Winterflucht Teneriffa 2026

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Winterflucht Teneriffa 2026

#1 Beitrag von kautabbak »

Moin in die Runde,

weil sich das Prinzip bewährt hat, ist der Gedanke bei tristem Novemberwetter wieder gereift - im Frühjahr geht's zum Motorradurlaub auf die Kanaren.
Da meine bessere Hälfte zum 01.01.2026 eine neue Stelle anfängt (angefangen hat) und in der Probezeit keinen Urlaub bekommt (bzw. Nicht so viel wie sie gern hätte), muss ich leider erstmal als Einzelreisender planen.
Die Feiertage um Weihnachten fallen günstig, so dass das gut 2 Wochen mit wenig Urlaubverbrauch frei sind, dann möchte ich mir und meinem Arbeitgeber gute 8 Wochen Zeit geben, bis wir wieder eine Woche Abstand von einander brauchen.
Also soll die Reisezeit so Ende Februar, Anfang März liegen.
Als Insel hatte ich schon eine Weile Teneriffa auf dem Schirm, da war ich schonmal und habe es für gut befunden. Besonderheit diesmal soll sein, einen Tag mit der Fähre nach La Gomera und die erfahren. Das wurde mir vor zwei Jahren auch wärmstens von dem Motorradverleiher auf Gran Canaria empfohlen.
Also wie gehabt, prüfen, in welchem Zeitraum ein Motorrad verfügbar ist. Soll wieder was leichtes sein, im die 500ccm, mehr als 48 PS braucht es nicht.
Danach schau ich nach einer Unterkunft, muss nur zum Schlafen reichen. Dann geht der Auftrag an meine Reisebürodame, die weiß was ich will und kümmert sich. Ich mache das gerne pauschal, ist in der Regel mit allem drum und dran nicht viel teurer als selber suchen. Kein Problem mit dem Kleingedruckten, abgesichert und ich muss meine Zeit nicht auf irgendwelchen Portalen totschlagen. Manche machen es gerne, für mich ist Planung keine Reisezeit.

Wie das Leben so spielt, bleibt nix unbemerkt und es gibt Einwände aus Berlin. Solche Reisen dürfen nicht ohne die Hauptstadt unternommen werden! Jada sind während meiner Planungsphase auf Teneriffa, haben ein bisschen Pech mit den Umständen, deswegen müssen sie da nochmal hin.
Da wir ja alle Spaß am Motorradfahren haben und von diversen Treffen wissen, dass es menschlich und fahrerisch passt, bietet sich meine Planung für die beiden an.
Kurz umdisponiert, die Urlaubszeiten abgestimmt, Flüge von Düsseldorf für einen und Berlin für zwei Personen, die Art der Unterkunft, Appartement für drei, sollte passen. Motorrad schaut jeder was er mag, das Angebot ist grds. ganz gut.
Da ich das wie gesagt alles immer pauschal mache, musste ich eigentlich nur meiner Reisebürodame auf den Keks gehen und meine Bestellung aufgeben.
Hat alles geklappt, daher im folgenden ein paar Zeilen zum Urlaub :D
Besten Gruß
David


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kautabbak
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Re: Winterflucht Teneriffa 2026

#2 Beitrag von kautabbak »

Freitag 27.02.2026 Anreise und so

Irgendwie ist die Zeit so dahin gerannt, mein Arbeitgeber hat mir den Jahresbeginn mit 7 Wochen versüßt, die sich angefühlt haben, als würden sie nur aus Montagen bestehen.
Zu Hause sind bauliche Maßnahmen im Gange, die sich doch als langwieriger entpuppen als gedacht.
Das schlechte Wetter ist ganz hilfreich, da lenkt das Motorradfahren nicht von Heimwerken ab und die Vorfreude auf die Frühlingsinsel bleibt hoch.
Natürlich wird die Wettervorhersage für unsere Reisewoche auch für Deutschland bestens, zu Hause wartet die Baustelle, auf der ich meine Frau alleine sitzen lasse, viel Arbeit bleibt liegen und freut sich auf meine Wiederkehr, bundesweiter Streik des ÖPNV am Reisetag, die Umstände geben sich wirklich Mühe mir die Laune zu vermiesen, ich beschließe aber, dass daraus nix wird!
Und so ist es schon Donnerstag, 26.02.2026, ein Tag vor Abflug und ich hab noch nichts gepackt.
Meine Motorradsachen und sonstige Reiseklamotten liegen aufgrund der Baustelle überall in der Wohnung verteilt, da ist suchen angesagt.
Ich beschließe, dass die beste Möglichkeit meine Motorradsachen auf Vollständigkeit zu prüfen die ist, das gute Wetter zu nutzen und noch schnell eine Runde Motorrad zu fahren, natürlich nur für die Reisevorbereitungen :pfeif:
Alles gefunden, alles zusammengepackt. Mit den anderen Reiseklamotten ist es nicht ganz so einfach, am Ende landet aber so ziemlich alles im Koffer was man braucht. Man kann das alles spartanisch im Handgepäckformat machen, Pauschalreise hat den Vorteil, das 20 kg Gepäck inklusive sind, also einfach rein mit dem ganzen Bumms und fertig.

Die Nacht ist kurz, der Flieger geht um 09:25 Uhr, zwei Stunden früher da sein, ca. 1.45 Std. Fahrtzeit, mit parken und allem etwas Puffer, grds. also gegen 05.30 Uhr starten. Denkste so als unwissender.
Da ich ja schon einige Zeit in der Gegend wohne, weiß ich: quer durch das Ruhrgebiet zum beginnenden Berufsverkehr, ÖPNV Streik, mit dem Auto nach Düsseldorf, da kann man gerne etwas früher starten. 4 Uhr raus aus den Federn, 04.30 Uhr Start, wie vermutet nach ein paar Staus aber den Hauptberufsverkehr hinter mir lassend nach 2 Stunden in Düsseldorf und gegen 7 Uhr am Flughafen.
Ich bin zufrieden.

