Dienstag 03.03.2026 Regina und der krumme Hund
Dani möchte heute Urlaub ohne Motorrad machen und uns Jungs alleine los lassen. Ob sie geahnt hat was der Tag bringt und es uns nur nicht verraten wollte : think:
Die Wetter App ist sich nicht ganz einig, zeigt viel Wind an aber keinen großen Regen. Verhält sich aber irgendwie seltsam, mir egal, der Tag wird es zeigen.
Ich habe die Tour für heute großzügig angesetzt 320 km.
1000 Kurven auf der TF-28 gegen den Uhrzeigersinn erfahren, die TF-523 hoch klettern, hoffentlich besseres Wetter als Sonntag haben, die TF-24 runter und uns so gut es geht durch Santa Cruz Teneriffa kämpfen, um am weißen Strand Playa de las Teresitas entspannt einen Kaffee bei buntem Treiben zu genießen, die an der Küste verlaufende Sackgasse TF-121 mitnehmen und dann über die TF-21 hoch ins Anaga Gebirge winden, um die vier sehr eng zusammenliegenden PK-Punkte einzusammeln. Danach über die Hochstraßen Porto de la Cruz passieren und wieder zurück.
Das wird ein guter Tag.
Durch das gewusel zügig aus der Stadt, steuer ich unmittelbar eine Tankstelle an um den Luftdruck zu korrigieren. Ich wähle eine Cepsa, an den BP Tankstellen wollen die meist einen Gebühr von 1 € für 5 min. Luft, Cepsa und Ista haben Luft meist noch für lau. Die Voge hat eine Druckkontrolle, der Druck wird mir in Echtzeit im, mir an sich überladenen, TFT-Display angezeigt. Schon interessant, wie sich der Druck bei den diversen Einflüssen - Außentemperatur warm, kalt, Reifentemperatur warm, kalt, oben auf dem Berg, unten an der Küste... - verhält. Ich fülle etwas auf und Jan hat festgestellt, dass das mit der merklich anderen Ergonomie an einem verbogenen Lenker liegt. Die Versys hat einen Sturzschaden auf der rechten Seite, dabei hat es den ganzen Lenker verbogen. Hat der Vermieter wohl übersehen und wir bei der Übernahme, wahrscheinlich aufgrund der überschwenglichen Freude ob der aktuellen Versys auch. Ich frage ihn, ob wir umdrehen sollen, um die Versys wieder zu tauschen, Jan hatte keine Lust den Stadtverkehr noch mal mitzunehmen und will es den Tag probieren, wird schon passen meint er. Klären wir dann am Abend.
Also kannst losgehen mit der Tour. Jetzt wo ich etwas Zeit habe, und in die Spiegel schauen kann, sehe ich deutlich den krummen Hund von Lenker.
Die TF-28 begeistert auch in diese Richtung. Eine Kurve jagt die nächste, wenn sich ein Kardiologe den Kurvenverlauf auf der Karte anschaut, bekommt er selbst herzrasen. Eine Kurve eng, eine weit, eine "zieht zu" andere knicken um 180° ab. Das Orchester aus Bremse, Gas und Kupplung müssen vom Dirigenten mit dem Lenkstock in der Hand perfekt geführt werden, und schon hat man Beethovens 9. auf feinstes Asphaltband komponiert. Wobei der Rhythmus eher an Timmy Trumpet erinnert.
Fahrradfahrer sind vorbeifliegende Motorräder gewohnt, einheimische machen Platz oder zeigen einem wie es gemacht wird, zum Touristen überholen ergibt sich immer mal wieder eine Gelegenheit. Ein einheimischer in einem uralten Peugeot 106 quält das Ding ordentlich, die Kurveninneren Reifen halten gerade so Bodenkontakt, die Fuhre wird komplett aus den Federn gehoben, beeindrucken, irre aber beeindruckend.
Ich versuche mit den 525 vom Teufel gebohrten Kubik der Voge in Einklang zu kommen, hampel irgendwo zwischen 2. und 3. Gang rum, so richtig finden wir nicht zusammen, für die Kurven wäre etwas mehr Elastizität schön.
