaskard.

Es gibt zwei kleine Furten, kurze steinige Abschnitte, sonst eigentlich gut zu machen. Recht weit oben fährt man am Hang entlang und die Strecke hängt hangabwärts, und ist dabei gleichzeitig sehr weich. Bei Regen hätte ich Angst, dass mein Motorrad kommentarlos abrutscht und die Reise in den Atlantik antritt. Das tut sie heute aber nicht, denn wir haben einen regenfreien Tag – bis auf den Nieselregen morgens. Oben treffen wir zwei deutsche Wanderer. Wir sind unsicher, ob wir nach Norden runter fahren und wieder über Hrafnseyrarheidi, oder zurück und weiter an der Küste entlang. Die Wanderer kommen von Norden und erzählen von einer 50 cm tiefen Furt, da nehmen wir dann doch den südlichen Weg. Da wissen wir, was kommt, und es ist kürzer. So geht’s dann richtig lange an der Küste entlang, mit dem Schreckmoment einer Sperrung kurz vor der Kreuzung zurück zur Zivilisation. Es ist Brutgebiet, Betreten verboten. Betreten? Wir wollen fahren. Auf der Straße bleiben ist erlaubt. Also durch, für den Rückweg hätten vielleicht auch nicht mehr genug Benzin. Weiter geht's, aber nicht weit: Ein Wasserfall verführt die Mitfahrer, die sich prompt abseilen und 45 Minuten dort verbringen.

Ich fahre weiter zum Pass Dynjandisheidi, neben der neuen Strecke liegt. OSM tut sich schwer, die Straße dorthin zu finden, aber so viele Möglichkeiten gibt’s ja nicht auf der Planetenoberfläche. So tüte ich auch dieses Foto ein, und weiter geht’s. Der Weg zum nächsten Punkt Helluskard ist Großbaustelle, hier wird anscheinend asphaltiert. Auf den 43 km zum nächsten Punkt Halfdan wird’s dann aber gleich wieder Schotter und sogar lehmig-schmierig. Ich fahre Tempo 35 und bin nur mäßig begeistert. Der Tag war doch ganz schön lang. So zähle ich die Kilometer bis Tálknafjörður, wo Tankstelle und Unterkunft warten. Die anderen kommen später nach, da bin ich schon geduscht. Es ist bald 21 Uhr ist, wo das einzige Restaurant im Dorf schließt, und ab 21 Uhr soll man auch nicht mehr die Gemeinschaftsküche nutzen. Also kochen wir uns Ramennudeln auf und Riegel dazu. Kann man auch mal machen, die letzten Tage waren wir ja essen.
295 km heute, 9:37 laut Routenplaner

67% Island

Nur noch zwei Fahrtage bis zum Ruhetag Reykjavík! Alle Motorräder schlagen sich tapfer.












Versys 650 | BJ 2016 | April 2018 bis April 2024 | von KM 48 bis KM 59172
VN 800 A | BJ 1996 | Juni 2023 bis heute | von KM 17755 bis KM 20682
Norden 901 TT WTE | BJ 2022 | April 2024 bis heute | von KM 8095 bis KM 10136
























