Hier wird alles routiniert erledigt.
In der Regel gibt es Probleme bei der Sicherheitskontrolle, die Motorradprotektoren müssen der Zusammensetzung von Plastikseitenstoff sehr ähnlich sein, deswegen sind die Leute da immer sehr aufgeregt.
Diesmal habe ich wegen Platz im Koffer die Hose mit aufgegeben. Die Jacke ging problemlos durchs Röntgengerät, ich freute mich schon wie easy das klappt und beschließe das beim nächsten Mal wieder zu machen. Allerdings kommt der Kommissar Spürnase im Sicherheitsmann durch und eh ich mich verstehe, sitze ich da ohne Stiefel, die werden gesondert beschnuppert. Das Röntgengerät zeigt keine Waffen in der Sohle, mit freundlichen Grüßen geht's weiter.
Danke an die aufmerksame Security, lieber einmal mehr schauen, als dass was passiert.

Flieger geht pünktlich, Bus Transfer dauert etwas, die Berliner sind schon lange da, deren Flieger ging gegen 7 Uhr, die warten mit hängendem Magen im Apartment.

Empfang am Apartment ist herzlich, man spricht deutsch, sehr sympathischer Kerl.
Das Apartment ist im südeuropäischen schäbig-schick Stil, zwei Schlafzimmer, ein Bad, Balkon, sonst alles was so ist.

Flott was essen gegangen, dann noch schnell das Motorrad von Jada organisiert - eine Versys 650, 48 PS gedrosselt. Bei der Übernahme haben wir deutsch-kritisch auf den Hinterreifen verwiesen, das wurde canarisch-freundlich weggelächelt.
Meine kann ich erst Samstag früh abholen.

Der Abend klingt gemütlich aus, die Reise hängt allen in den Knochen, morgen früh geht's weiter.
Besten Gruß
David


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Re: Winterflucht Teneriffa 2026

#3 Beitrag von kautabbak »

Samstag 28.02.2026

Um 08.00 Uhr kann ich meine Maschine abholen - Vogel DS 525 X. Meine erste Chinesin.
Die Nacht war okay, es zeigt sich, das es eine Sauf-Touri Hochburg ist, überwiegend Engländer, Deutsche scheinen auch ganz gut vertreten und viel osteuropäische Sprache.
Jada haben zwar Blick aufs Meer, zwischen Apartment und Meer ist aber irgendwo ein Partyschuppen der von Nachtruhe nix hält. Ich hab die Straße, nachts etwas ruhiger, nur die, die ihren schönen Auspuff nachts ausfahren sind etwas lästig, sonst ist es halt ne Straße.
Auf dem Weg zum Motorrad bin ich fast in Kotze getreten, es liegt ein leicht säuerlicher Geruch in der Luft, der sich mit Uringeruch vermischt. Die Ladenbesitzer öffnen langsam die Läden, spülen Kotze weg und inspizieren ihre Schaufenster auf nächtliche Hinterlassenschaften, das Servicepersonal eilt Richtung ihrer Arbeitsstätten, eine junge Frau in feinem Abendkleid suhlt sich nach sichtlich harter Nacht in einer Bankette, in der sich gestern ein Hund gelöst hat und aus den Markierungen seiner Artgenossen und wahrscheinlich auch vieler 2-Beiner eine spannende Geschichte gelesen hat. Ich hoffe sie hat nur zu viel getrunken. Alles in allem Recht friedlich zu der Zeit.

Der Vermieter hat sich am Vorabend versichert, dass ich komme und wann ich sie denn holen möchte, nach meinem ja, bleibt bei 08.00 Uhr, hat er mir den genauen Standort und ein Foto der Tiefgarage geschickt, wo ich hin kommen soll. Ein sehr netter junger Kerl, der scheinbar seinen privaten Fuhrpark vermietet oder vielleicht Fahrzeuge von Leuten, die sie nicht ganzjährig brauchen. Ein sehr gepflegter Fahrzeugbestand, unter anderem auch eine Versys 650.
Die Abwicklung läuft professionell, nach kurzer Einweisung gibt es noch die neuesten Blitzernews und er weißt mich darauf hin, dass die Polizei inzwischen gerne falsch geparkte Motorräder abschleppt, insbesondere auf Gehwegen und in den gelben Zonen zur falschen Zeit. Bitte zwingend die weiß markierten allgemeinen Stellplätze verwenden.
Die Voge ist in einem recht guten Zustand, wenig Sturzschäden, das ist eher schlecht für mich, bei Jadas Versys fällt nicht auf, wenn die nochmal liegt. Als ich ihm sagte, dass wir auch ins Mascar Gebirge wollen, sieht er nicht glücklich aus.
Der Vorderreifen hat aus meiner Sicht das gleiche Problem wie Jadas Hinterreifen, aber hier gibt es das inhaltlich gleiche Szenario, mit dem Zusatz, ist ja nur ne 500er.
Ich sehe das als Herausforderung an, Verleihnix eines Besseren zu belehren.