Jan erklärt mir, das er die Kurven überwiegend im 3. Gang fahren kann, allerdings sind die beiden hier auch deutlich besser abgestimmt als Herr Kowalski in der heimischen Garage, die fahren deutlich harmonischer und bocken nicht wie die heimische Maschine.
Ich denke drüber nach, ob das bei mir an dem chinesischen Motorrad liegt, den geringen ccm oder einfach nur an mir und meinem begrenzten Geist mich auf das Konzept einzulassen. Insgeheim denke ich für mich: "ach wie gern hätte ich einen Vierzylinder"
Bevor man bei herrlichem Sonnenschein ins schwitzen kommt geht die Fahrt auch schon die TF-523 hoch, es geht schnell auf über 1000 Höhenmeter und die Abkühlung fällt leider deutlich stärker aus, als wir uns das wünschen.
Ein ordentlicher Regenschauer zum Temperatursturz und der Blick auf den Wolken vergangenen Gipfel lässt keinen Zweifel daran aufkommen, schnell alles was wir mit haben und vor Kälte und Regen schützt anzuziehen. Mit jedem Meter den wir an Höhe gewinnen wird es nasser und kälter
Oben angekommen, lasse ich mich dazu hinreißen die Handschuhe für ein Beweisfoto auszuziehen - blöde Idee, nasse Hand in Handschuh, wer kennt es nicht. Wir sehen, das es Berg auf gesperrt ist ein Kamerateam und zwei Autos deren Fronten wie Erlkönige beklebt sind, lassen auf eine Autosendung schließen.
Bergab sehr ich, dass ich mich getäuscht habe, oben war noch nicht die Tiefsttemperatur erreicht, es geht runter auf 1°C, gefühlt aber deutlich kälter und das wird nicht besser, allerdings kein Schnee, dass ist gut. Auch ist es nicht wie am Sonntag, unten angekommen sagt das Thermometer 8°C, bei Fahrtwind ist das nicht die Temperatur die wärmt, immerhin hört der Regen auf.
Mit Gefrierbrand an den Fingern triefen und tropfen wir uns bei roter Welle durch den dichten Verkehr von Santa Cruz de Teneriffa, selbst die Fingergymnastik an der Kupplung bringt kein Leben in die Fingerkuppen.
Am Strand angekommen wundern wir uns über die menschenleere Kulisse, die Straßen sind teils unter w Wasser, sieht aus als wäre das Meer über die Mauer geschwappt. Stellen sie Maschinen auf den leeren Parkplatz ab und gehen ein paar Meter zu einer Strandbar. Wir bestellen nur ein paar Getränke und setzen uns unter den Pavillon, da der Wind sich ganz ordentlich pustet. Kaum einen Schluck genommen, kommen starke Winde samt Regen aus, der Regen kommt nicht von oben, der kommt waagerecht und verwässert und das Getränk und den anderen Gästen das Essen. Wir flüchten uns Richtung Bar, das ist so ziemlich die einzige trockene Ecke. Eine der Bediensteten erklärt uns für verrückt, er fährt eigentlich auch mit dem Motorrad, wegen dem Wetter habe er heute den Bus genommen. Es sei für den ganzen Tag sehr schlechtes Wetter angesagt - wir zucken mit den Schultern und glauben ihm erstmal, schließlich gibt ihm das Wetter gerade Recht. Meine Wetter App ist der Lüge überführt, die sagt immer noch keinen Regen an.
Wir wollen aufgrund der Wetterlage die Tour abbrechen, Regen und Wind blasen uns unerbittlich um die Ohren. Mangels Wolkenlücken warten wir nicht weiter und kommen wie begossene Pudel bei unseren Motorrädern an. Flott die Klamotten übergezogen und schnell weg hier.
