Heute geht‘s ins Cantal-Massiv. Das Cantal-Massiv ist ein Teilbereich der Auvergne und ein einziger erloschener Vulkan, von der Größe des Saarlandes. Das Cantal-Massiv liegt in der Region Auvergne. Die Auvergne ist ein Teilbereich des Zentralmassivs. Das Zentralmassiv ist der riesige, übergeordnete Naturraum in Frankreich. Es ist ein uraltes Mittelgebirge, das fast ein Sechstel der gesamten Fläche Frankreichs einnimmt (33x Saarland, oder einfacher Niedersachsen plus Baden-Württemberg). Die Bevölkerungsdichte ist aber eher die von Bawü minus Niedersachsen, man hat die Welt also ziemlich für sich alleine. Aufgrund des guten Erfolgs meiner Frühstart-Strategie geht‘s auch heute wieder früh los.

Erster Stopp nach dem ersten Passknackerpunkt ist eine Bäckerei. Am nächsten Pass gibt‘s dann die Frühstückspause. Bei 11 Grad kann man die Jacke ruhig anlassen.

Und dann kommt auch schon das touristische Highlight der Region. Ich fahre eine 4,50 Meter breite Passstraße hoch, die alle 500 Meter eine einspurige Brücke hat. Es ist alles gut einsehbar, ich freue mich. Ich wundere mich noch etwas über die ausführliche Beschilderung, wer hier alles wann nicht fahren darf, z.B. Wohnmobile nur 12:45-24:00. Jenseits der Waldgrenze wird mir schnell klar warum: Ich bin am Puy Mary, dem zweithöchsten Gipfel des Zentralmassivs, gleichzeitig der höchste Pass des Zentralmassivs und Anziehungspunkt für 500.000 Besucher jährlich.


Gänsehaut! An diesen Punkt hier erinnere ich mich noch von meiner allerersten Frankreich-Tour. Das war 2013. Die Route hatte Duck (Markus) damals alleine geplant, und das hat er echt gut gemacht. Ich bin die ganze Zeit nur hinterhergefahren, ohne mich auszukennen. Zum Glück bin ich heute sehr früh dran und habe freie Fahrt und freie Aussicht. Mein Navi irritiert mich etwas, denn Kurviger will hier noch 2x drüberfahren. Das liegt an der Umfahrung einer angeblichen Sperrung später in der Route, die ich nach Gegenprüfung bei Google Maps einfach deaktiviere. Google ist meistens aktueller als die TomTom-Daten, die Kurviger nutzt. Meine Route geht weiter, weg vom Touri-Hotspot, durchs Hinterland. Es ist sehr landwirtschaftlich geprägt hier. Man muss jederzeit mit langsamen Großfahrzeugen rechnen. Hier werden die Kühe gerade in ihr Winterquartier gebracht.

Es ist einfach eine nette kleine Welt hier, wo man anhand eines Fotos kaum sagen könnte, ob es 2026, 2005, 1990 oder 1960 entstanden ist.

Und Motorradfahren kann man auch gut, denn 1960 gab‘s noch keine Verkehrsüberwachung

Wenn ich das noch öfter schreibe, muss ich da wohl irgendwann mal hin

Was haben die hier eigentlich für ein unverschämt sanftes Licht… später wird‘s etwas grau, die Sperrung gibt‘s tatsächlich nicht, dafür ist es aber eine Nationalstraße. Also Tempomat an, Podcast an und cruisen. Dann erreiche ich mal wieder den Col du Guéry, das dritte Mal in meiner Passknacker-Karriere.

Hoffentlich nicht das letzte Mal. Jetzt sind es nur noch 70 km zum Ziel, also in Billom volltanken und Abendessen einkaufen, dann geht‘s zur Ferienwohnung. Die liegt wirklich aufm Dorf. Ich darf mit dem Motorrad in den „Hof“ fahren, der sich eher als Garten entpuppt. Ich folge der Wirtin fahrend auf den schmalen Trampelpfad in der Hoffnung, da wieder irgendwie raus zu kommen.
347 km 6:15h heute, angenehm zu fahren

Nach dem Check-In prüfe ich den Kettenöler: Ich habe einen mechanischen Öler kurz vor der Reise montiert, und am ersten Tag hat er gut sichtbar geölt, seitdem eher diskret. Ich drehe und drehe im Tagesverlauf, es passiert nichts. Heute Abend daher ein klärender Blick in den Vorratsbehälter: Leer, ausgelaufen. Tja, dafür habe ich noch eine Minidose Kettenspray dabei, die nutze ich aber natürlich nicht im Garten.

