Zurück im Hotel frühstücken wir erstmal und planen aufgrund der Uhrzeit eine kleine Runde im Süden. Los Gigantos mit Abstecher zum Hafen, schonmal für La Gomera erkunden.
Wir erwarten viel Touristen und werden nicht enttäuscht.
Wenn man kann sollte man Santiago del Teide meiden, die TF-82 ist zwar sehr schön, allerdings tummeln sich da endlos Touristen in Mietwagen und die Locals fahren am Wochenende in den warmen Süden.

https://kurv.gr/c7BuK
Screenshot_20260302-171706.png
Ich will die Passknackerpunkte auf Teneriffa und La Gomera einsammeln, die Saison geht aber erst morgen los, da ist das Poster noch nicht online und einen Drucker hab ich auch nicht dabei (trotz 20 kg pauschal Gepäck). Ich beschließe dass Bild auf dem Smartphone zu nutzen und hoffe auf die Gnade der Admins.
Voge
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Blick vom Balkon
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Los Gigantos
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Los Gigantos
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Erhaltenes Haus nach einem Vulkanausbruch
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Die Bremer Stadtmusikanten
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Re: Winterflucht Teneriffa 2026

#4 Beitrag von kautabbak »

Ach ja, wie es zum Hafen geht haben wir rausgefunden, leider war da schon alles zu.
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Re: Winterflucht Teneriffa 2026

#5 Beitrag von kautabbak »

Sonntag 01.03.2026 Teide, Straße der 1000 Kurven und ein bisschen Passknacker und und und

Geregelter Ablauf am Morgen - in die Schminke, Frühstück, Motorradsachen an, los.
Mit den Bad Zeiten klappt es erstaunlich gut, trotz drei Leuten auf ein Bad und ohne erstellen eines Badzeitenplans entsteht keine Warteschlange.
Jan fällt beim Frühstück gleich negativ auf, unsere Wegbrote sind nicht erlaubt, Dani und ich haben sie uns schon in die Taschen gesteckt, Jan ist Opfer der Oberaufseherin, dieses Mal dürfen wir sie aber noch mitnehmen.

Viel gibt es von der Tour eigentlich nicht zu erzählen, außer, dass es enorm viel Spaß macht.
Die Straßen sind noch besser als in meinen Erinnerungen, viele Straßen wurden mit bestem Belag neu gemacht, das fällt mir insbesondere an der TF-28 (Straße der 1000 Kurven) auf. Beim letzten Mal war die eher so okay, jetzt ist sie fast durchgehend neu, Belag, "Leitplanken" die hier aus den Lego-Steinen bestehen, Beschilderungen mit Vorfahrtsregelung an den Engstellen, das war vorher nicht. Kann mir gut vorstellen, dass der Touri Mietwagen Individualverkehr da was zu beigetragen hat.

Bei der Auffahrt über die TF-51 mache ich den Blitzer aus, gut erkennbarer Kasten mit zwei großen Solarpanels drauf, wenn man etwas aufmerksam den Straßenrand beobachtet, sollte man die frühzeitig erkennen, zumal sie vorher mit einem Schild beworben werden.

Im übrigen verstehe ich die Schilder Regel mal wieder nicht wirklich und erinnere mich, das gleiche Problem seinerzeit gehabt zu haben. Da steht ein 40 oder 70 kmh Schild, wird aber nicht aufgehoben und die Ortsausgangsschilder stehen irgendwo, wo die Einheimischen schon längst wieder fliegen lassen. Oft sind die max. Kmh Schilder mit einen Vorfahrtsschild, Achtung Fußgänger o.ä. versehen, dann gilt das nur für die nächste Kreuzung oder die z. B. Bushaltestelle oder Wanderparkplatz, danach geht's wieder normal weiter.
Die großen gelben Schilder Radarkontrolle auch mit Drohne Schrecken auch nur Touristen ab, das war auf anderen Inseln auch so - so langsam beachte ich die weniger. Neben den Schildern für max. kmh gibt es viel Richtgeschwindigkeitsschilder (rechteckig in blau) die unter max. Kmh liegen, der Touri hält sich oft daran. Allerdings kann man meist gut überholen, mit 48 PS muss man zwar gut planen, klappt aber ganz gut.

Auf der TF-24, vom Teide runter Richtung Norden, kommen wir in eine Wolke, die bei 3 C° gnädig regnet und kein Schnee ausspuckt, da zeigt sich, dass es richtig ist seine normalen Klamotten aus Deutschland mitzunehmen, bei den Verleihern gibt es nur Sommerhandschuhe und Mash Jacken :cold: der Stopp für ein Passknackerfoto ab von der Hauptstraße ist da auch nicht förderlich. Im Stand prasselt der Regen in fetten Tropfen von den Bäumen aufs Fotohandy, das verwechselt die Tropfen mit meinem Finger und macht komischen Kram. Erst nach dem Trockenwischen an meiner Funktionskleidung reagiert es wieder einigermaßen. Das Navi Handy ist inzwischen auch nass und nicht ganz bei der Sache. Während der Fahrt trocknet es langsam ab, einmal meldet sich irgend eine Google Funktion, die das Display missbraucht, da hilft nur anhalten, Handschuh aus, am Handy tippen, Handschuh an - wenn die Hand von Regen benetzt ist, weiß jeder was das für eine Freude macht.
Es dauert eine ganze Weile bis wir wieder auftauen, wir Schrauben uns zügig den Berg runter, richtig warm und zweistellig werden die Temperaturen aber erst am Fuße, da suchen wir zur Rast mal eine Tanke mit Café und Toilette auf, in der Sonne wärmen uns die dunklen Sachen schnell auf und wir feiern den kleinen Wintereinbruch als über standen und freuen uns, dass es hier grds. besser ist mit dem Wetter als in Deutschland.

Wir schauen uns Jadas Hinterreifen an und glauben, dass es Sinn macht vor La Gomera einen neuen zu fordern. Klären wir später.