Im Gewusel der Stadt ist kein Wind spürbar und der Regen bildet sich als leichte Gischt auf dem Visier. Okay, scheint doch alles halb so wild zu sein, kurzerhand wird beschlossen die Tour doch fortzusetzen, die TF-121 und den letzten Zipfel TF-12 werden wir aber nicht mitnehmen, nochmal durch die Stadt wäre Irrsinn. Sollte das Wetter außerhalb der Stadt wieder schlechter werden geben wir uns geschlagen und brechen ab. Es wird wahrlich schlechter, im dicht bewaldeten Anaga Gebirge merkt man aber wenig davon, Wind und Regen wird von den Lorbeerbäumen zurück gehalten.
Wir schlängeln uns durch die enge kurvige Straße, viele Touristen sind in ihren Autos unterwegs, etliche Wanderer und Fahrradfahrer entlang der Straße, die hohe Luftfeuchtigkeit und der Nebel lassen mir die Spiegel und die Brille beschlagen, Jan hat mir seinen anlaufenden Visier zu kämpfen, das alles macht die Tour Recht anspruchsvoll. Unbeirrt wird der Natur getrotzt, mit dem Ziel, die vier PK-Punkte einzusammeln. Jans Handschuhe sind durch und im Schritt ist er wohl auch etwas undicht, meine Sachen sind dicht, es fühlt sich am Hintern nass an, ist es aber nicht. Für meine Versys habe ich mir dafür ein Fell für die Sitzbank gekauft, will Mal probieren ob das was bringt.
Der letzte Punkt liegt soweit ab der Zivilisation, dass es dort kein Internet gibt, das ist auf der Insel sonst eher die Ausnahme als die Regel.
Da mich die PK-Admins aufgefordert haben das Poster auszudrucken, hatte ich das am Vorabend veranlasst. Schwarz-weiß, A4 bei dem Wetter ist allein das drapieren fürs Foto schon eine Herausforderung.
Am nordöstlichsten PK-Punkt stehen wir wieder vor der Frage: Abbruch oder sollen wir die letzten zwei Punkte noch einsammeln? Irgendwie kommen wir auf ein "Weitermachen" - warum, weiß ich eigentlich nicht, es ist wohl eine Mischung aus Trotz und Gleichgültigkeit.
Kurviger baut noch einen Schlenker über die TF-143 und eine Straße ohne Nummer - also eine wirklich kleine Straße - ein, der mich gerade wirklich nervt. Ich aber die Einstellungen, wir nehmen ein Stück Autobahn, das muss jetzt Mal sein. Einfach nur fahren. Die Freude währt nur kurz, Stau auf der Autobahn - man kommt ganz gut durch die Autoreifen durch.
Wir steigen die TF-21 auf und fahren auf den Hochstraßen über den Dächern der Stadt. Hier ist Nebel und Regen wieder teurer Begleiter der einstelligen Temperaturen. Kurviger will immer Mal abkürzen, die Verbindungsstraßen gegen extrem steil bergauf oder bergab, das Versuche ich so gut es geht zu vermeiden, die TF-Straßen winden sich ganz nett die verbauten Hänge rauf und runter. Während der Fotostopps macht der Himmel die Schleusen auf, damit das Spiel nasse Hand in Handschuh und Tropfen auf dem Display bringt Eigenleben in die Navigation weitergeht.
Ich freue mich, alle Punkte eingesammelt zu haben, jetzt soll es den schnellsten Weg gehen Unterkunft gehen. Nadelöhr wird Santiago del Teide sein, das bestätigt sich auch, die Wohnmobilmafia schreckt vor nix zurück, genervt schleichen wir durch anhaltend schlechtes Wetter, auf der westlichen Autobahn ist leider keine Sonne mehr, die uns etwas aufwärmt. Kurz tanken und heiß duschen, das ist Balsam für die Seele.
Ich kontaktiere meinen Vermieter, er wollte wissen, wenn sie Kette trocken ist und sie zu schmieren. Da Jan morgen früh zu seinem Händler muss, ist Zeit das zu regeln. Wir vereinbaren, dass ich mich nach dem Frühstück melde, er braucht ca. 30 min. Vorlauf.
Wir gehen noch eine Kleinigkeit essen, das reicht für heute.