Rückweg zur Unterkunft soll über die TF-28 gehen, mit ein paar Schlenkern runter Richtung Küste und hoch Richtung Vulkan.
Die Straße ist sehr wuselig, sie windet sich durch das Vulkanmassiv als hätte der Planer beim Zeichnen an einem Zitteraal geleckt. Beeindruckend. Wer Spaß an sowas hat, kommt hier voll auf seine Kosten.
Achtung am Wochenende zwischen Güimar und Icor, bei La Medida, da ist alles was auf der Insel ein motorisiertes Zweirad besitzt unterwegs und spielt Rennstrecke. Bestens besuchte Naturtribünen an den Applauskurven, ein wahnsinns Spektakel, das war damals schon so. In Deutschland wäre die Strecke schon längst mit Rüttelstreifen, 8-facher Leitplanke, hunderten Geschwindigkeitschildern für jede Fahrzeugkategorie, mit Fahrverboten für Motorräder versehen, hier haben sie einfach seit jeher Spaß daran. Wahrscheinlich gehen die Meinungen von Anwohnern und nicht Motorradfahren auch hier auseinander, das will ich aber nicht genauer wissen.

Wir lassen uns von dem Kurvenwahnsinn mitreißen und ehe wir uns versehen kommen wir reizüberflutet und Motorradfaszinationsgeschwängert auch schon wieder an der Unterkunft an.

Beim letzten Stopp haben wir ja für uns festgestellt, dass der Hinterreifen von Jada La Gomera nicht übersteht und wir den Vermieter aufsuchen wollen. Dani bleibt am Hotel und wir fahren nochmal schnell dort vorbei. Tja, es ist Sonntag, das haben wir wohl voll verrissen und der "faule Canari" erlaubt sich den Laden zu zu haben. Überrascht über unsere eigene Dummheit beschließen wir dennoch den Herrn telefonisch zu kontaktieren.
Er kann das nicht glauben, wir hätten das Motorrad erst zwei Tage, der Reifen war noch gut. Mit dem Verweis, dass wir morgen früh nach La Gomera wollen, wird vereinbart ein Foto vom Reifen per WhatsApp an ihn zu schicken - seine Meinung ändert sich schlagartig. Er sei in einer halben Stunde am Laden zum Reifenwechseln, wir stimmen zu trinken uns in der Bar nebenan eine Cola, da kommt er auch schon.
Sichtlich erstaunt schaut er sich den Reifen nochmal an, schaut zu Jan, es gibt einen Daumen hoch mit dem Kommentar "good Driver".
Er verschwindet samt Motorrad kurz im Laden, kurz darauf kommt er wieder, ob Jan für morgen mit einer V-Strom 800 Leben könne? Es wird eine kurze Probefahrt vereinbart, um zu testen, ob die Maschine Jada passt. Läuft alles gut, wir nehmen die Frau Strom mit.

Sicherheitshalber have ich meinen auch mal angeschrieben, samt Foto vom Reifen: "All good, check to see if tyre pressure is ok and continue." Ich denke mir meinen Teil und erwidere nur 👍

Natürlich muss Jan sich erstmal an das Motorrad gewöhnen, also geht's kurzerhand los, nochmal die Kurven von Santiago del Teide unter die Räder zu nehmen, dabei kann ich den PK-Punkt einsammeln und um 19 Uhr wir da wohl nichts mehr los sein.
Per Autobahn hin und kaum dort angekommen, sehen wir auch schon, dass wir uns geirrt haben.
Nix mit freier Fahrt. Ich sammel den PK-Punkt ein und wir tuckern in der Blechlawine mit.
Jan kommt klar, die Suzi ist nicht so agil wie die Versys, st allerdings offen und marschiert mächtig voran beim Gas geben.

Auf dem Rückweg gab es noch ein Highlight, tanken für 0,99 €. Irre. In der Regel liegt der Sprit zwischen 1,17 - 1,23 €. Es gibt 2-3 Tankpoints, da gibt es Sprit um 1€, wahrscheinlich rechnen die hier die Personalkosten raus, kenne ich in Deutschland nicht. Für das bisschen, was die Voge verbraucht (ich hab es nicht ausgerechnet) lohnt sich der Vergleich kaum, außerdem ist Urlaub, da ist eine Spritpauschale quasi eingerechnet.

Wir rollen ins Hotel und gehen noch was essen. Abendessen kann man im Hotel für 12€ Buffet, ist gut aber leider immer lauwarm, 5 Gehminuten entfernt ist alles was man kennt. Wir sind der Meinung, wir haben uns ein großes Bier verdient. Leider haben wir nicht dran gedacht, dass wir auf einer Sauf-Touri Insel sind, das stellen wir fest, als er uns zwei 1 Liter Bierstiefel auf den Tisch stellt. Na dann Prost.

Im Zimmer zurück meint Jan, dass wir die Fähre für morgen online buchen sollten, nicht, dass kein Platz mehr ist.
Nach ein paar administrativen Schwierigkeiten und der Feststellung, dass Jan nicht mehr 26 Jahre alt ist haben wir uns über Direct Ferries 2 Plätze für 3 Personen gesichert. :think:
Teide
Teide
Irgendwo da oben
Irgendwo da oben
Sternwarte
Sternwarte
Murkswetter
Murkswetter
Bei La Medida
Bei La Medida
Sprit für 0,99 €
Sprit für 0,99 €
Mein Vorderreifen
Mein Vorderreifen
Großes Bier
Großes Bier
Die Romane dauern länger als gedacht und ich komme mit den Eindrücken gar nicht hinterher. Ich gebe mir Mühe alles wiederzugeben. :coffee:
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Re: Winterflucht Teneriffa 2026

#6 Beitrag von kautabbak »

Schön passiert, Tour vergessen

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Re: Winterflucht Teneriffa 2026

#7 Beitrag von kautabbak »

Montag 02.03.2026 La Gomera und die neue Versys

Ich habe mich sehr schwer getan mit der Routenplanung für La Gomera. Die Insel ist nicht riesig, das Straßennetz überschaubar aber für einen Tag, bzw. 6 Stunden Aufenthalt doch Recht groß, insbesondere, weil ich aufgrund der Straßen nicht 70 km sondern eher 40 km pro Stunde rechnen muss. Abzüglich der Stopps für insgesamt 8 Passknackerpunkte, eine Kleinigkeit essen, weil wir vor dem Frühstück starten wollen und natürlich will die Landschaft bewundert werden.
Grds. habe ich drei Routen um die 250 km geplant. Da sind dann alle asphaltierte Straßen inkl. Sackgassen dabei. Google streetview machts möglich. Manche scheinen einspurig zu sein, was sie Durchschnittsgeschwindigkeit sicher weiter reduziert.
Im Uhrzeigersinn hat man das Problem, dass die ganzen Möglichkeiten (insb. einspurige Sackgasse), die Strecke zu kürzen am Anfang liegen, was keinen Sinn ergibt.
Gegen den Uhrzeigersinn hab ich zwei Strecken, ich denke ich entscheide spontan, erstmal wirken lassen.

Es gibt 2 Reedereien die die Inseln im 1/2 Stunden Takt abfahren. Die erste von Armas startet um 09.00 Uhr, die letzte zurück um 17.30 Uhr ist von Fred Olsen.
Jans unruhiger Geist hat uns nach dem Stiefel Bier am Vorabend Hin- und Rückweg bei Armas buchen lassen. Das heißt 09.00 - 17.00 Uhr, eine Stunde vorher ist Onboarding, ca. 130 € für 1 Person auf Motorrad. Fred Olsen wäre 17.30 Uhr und 40 min. vorher Onboarding, was grds. 50 min. mehr Zeit auf der Insel wäre, die man für Fotos, Strecken, Genießen oder einfach nur als Puffer hätte. Fürs nächste Mal, das wird es zwar noch ungesehen aber sicher geben.
Am Morgen bringe ich Unruhe rein, deutsch wie ich so bin, geht es zeitig zur Fähre, schließlich ist 60 min vorher Onboarding. 6 min. Fahrt später sind wir also ca. 07.50 Uhr da, wir sind nicht die ersten aber auch bei weitem nicht die letzten und eine Fähre ist lange nicht da.
Ärgerlich, da hätten wir noch schnell im Hotel frühstücken können. Auch das fürs nächste Mal.
Nach und nach trudeln Fahrzeuge ein, der Kapitän samt Fähre scheint letzter sein zu wollen - er kann es sich ja erlauben.
Hinter uns eine Harley und dahinter treffen sich zwei offensichtliche Locals, eine 1200 GS und eine SMT werden routiniert abgestellt.

Da ich ja weiß, dass der einheimische Motorradfahrer die Insel als "die Insel" zum Motorradfahren auserkoren hat, beschließe ich kurzfristig mir die Insider Tipps abzuholen. In überschaubarem Englisch verwerfen wir meine Planung komplett und ich verlasse mich voll auf den sichtlich begeisterten La Gomera Fan. Die GM-1, die Hauptstraße, die einmal nördlich um die Insel führt, im Westen runter an die Küste nach La Calera, über die CV-18 und CV-17 auf den Berg zur GM-2, die einmal von Ost nach West in der Mitte der Insel verläuft, die geht's einmal nach Westen runter und wieder hoch, die CV-11 runter und die vom Insider als beste Straße der Insel ausgemachte GM-3 wieder hoch. Gute 170 km. Wenn Zeit bleibt sagt er, kann man im Nationalpark beliebig Runden drehen, das ist wie ein MotoGP-Circle - soviel vorweg, er wird Recht behalten.
Ich nehme noch den letzten PK-Punkt mit, damit sollen es 180 km werden.
Da schaffen wir sicher noch ein paar Zusatzkilometer, die wir dann spontan planen - denken wir uns.

Da kommt auch schon die Fähre, jetzt geht es schnell. Nach dem Kapitän gesellt sich noch eine weitere GS zu der Truppe, die werden heute viel Spaß haben.
Wir können als erstes auf die Fähre, die Besatzung weißt und ein und zieht einen kleinen Spanngurt durch den Soziusfußrastenhalter. Wir folgen der Masse aufs Deck und nehmen vorne im Bistro Platz. Dani organisiert Kaffee, ich übertrage die Route ins Navi - heutzutage mit dem Apps ein Kinderspiel, die 5 Straßennamen hatte man sich allerdings auch altmodisch merken können. Punkt 09.00 Uhr geht's los.
Die Überfahrt vergeht zügig, Jan wird immer blasser, der hat nicht auf seine bessere Hälfte gehört und sich keine Tabletten geholt. Der Kahn wackelt schon ordentlich, da hab auch ich einen leicht flauen Magen. Ist alles gut gegangen, leichte Hektik beim Verlassen der Fähre, hier wollen alle schnell weg. Das Dreiergespann zieht in südeuropäischer Manier an der Fahrzeugkolonne vorbei, wir lassen es etwas ruhiger angehen, kommen auch gut aus dem Ort

Dann folgt eine unfassbare Reizüberflutung, eine traumhafte Straße in tadellosem Zustand,, eine hervorragende Streckenführung, kein Verkehr, eine Kurve folgt der anderen und wenn eine Sekunde bleibt, hat man eine traumhafte Aussicht oder beeindruckende Natur um sich herum. Und so geht das denn ganzen Tag, ausnahmslos. Manche Straßen sind so breit, da macht man in Deutschland vierspurigen Autobahnen draus. Der Asphalt ist makellos, den wünscht sich sicher macher auf der Rennstrecke. Mir fallen gar nicht so viele Superlative ein, wie diese Insel verdient hat. Ich kenne Sardinien und die RDGA nicht, aber um das hier zu toppen muss schon einiges kommen. Vielleicht ist es auch weiterhin ein Geheimtipp, deswegen gibt es dazu nicht viel zu hören.
Ich kann die ganzen Eindrücke leider nicht in Worte fassen, das kann man nur erleben. Tut mir leid.
Ein Beispiel dafür, nach kurzer Zeit denke ich, irgendwas sei mit meiner Route nicht in Ordnung, es kann nicht sein, dass wir wenden müssen, hab ich vielleicht die falsche Route geladen? Nein, die Strecke war so kurzweilig, dass ich das nicht wahrgenommen habe. 70 km in 1,5 Stunden, vergingen wie im Flug. Einfach phänomenal.
In La Calera ist viel los, einige Bistros, viele, ich nenne sie mal Individualisten, am Nebentisch unterhalten sich zwei deutsche angeregt über Yoga und Co und stehen fest, dass ihnen das hier schon zu kommerziellen ist. Schräg, ich denke nicht, ich genieße nur den Moment. Ein bisschen karibischer Flair kommt auf, ein Duo mit Trompete und Keyboard wollen sich etwas zum Leben dazu verdienen. Jan muss was essen, die Fähre hängt ihm noch in den Knochen. Ein Sandwich und ein Getränk später müssen wir uns aus der anderen Welt verabschieden, die Fähre wartet nicht auf uns.
Weiter geht's und es reißt nicht ab, einfach überwältigend.
Wir haben das gerade beim Frühstück nochmal besprochen, es geht allen so, überwältigt von den Eindrücken, haben alle zwar Erinnerungen, aber detailliert ist im Hirn nicht viel haben geblieben.

Jan ging's nach dem Essen besser, Dani nicht ganz so gut, so dass wir uns am vorletzten PK-Punkt trennen, die beiden fahren zum Hafen, ich nehme neben den Punkt noch die CV-11 mit, einmal runter und wieder hoch, verwöhnt von den bisherigen Straßen reißt die mich nicht von Hocker, feucht, schmal und nicht perfekt. Die Abfahrt GM-2 zum Hafen ist wiederum ein genialer Abschluss.
Pünktlich um 16.00 Uhr stehen wir parat und freuen uns über den Tag. Rückreise klappt, wir sitzen hinten, das bekommt Jan deutlich besser.

Gesamteindruck für die Insel, ein bisschen sieht es so aus als ob sie sich entweder für gut Situierte oder Touristen herrichtet.

Zurück auf der großen Insel müssen wir das Motorrad vom Jada zurück tauschen. Am neuen Reifen hängt irgendwie eine Versys 650 aus der aktuellen Baureihe :think:
Es gab keinen Reifen, dafür eine aktuelle 650er :clap:
Im Hotel angekommen meint Jan, irgendwas sei mit der Ergonomie anders. Das nehmen wir erstmal so hin, der Abend klingt gemütlich aus.

https://kurv.gr/PR5Hb
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Re: Winterflucht Teneriffa 2026

#8 Beitrag von kautabbak »

Hier noch welche vom Mittag
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Re: Winterflucht Teneriffa 2026

#9 Beitrag von Mago »

Sehr schöner Bericht!
Könnte man so eins zu eins in der nächsten Zeitschrift mit Bildern abdrucken, aber leider gibt's ja eh schon kaum mehr Zeitschriften dieser Art.
Ich wäre gern dabei gewesen, noch dazu, wo ich Teneriffa nicht als Sauf und Turi Insel kenne und euch das gern gezeigt hätte.
Schön, dass ihr die neue Tour ohne Skrupel angenommen habt.
Ich bin auch immer ein Fan davon Einheimische zu fragen, statt alles vorher zu planen.
Bin irgendwie auch ein halber Latino :D
Habt noch viel Spaß. Bin gespannt, so ihr eure Bikes her habt und so ihr genau wohnt, klingt schon nicht typisch für tenerife.
LG Mago
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Re: Winterflucht Teneriffa 2026

#10 Beitrag von Franky_on2Wheels »

Hallo Kautabak, schöner Bericht, da hätten wir uns vielleicht sogar treffen können. Ich war mit 2 Freunden vom 22-27.02.26 auf Teneriffa.
Unser Standorthotel war in Los Cristianos mit Blick auf den Hafen.Wir waren auch auf La Gomera und La Palma, wobei die Zeit zum Fahren
auf La Palma echt knapp war weil die Fähre ja scho 2,5 Stunden braucht.Alles in allem waren es geile Touren auf den Inseln.
Wir hatten 3 Leihmaschinen ( Honda NC750X )von ATLANTIC MOTO . Habe einiges im Video festgehalten.
Guckst du hier:
https://youtu.be/MOxs7T5i8gc?si=UH3RBtSmS_PdkkJb

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kautabbak
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Re: Winterflucht Teneriffa 2026

#11 Beitrag von kautabbak »

Dienstag 03.03.2026 Regina und der krumme Hund

Dani möchte heute Urlaub ohne Motorrad machen und uns Jungs alleine los lassen. Ob sie geahnt hat was der Tag bringt und es uns nur nicht verraten wollte : think:

Die Wetter App ist sich nicht ganz einig, zeigt viel Wind an aber keinen großen Regen. Verhält sich aber irgendwie seltsam, mir egal, der Tag wird es zeigen.
Ich habe die Tour für heute großzügig angesetzt 320 km.
1000 Kurven auf der TF-28 gegen den Uhrzeigersinn erfahren, die TF-523 hoch klettern, hoffentlich besseres Wetter als Sonntag haben, die TF-24 runter und uns so gut es geht durch Santa Cruz Teneriffa kämpfen, um am weißen Strand Playa de las Teresitas entspannt einen Kaffee bei buntem Treiben zu genießen, die an der Küste verlaufende Sackgasse TF-121 mitnehmen und dann über die TF-21 hoch ins Anaga Gebirge winden, um die vier sehr eng zusammenliegenden PK-Punkte einzusammeln. Danach über die Hochstraßen Porto de la Cruz passieren und wieder zurück.
Das wird ein guter Tag.

Durch das gewusel zügig aus der Stadt, steuer ich unmittelbar eine Tankstelle an um den Luftdruck zu korrigieren. Ich wähle eine Cepsa, an den BP Tankstellen wollen die meist einen Gebühr von 1 € für 5 min. Luft, Cepsa und Ista haben Luft meist noch für lau. Die Voge hat eine Druckkontrolle, der Druck wird mir in Echtzeit im, mir an sich überladenen, TFT-Display angezeigt. Schon interessant, wie sich der Druck bei den diversen Einflüssen - Außentemperatur warm, kalt, Reifentemperatur warm, kalt, oben auf dem Berg, unten an der Küste... - verhält. Ich fülle etwas auf und Jan hat festgestellt, dass das mit der merklich anderen Ergonomie an einem verbogenen Lenker liegt. Die Versys hat einen Sturzschaden auf der rechten Seite, dabei hat es den ganzen Lenker verbogen. Hat der Vermieter wohl übersehen und wir bei der Übernahme, wahrscheinlich aufgrund der überschwenglichen Freude ob der aktuellen Versys auch. Ich frage ihn, ob wir umdrehen sollen, um die Versys wieder zu tauschen, Jan hatte keine Lust den Stadtverkehr noch mal mitzunehmen und will es den Tag probieren, wird schon passen meint er. Klären wir dann am Abend.
Also kannst losgehen mit der Tour. Jetzt wo ich etwas Zeit habe, und in die Spiegel schauen kann, sehe ich deutlich den krummen Hund von Lenker.

Die TF-28 begeistert auch in diese Richtung. Eine Kurve jagt die nächste, wenn sich ein Kardiologe den Kurvenverlauf auf der Karte anschaut, bekommt er selbst herzrasen. Eine Kurve eng, eine weit, eine "zieht zu" andere knicken um 180° ab. Das Orchester aus Bremse, Gas und Kupplung müssen vom Dirigenten mit dem Lenkstock in der Hand perfekt geführt werden, und schon hat man Beethovens 9. auf feinstes Asphaltband komponiert. Wobei der Rhythmus eher an Timmy Trumpet erinnert.
Fahrradfahrer sind vorbeifliegende Motorräder gewohnt, einheimische machen Platz oder zeigen einem wie es gemacht wird, zum Touristen überholen ergibt sich immer mal wieder eine Gelegenheit. Ein einheimischer in einem uralten Peugeot 106 quält das Ding ordentlich, die Kurveninneren Reifen halten gerade so Bodenkontakt, die Fuhre wird komplett aus den Federn gehoben, beeindrucken, irre aber beeindruckend.
Ich versuche mit den 525 vom Teufel gebohrten Kubik der Voge in Einklang zu kommen, hampel irgendwo zwischen 2. und 3. Gang rum, so richtig finden wir nicht zusammen, für die Kurven wäre etwas mehr Elastizität schön.
Jan erklärt mir, das er die Kurven überwiegend im 3. Gang fahren kann, allerdings sind die beiden hier auch deutlich besser abgestimmt als Herr Kowalski in der heimischen Garage, die fahren deutlich harmonischer und bocken nicht wie die heimische Maschine.
Ich denke drüber nach, ob das bei mir an dem chinesischen Motorrad liegt, den geringen ccm oder einfach nur an mir und meinem begrenzten Geist mich auf das Konzept einzulassen. Insgeheim denke ich für mich: "ach wie gern hätte ich einen Vierzylinder" :D

Bevor man bei herrlichem Sonnenschein ins schwitzen kommt geht die Fahrt auch schon die TF-523 hoch, es geht schnell auf über 1000 Höhenmeter und die Abkühlung fällt leider deutlich stärker aus, als wir uns das wünschen.
Ein ordentlicher Regenschauer zum Temperatursturz und der Blick auf den Wolken vergangenen Gipfel lässt keinen Zweifel daran aufkommen, schnell alles was wir mit haben und vor Kälte und Regen schützt anzuziehen. Mit jedem Meter den wir an Höhe gewinnen wird es nasser und kälter :cold:
Oben angekommen, lasse ich mich dazu hinreißen die Handschuhe für ein Beweisfoto auszuziehen - blöde Idee, nasse Hand in Handschuh, wer kennt es nicht. Wir sehen, das es Berg auf gesperrt ist ein Kamerateam und zwei Autos deren Fronten wie Erlkönige beklebt sind, lassen auf eine Autosendung schließen.
Bergab sehr ich, dass ich mich getäuscht habe, oben war noch nicht die Tiefsttemperatur erreicht, es geht runter auf 1°C, gefühlt aber deutlich kälter und das wird nicht besser, allerdings kein Schnee, dass ist gut. Auch ist es nicht wie am Sonntag, unten angekommen sagt das Thermometer 8°C, bei Fahrtwind ist das nicht die Temperatur die wärmt, immerhin hört der Regen auf.
Mit Gefrierbrand an den Fingern triefen und tropfen wir uns bei roter Welle durch den dichten Verkehr von Santa Cruz de Teneriffa, selbst die Fingergymnastik an der Kupplung bringt kein Leben in die Fingerkuppen.
Am Strand angekommen wundern wir uns über die menschenleere Kulisse, die Straßen sind teils unter w Wasser, sieht aus als wäre das Meer über die Mauer geschwappt. Stellen sie Maschinen auf den leeren Parkplatz ab und gehen ein paar Meter zu einer Strandbar. Wir bestellen nur ein paar Getränke und setzen uns unter den Pavillon, da der Wind sich ganz ordentlich pustet. Kaum einen Schluck genommen, kommen starke Winde samt Regen aus, der Regen kommt nicht von oben, der kommt waagerecht und verwässert und das Getränk und den anderen Gästen das Essen. Wir flüchten uns Richtung Bar, das ist so ziemlich die einzige trockene Ecke. Eine der Bediensteten erklärt uns für verrückt, er fährt eigentlich auch mit dem Motorrad, wegen dem Wetter habe er heute den Bus genommen. Es sei für den ganzen Tag sehr schlechtes Wetter angesagt - wir zucken mit den Schultern und glauben ihm erstmal, schließlich gibt ihm das Wetter gerade Recht. Meine Wetter App ist der Lüge überführt, die sagt immer noch keinen Regen an.
Wir wollen aufgrund der Wetterlage die Tour abbrechen, Regen und Wind blasen uns unerbittlich um die Ohren. Mangels Wolkenlücken warten wir nicht weiter und kommen wie begossene Pudel bei unseren Motorrädern an. Flott die Klamotten übergezogen und schnell weg hier.
Im Gewusel der Stadt ist kein Wind spürbar und der Regen bildet sich als leichte Gischt auf dem Visier. Okay, scheint doch alles halb so wild zu sein, kurzerhand wird beschlossen die Tour doch fortzusetzen, die TF-121 und den letzten Zipfel TF-12 werden wir aber nicht mitnehmen, nochmal durch die Stadt wäre Irrsinn. Sollte das Wetter außerhalb der Stadt wieder schlechter werden geben wir uns geschlagen und brechen ab. Es wird wahrlich schlechter, im dicht bewaldeten Anaga Gebirge merkt man aber wenig davon, Wind und Regen wird von den Lorbeerbäumen zurück gehalten.
Wir schlängeln uns durch die enge kurvige Straße, viele Touristen sind in ihren Autos unterwegs, etliche Wanderer und Fahrradfahrer entlang der Straße, die hohe Luftfeuchtigkeit und der Nebel lassen mir die Spiegel und die Brille beschlagen, Jan hat mir seinen anlaufenden Visier zu kämpfen, das alles macht die Tour Recht anspruchsvoll. Unbeirrt wird der Natur getrotzt, mit dem Ziel, die vier PK-Punkte einzusammeln. Jans Handschuhe sind durch und im Schritt ist er wohl auch etwas undicht, meine Sachen sind dicht, es fühlt sich am Hintern nass an, ist es aber nicht. Für meine Versys habe ich mir dafür ein Fell für die Sitzbank gekauft, will Mal probieren ob das was bringt.
Der letzte Punkt liegt soweit ab der Zivilisation, dass es dort kein Internet gibt, das ist auf der Insel sonst eher die Ausnahme als die Regel.

Da mich die PK-Admins aufgefordert haben das Poster auszudrucken, hatte ich das am Vorabend veranlasst. Schwarz-weiß, A4 bei dem Wetter ist allein das drapieren fürs Foto schon eine Herausforderung.

Am nordöstlichsten PK-Punkt stehen wir wieder vor der Frage: Abbruch oder sollen wir die letzten zwei Punkte noch einsammeln? Irgendwie kommen wir auf ein "Weitermachen" - warum, weiß ich eigentlich nicht, es ist wohl eine Mischung aus Trotz und Gleichgültigkeit.

Kurviger baut noch einen Schlenker über die TF-143 und eine Straße ohne Nummer - also eine wirklich kleine Straße - ein, der mich gerade wirklich nervt. Ich aber die Einstellungen, wir nehmen ein Stück Autobahn, das muss jetzt Mal sein. Einfach nur fahren. Die Freude währt nur kurz, Stau auf der Autobahn - man kommt ganz gut durch die Autoreifen durch.

Wir steigen die TF-21 auf und fahren auf den Hochstraßen über den Dächern der Stadt. Hier ist Nebel und Regen wieder teurer Begleiter der einstelligen Temperaturen. Kurviger will immer Mal abkürzen, die Verbindungsstraßen gegen extrem steil bergauf oder bergab, das Versuche ich so gut es geht zu vermeiden, die TF-Straßen winden sich ganz nett die verbauten Hänge rauf und runter. Während der Fotostopps macht der Himmel die Schleusen auf, damit das Spiel nasse Hand in Handschuh und Tropfen auf dem Display bringt Eigenleben in die Navigation weitergeht.

Ich freue mich, alle Punkte eingesammelt zu haben, jetzt soll es den schnellsten Weg gehen Unterkunft gehen. Nadelöhr wird Santiago del Teide sein, das bestätigt sich auch, die Wohnmobilmafia schreckt vor nix zurück, genervt schleichen wir durch anhaltend schlechtes Wetter, auf der westlichen Autobahn ist leider keine Sonne mehr, die uns etwas aufwärmt. Kurz tanken und heiß duschen, das ist Balsam für die Seele.

Ich kontaktiere meinen Vermieter, er wollte wissen, wenn sie Kette trocken ist und sie zu schmieren. Da Jan morgen früh zu seinem Händler muss, ist Zeit das zu regeln. Wir vereinbaren, dass ich mich nach dem Frühstück melde, er braucht ca. 30 min. Vorlauf.

Wir gehen noch eine Kleinigkeit essen, das reicht für heute.
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Besten Gruß
David


Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie gerne behalten.

Man stirbt nur einmal, aber man lebt jeden Tag.

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Re: Winterflucht Teneriffa 2026

#12 Beitrag von kautabbak »

Ach ja, wieder vergessen. So in etwa, mit den oben beschriebenen Abweichungen sind wir auf 350 km gekommen.

https://kurv.gr/bfDVf
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Besten Gruß
David


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Bayoumi
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Re: Winterflucht Teneriffa 2026

#13 Beitrag von Bayoumi »

Mit Beethovens 9. und Timmy Trumpet hast du mir einen sehr wilden Ohrwurm gemixt. 😄
Bild Versys 650 | BJ 2016 | April 2018 bis April 2024 | von KM 48 bis KM 59172
Bild VN 800 A | BJ 1996 | Juni 2023 bis heute | von KM 17755 bis KM 20682
Bild Norden 901 TT WTE | BJ 2022 | April 2024 bis heute | von KM 8095 bis KM 10136

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